„Hach, die Berge!“, denkt der Münchner, wenn sich ihm auf einer der Autobahnen die imposante Alpenkette ins Blickfeld drängt. Man könnte mal wieder wandern gehen, denkt er weiter, schränkt aber gleich ein: Wenn’s bloß nicht so heiß wäre! Nun, wer nicht gerade hochalpin jenseits der Baumgrenze unterwegs sein will, kann sich ja eine schön schattige Tour aussuchen. Eine, an deren Ende auch noch eine hübsche Einkehr wartet. Ein paar Vorschläge (Längen- und Zeitangaben gelten jeweils nur für den Aufstieg).
Feldlahnalm, Chiemgauer Alpen

Mehr Schatten geht fast nicht. Nur wenige Schritte sind es vom Wanderparkplatz Hammererbach bis in den Wald hinein – ungefähr genauso wenige sind es dann oben vom Waldrand bis rüber zur Alm. Der ganze Rest des sachte ansteigenden Weges liegt im Schatten, führt komplett am fröhlichen gluckernden Hammererbach entlang, der sich zuweilen recht dekorativ ein paar Stufen hinab stürzt. Oben angekommen warten nicht nur Panorama, kühle Getränke und die ein oder andere Brotzeit, sondern auch Getier in Form von Eseln und Ziegen sowie ein beim Nachwuchs sehr beliebter ausrangierter Traktor. Die Krönung der Tour ist jedoch die Gumpe kurz unterhalb des Parkplatzes: Kühler wird’s nicht.
- Länge: 3,3 Kilometer
- Gehzeit: ca. 1 Stunde
- Höhenmeter: 300
Feldlahnalm, Hammerergraben, 83246 Unterwössen, Telefon: 0160/97767727, feldlahnalm.de
Kesselalm, Mangfallgebirge
Nur ein wenig mehr Sonne bekommt man auf dem Weg zur Kesselalm ab, einem beliebten Zwischenstopp für Wanderer, die sich den Gipfel des ebenso beliebten Breitensteins vorgenommen haben. Der Weg dorthin führt allerdings ins offene Gelände, weshalb sich schattenbewusste Zeitgenossen mit dem Spaziergang zur Alm begnügen. Vom Wanderparkplatz in Birkenstein bei Fischbachau folgt man dem Wegweiser „Breitenstein, Schweinsberg“, geht zunächst durch lichten und später schattigeren Bergwald. Gegen Ende führen mehrere Kehren steil bergauf, bevor sich der Waldbestand öffnet und die in einer Art Kessel liegende Alm zu sehen ist.
- Länge: 3,2 km
- Gehzeit: ca. 1,5 Stunden
- Höhenmeter: 435
Kesselalm, Fischbachau, 83730 Fischbachau-Birkenstein, Mangfallgebirge, Telefon 08028/2602, kesselalm.com
Steinlingalm, Aschau, Chiemgauer Alpen

Wer es steiler mag, wählt die Steinlingalm am Fuß der Kampenwand. Los geht’s am Wanderparkplatz Aigen, oberhalb von Hintergschwendt bei Aschau. Nach den ersten Minuten auf der freien Forststraße führt der Weg bald hinein in einen dichten Wald, der sich lange und hartnäckig weigert, den Blick auf den nahen Chiemsee freizugeben. Deutlich weniger Schatten bietet der Panoramaweg oder die Forststraßen-Variante. Die Alm liegt ein Stück unterhalb des dank Gondelbahn durchaus beträchtlichen Kampenwand-Trubels, bleibt davon aber weitgehend unberührt. Jetzt muss man sich nur noch entscheiden: Speck- oder Germknödel?
- Länge: 4,2 km
- Gehzeit: ca. 2 Stunden
- Höhenmeter: 630
Steinlingalm auf der Kampenwand, 83229 Aschau im Chiemgau, Telefon 08052/9540882, steinlingalm.de
Spitzsteinhaus, Priental
Die DAV-Hütte ist auch von der Erler Seite im Inntal aus zu erreichen, mehr Schatten bietet allerdings der Zustieg von Sachrang im Priental und hierbei die Route über die Mesneralm (Weg Nr. 213). Vom Kirchplatz aus geht es zunächst kurz auf der Fahrstraße Richtung Mitterleiten, ehe man rechts in den schön kühlen Wald abbiegt, gleichmäßig ansteigend hinauf zur unbewirtschafteten Mesneralm, wo der Pfad den flachen Mesner-Boden quert, bevor sich der Blick auf das Priental und das immer wieder spektakuläre Kaisergebirge öffnet. Tipp: Lieber früh dran sein, bevor die Ausflügler von Erl aus mit dem Auto bis zum nahen Parkplatz an der Goglalm die Hütte entern.
- Länge: 3 km
- Gehzeit: ca. 2 Stunden
- Höhenmeter: 510
Spitzsteinhaus, Alm 47, 6343 Erl in Tirol, Österreich, Telefon 0043/5373/8330, spitzsteinhaus.info
Taubensteinhaus, Schlierseer Berge

Vom Spitzingsattel aus führt der Weg zunächst in Serpentinen durch dichten Bergmischwald, dessen Kronendach selbst an heißen Sommertagen für angenehme Kühle sorgt. Der Pfad windet sich stetig, aber gemäßigt bergan, vorbei an moosbewachsenen Felsblöcken und immer wieder von Wurzeln durchzogenen Passagen, die etwas Trittsicherheit verlangen. Über Almwiesen quert man unter der Bergbahn die Trasse der ehemaligen Skipiste, bevor sich kurz vor dem Ziel der Wald allmählich lichtet und sich der Blick auf die umliegenden Gipfel der Schlierseer Berge öffnet. Wer den markanten roten Dolomitfelsen der Rotwand noch dranhängen will, hat damit einen lohnenden Zusatzgipfel. Muss aber nicht, denn die Eigenwerbung des DAV-Hauses trifft durchaus zu: „Die vielleicht schönste Aussichtsloge im Spitzinggebiet.“
- Länge: 4,2 km
- Gehzeit: ca. 2 Stunden
- Höhenmeter: 460
Taubensteinhaus, Taubenstein 1, 83735 Bayrischzell Telefon: 08026/9269039, alpenverein-muenchen-oberland.de/taubensteinhaus
Tutzinger Hütte, Karwendel

Vom Parkplatz am Wurzweg im Benediktbeurer Ortsteil Gschwendt führt die Route (Weg Nr. 456) zunächst recht flach am gemütlich dahin plätschernden Lainbach entlang, wo ein angenehm schattiger Wildbachlehrpfad allerhand über Ökologie und Geologie zu erzählen weiß. An der Söldneralm geht es über eine schmale Brücke hinein ins sogenannte Elend: Prompt wird der Weg für etwa eine halbe Stunde spürbar steiler. Weiter oben trifft man auf eine gut ausgebaute Forststraße, bevor ein schmaler Bergpfad in Serpentinen die letzten Höhenmeter zum Ziel am Fuß der Benediktenwand überwindet. Letztere ist gerade zum Sonnenuntergang ein echter Hingucker, beinahe so wie die berühmte Enrosadira am Südtiroler Rosengarten. Obacht: Kaiserschmarrn gibt’s nur bis 17 Uhr!
- Länge: 8,2 km
- Gehzeit: ca. 2,5 Stunden
- Höhenmeter: 700
Tutzinger Hütte, 63671 Benediktbeuern, Ortsteil Gschwendtandkreis, Telefon 0175/1641690, tutzinger-huette.de
Hochrieshütte, Chiemgauer Alpen

Wer es schattig mag, verzichtet auf die kürzeren Aufstiege von Grainbach oder Spatenau aus und beginnt seinen Marscham Parkplatz unterhalb von Schloss Hohenaschau. Zunächst führt die Route über Schlossberg- und Zellerhornstraße raus aus dem Ort, bevor der Heurafflerweg in einen Forstweg mündet, der zunächst auf breitem Weg durch Bergmischwald etwas steiler bergan führt. In zahlreichen Kehren gewinnt man kontinuierlich an Höhe, bis die offenen Wiesenflächen der Hofalm erreicht sind: der erste echte Ausblick nach der langen Waldpassage. Von hier geht es nun teils über einen abkürzenden Wiesenpfad weiter durch Wald und Almgelände zur schön gelegenen, derzeit aber geschlossenen Riesenhütte, von wo aus die Hochries schon zu sehen ist. Manko: Von nun an lichtet sich der Baumbestand zunehmend. Dafür weitet sich aber mit jedem Schritt der Blick über das Alpenvorland, bis am Ziel von der Terrasse der Hochrieshütte das Panorama vom Kaisergebirge bis zu den Zillertaler Alpen hinzukommt; bei guter Sicht ist auch der Watzmann auf der einen und der Bayerische Wald auf der anderen Seite zu sehen.
- Länge: 7,6 km
- Gehzeit: ca. 3,5 Stunden
- Höhenmeter: 950
Hochrieshütte, Hochries 1, 83122 Samerberg, Telefon 08032/8210, hochrieshuette.de
Schachenhaus, Wettersteingebirge

Darf’s auch mal ein bissl mehr sein? Warum denn nicht? Der schattigste Aufstieg zum wunderbaren Schachenhaus – seit einem Jahr Unesco-Weltkulturerbe – führt nicht über den beliebten „Königsweg“ von Elmau, sondern vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen durch die Partnachklamm und durchs Reintal. Schon der Einstieg durch die enge, bis zu 80 Meter tief eingeschnittene Klamm liegt fast permanent im Schatten senkrechter Felswände. Danach zieht sich der Weg lange am Fluss entlang durch dichten Bergwald bis zur Bockhütte und weiter ins Oberreintal, wo der Baumbestand allmählich lichter wird. Im letzten Abschnitt, dem sogenannten Teufelsgesäß, wird es steiler, teils mit Drahtseil gesichert und zunehmend offen – hier ist Trittsicherheit gefragt. Oben angelangt, warten nicht nur leckere Schachennudeln (mit Schinken, Basilikum, Sahnesoße und Käse überbacken) und ein botanischer Garten, sondern ein paar Schritte oberhalb auch das legendäre Schachenschloss, einst prunkvoll eingerichtetes Domizil von König Ludwig II., inklusive „Türkischem Saal“.
- Länge: 11 km
- Gehzeit: ca. 5 Stunden
- Höhenmeter: 1160
Schachenhaus, Schachenalpe, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Telefon 0172/8768868, schachenhaus.de
Kolbensattelhütte, Ammergauer Alpen
Vom Parkplatz der Kolbensattelbahn wandert man zunächst schattig am Kolbenbach entlang bergauf, stets durch dichten Mischwald. Die idyllisch gelegene Kolben-Alm eignet sich perfekt für eine kurze Rast, bevor es auf dem bewaldeten Hüttenweg steil nach oben geht, wo sich der Wald am Kolbensattel dann zusehends lichtet. Wer nicht gerade vorhat, den Rückweg mit der Sommerrodelbahn namens „Alpine Coaster“ zu bestreiten, darf sich nun auf der Hütte gern ein Bier genehmigen – das bezieht der Wirt von den Benediktinermönchen aus dem nahen Kloster Ettal, und mit Bierbrauen kennen die sich schließlich seit Jahrhunderten aus.
- Länge: 3,1 km
- Gehzeit: ca. 1,5 Stunden
- Höhenmeter: 410
Kolbensattelhütte, 82487 Oberammergau, Telefon 08822/1222, kolbensattel-im-sommer.de/huette
In einer früheren Version des Artikels zeigte das Foto des Taubensteinhauses nicht die richtige Hütte. Das Bild wurde gewechselt.

