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Saisonbeginn bei der Seenschiffahrt:Unter Deck die Maskenpflicht, unter freiem Himmel das Abstandsgebot

Starnberg, See

Schiffe wie die MS Starnberg stechen an diesem Samstag wieder in See - die Passagiere müssen an Bord aber Abstand halten.

(Foto: Georgine Treybal)

Wegen der Corona-Pandemie mussten die Ausflugsschiffe in den Häfen bleiben, an diesem Samstag legen sie wieder ab - manches aber wird an Bord ungewohnt sein.

Vor dem bleigrauen und wolkenverhangenen Himmel kreischen nur die Möwen, sonst ist nicht viel los an der Starnberger Schiffswerft, als der bayrische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker den Saisonbeginn für die Seenschifffahrt ausruft. Die MS Starnberg und die MS Seeshaupt liegen still im See, doch schon bald sollen sie wieder bis zu 2000 Gäste am Tag übers Wasser schippern. Mit Gummibändern und Aufklebern sollen die Passagiere dabei auf Abstand gehalten werden.

Von diesem Samstag, 30. Mai, an fahren beide Schiffe täglich von 10 Uhr an voraussichtlich vier Mal eine etwa einstündige Runde auf dem Starnberger See. Am Ammersee werden Schiffe zu einstündigen Rundfahrten in Stegen und Herrsching ablegen. Auch auf dem Tegernsee und Königssee starten die Flotten wieder an diesem Pfingstwochenende.

Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, hat sich Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt, ein Hygienekonzept überlegt: Unter Deck gilt die Maskenpflicht, auf den Sitzplätzen unter freiem Himmel das Abstandsgebot. Die Schiffe werden nach jeder Fahrt gereinigt und die Türklinken und Griffe desinfiziert - "das verzögert unseren Ablauf um ungefähr eine halbe Stunde", sagt Grießer. Aus diesem Grund entfallen auch die Zwischenstopps, Start- und Landepunkt sind derselbe. Alle Fahrgäste werden namentlich registriert.

Zusätzliche Kassenhäuschen am Steg sollen den Ticketkauf erleichtern. Ein Online-Ticket-System ist noch nicht eingerichtet, man wolle erst das Interesse der Gäste abwarten und einen Vorschlag der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) prüfen, so Grießer. Um das Abzählen von Kleingeld zu verringern, sei der Ticketpreis für eine Rundfahrt auf dem Starnberger See von 10,90 Euro auf elf Euro aufgerundet worden, auf dem Ammersee von 11,90 Euro auf zwölf Euro. "Das Geschäft wird sich diese Saison nicht rechnen, aber es ist allemal besser, als wenn wir die Schiffe im Hafen stehen lassen", sagt Minister Füracker.

Konkret dürfen nur rund 250 Passagiere auf eines der beiden Schiffe am Starnberger See, die sonst je 800 Gäste beherbergen können. Bei vier Rundfahrten von zwei Schiffen könnten so bis zu 2000 Touristen pro Tag auf dem See unterwegs sein. Am Ammersee dürfen auf der "Utting" voraussichtlich 150 Personen einsteigen, statt der sonst möglichen 500 Menschen. "Wir werden die Schiffe nicht voll belegen", sagt Minister Füracker, "es ist wichtig, dass Gäste und Mitarbeiter sich sorgenfrei auf den Schiffen bewegen können." Bei großer Nachfrage würden am Abend noch zusätzliche Fahrten angeboten, stellt Grießer in Aussicht. Darüber könnten sich Fahrgäste am Steg informieren. Die Gastronomie auf den Schiffen bleibt geschlossen, momentan versucht Grießer noch, Getränkeautomaten aufzutreiben, damit die Gäste wenigstens etwas zu trinken kaufen können. "Doch alles, was mit Selbstbedienung zu tun hat, ist momentan schwer auf dem Markt zu bekommen", sagt Grießer. Ein mitgebrachtes Picknick an den zugewiesenen Tischen ist gestattet.

Der Großteil der Mitarbeiter der Seenschifffahrt kehrt nun aus der Kurzarbeit zurück. "Wir brauchen gerade sogar mehr Personal als vorher für die Besucherlenkung am Steg", so Grießer. In der coronabedingten Zwangspause hätten die Mitarbeiter die Flotte auf Vordermann gebracht und Verschönerungsarbeiten an den Schiffen erledigt. Unter normalen Umständen beginnt die Hauptsaison der Bayerischen Seenschifffahrt zu Ostern. Heuer blieben auch auf dem sonst ganzjährig befahrenen Königssee alle Schiffe wegen der Corona-Pandemie in den Häfen.

© SZ vom 29.05.2020/syn
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