Bayerisches Nationalmuseum Nazi-Guillotine aufgetaucht

Die Guillotine, mit der die Geschwister Scholl ermordet worden sein sollen. Sie lagert im Depot des Bayerischen Nationalmuseums in München.

2805 Hinrichtungen mit einer Maschine: Im Bayerischen Nationalmuseum ist eine Guillotine aufgetaucht, mit der während des NS-Regimes Todesurteile vollstreckt worden sein sollen - unter anderem bei den Geschwistern Scholl.

Das in Vergessenheit geratene Fallbeil, mit dem 1943 die Geschwister Scholl hingerichtet wurden, ist wieder aufgetaucht. Es lagerte vermutlich seit vierzig Jahren im Depot des Bayerischen Nationalmuseum in München, bestätigte eine Sprecherin des Museums am Freitag einen Bericht des Bayerischen Rundfunks. "Es gibt dieses Fallbeil, und es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass es die Guillotine ist, mit der die Geschwister Scholl getötet wurden", sagte die Sprecherin. Dem Bericht zufolge stand die Maschine zwischen 1933 und 1945 in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. In dieser Zeit sind dort mehr als tausend Häftlinge hingerichtet worden.

Es werde nun "intensiv" darüber nachgedacht, wie das von den Nationalsozialisten als Mordwerkzeug genutzte Fallbeil nun doch der Öffentlichkeit gezeigt werden könne, erklärte die Sprecherin. Konkrete Entscheidungen gebe es dazu aber noch nicht.

Mit dem Fallbeil wurden während der NS-Zeit 2805 Menschen gerichtet

"Dieses Fallbeil ist ein Fund von singulärer Bedeutung für die deutsche Geschichte", sagte der bayerische Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) am Freitag in München. "Es ist kein Exponat, das beliebig in einer Ausstellung zu sehen sein sollte." Seiner Ansicht nach sollten sich Historiker, Ethiker, Politikwissenschaftler und die Weiße Rose Stiftung gründlich mit der Frage auseinandersetzen, was damit geschehen soll.

Die Stiftung, die sich dem Andenken an die Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl widmet, wusste nach Angaben einer Sprecherin nichts von dem Verbleib der Guillotine - auch der Experte Ulrich Chaussy, der im vergangenen Jahr ein Buch über die "Weiße Rose" auf den Markt brachte, zeigte sich überrascht. Er habe selbst über den Verbleib des Fallbeils recherchiert - sei ihm aber nicht auf die Spur gekommen.

Hans und Sophie Scholl, Gründer bzw. Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit dem transportablen Fallbeil wurden von 1940 bis 1945 während der NS-Diktatur 2805 Menschen hingerichtet, außer in München auch in Dresden, Frankfurt, Stuttgart und Wien. Bislang hatte man angenommen, die Guillotine sei 1945 bei Straubing in der Donau versenkt worden.

Hans und Sophie Scholl gehörten zur Widerstandsgruppe Weiße Rose, die ab Juni 1942 mit Flugblättern zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufgerufen hatte. Bei einer Flugblattaktion in der Münchner Universität wurden sie am 18. Februar entdeckt und zusammen mit ihrem Kommilitonen Christoph Probst zum Tode verurteilt.

Nur drei Tage später wurden die Geschwister Scholl am 21. Februar im Münchner Gefängnis Stadelheim geköpft, einen Tag später auch Probst. Nach einem zweiten Prozess wurden 1943 drei weitere Mitglieder der Weißen Rose mit dem Fallbeil hingerichtet.