Bayerisch-israelische FreundschaftDirekt von der Tik-Tok-Akademie in den Landtag

Lesezeit: 2 Min.

Lou Bohlen, Leiterin der Nahost-Abteilung der Max-Planck-Gesellschaft, Moderatorin Franziska Troger und Anna Abelmann-Brockmann von der Wissenschaftlichen Koordinierungsstelle Bayern–Israel der Bayerischen Forschungsallianz GmbH.
Lou Bohlen, Leiterin der Nahost-Abteilung der Max-Planck-Gesellschaft, Moderatorin Franziska Troger und Anna Abelmann-Brockmann von der Wissenschaftlichen Koordinierungsstelle Bayern–Israel der Bayerischen Forschungsallianz GmbH.
Matthias Balk/Bayerischer Landtag

60 Jahre diplomatische Beziehungen: Beim bayerisch-israelischen Freundschaftstag im Maximilianeum widmen sich rund 800 Gäste aus Politik, Wirtschaft und vielen Schulen der Essenz Israels.

Von Ulrike Heidenreich

SZ bei Google bevorzugen

Was die Bayern ganz besonders an Israel schätzen? Nun, man könnte es sich einfach machen: Medizintechnik, Luftfahrzeuge, Messgeräte. Und was wiederum gefällt den Israelis so gut an Bayern? Autos und Kunststoffe. 800 bayerische Firmen sind in Israel aktiv, es gibt unzählige Hightech-Kooperationen. Doch oben über dieser Hitliste über Waren-Importe und Geschäftsverbindungen steht am Montagabend im bayerischen Landtag etwas anderes ganz groß: das Wort der Freundschaft.

„Servus Israel, Schalom Bayern“ ist der bayerisch-israelische Freundschaftstag überschrieben – anlässlich des 60. Jahrestags der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Zum vierten Mal geht da hoch oben über der Isar ein ganztägiges Programm mit 700 bis 800 Gästen über die Bühne. Vormittags waren viele Schulklassen da, um Fachdiskussionen zu lauschen. Am Nachmittag und Abend dann die Polit-Prominenz plus der wirklich großen jüdischen und israelaffinen Communitiy, die es in München gibt.

Was da besonders gefällt? Nun, der charmante Wortwitz der israelischen Generalkonsulin Talya Lador-Fresher beispielsweise, es gibt im Plenarsaal des Landtags immer wieder Applaus und Lachen. Und dies eineinhalb Jahre nach dem Terror-Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. An der Abendgarderobe der Gesellschaft heften denn auch überall gelbe Schleifen, ein Zeichen der Solidarität, insbesondere mit den immer noch im Gazastreifen verbliebenen Geiseln. Überall rund um den Steinernen Saal mit schönstem Ausblick auf den Sonnenuntergang über den Kirchen und Kränen Münchens sieht man auch viele „Bring them home now“-Buttons.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner sagt, angesichts des Bangens um die Geiseln und den Frieden in der Region sei das persönliche Wiedersehen unter Freunden wichtig wie nie. Auch „in Zeiten wie diesen“ dürfe man gemeinsam feiern, „was uns zusammenhält: die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Respekt für alle Menschen“.

Uschi Glas (Mitte) und ihr Mann Dieter Hermann waren auch zu Gast.
Uschi Glas (Mitte) und ihr Mann Dieter Hermann waren auch zu Gast.
Matthias Balk/Bayerischer Landtag

Bei einer Abschlussrunde im Plenarsaal, wo die Gäste auf den 203 Abgeordnetenstühlen von links nach rechts – von der CSU über die Freien Wähler, AfD, Grünen und SPD – Platz genommen haben, widmen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Frage, warum die Beziehung zwischen Israel und Bayern so besonders ist. Zum einen ist es so, dass in der bayerischen Landeshauptstadt nur wenige Tage nach der Unabhängigkeitserklärung Israels 1948 die allererste diplomatische Vertretung Israels eröffnet wurde. Um den vielen Menschen und Holocaust-Überlebenden, die in Displaced-Person-Camps im Süden der Republik untergebracht waren, Papiere für ihre Ausreise nach Israel auszustellen.

Volker Beck, Ex-Bundestagspolitiker und nun Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, sagt, die Staatsgründung sei nötig gewesen, „um nicht beim nächsten Angriff von der Landkarte geputzt zu werden“. Und der Grüne gedenkt einem, der einst im bayerischen Landtag eine Art Überpräsenz hatte: „Da gebührt Franz Josef Strauß Dank, der 1957 mit Schimon Peres den Dialog über die militärische Aufrüstung begonnen hatte.“

Vor allem Bildungsfragen nehmen die Podiumsteilnehmer in den Blick. Bayerns Europaminister Eric Beißwenger etwa, der die Erinnerungskultur bei den kommenden Generationen durch den Einsatz „moderner, technischer Möglichkeiten“ fördern möchte: „Die Zeitzeugen sind ja bald nicht mehr da.“ Auch Volker Beck fordert, breit in der akademischen und schulischen Bildung anzusetzen: „Die Kinder kommen direkt von der Tik-Tok-Akademie in die Klassenzimmer. Lehrer müssen Narrative wissen, sonst erkennen sie nicht die antisemitischen Inhalte.“

Später widmet man sich bei Spargelrisotto und Käsespätzle vor allem der Frage, was man gegenseitig an sich mag. Natürlich – um wieder zur Wirtschaft zurückzukehren – Bayerns Außenhandel mit Israel, dieser war im vergangenen Jahr über 1,2 Milliarden Euro stark. Aber das ist eben nicht alles. Lador-Fresher sagt: „Israels Essenz ist, weiterzugehen. Am besten mit vielen Freunden.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Professionelle Erzählerin
:„Man kann nur die Geschichten gut erzählen, die man liebt“

Momo Heiß hat Musik studiert, aber Worte zu ihrem Beruf gemacht. Im Januar war sie in Marrakesch, als ein Erzähl-Weltrekord aufgestellt wurde - eine Geschichte mit überraschender Wendung, wie ihre eigene.

SZ PlusVon Sonja Niesmann

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: