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Bayerischer Rundfunk:Ein Aufbruch ins Dreierlei

Es ist ein Freudentag beim Bayerischen Rundfunk, der sich beim Richtfest gekonnt inszeniert.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Der BR feiert Richtfest auf der Baustelle für sein neues trimediales Haus in Freimann

Intendant Ulrich Wilhelm tritt im Festzelt neben der Baustelle mit einem Grinsen auf die Bühne, das sich nahezu über das ganze Gesicht erstreckt. Er gibt den Anzugträgern und den Kleingruppen von Bauarbeitern einen kurzen Abriss: Bei der Bauzeit liege man voll im Plan, ebenso bei den Kosten. Dazu keine Unfälle. Blasmusik, Fleischpflanzerl und Kartoffelsalat. Kurz: Es ist Richtfest und Freudentag beim Bayerischen Rundfunk. In Freimann wird ein dreistöckiges Haus gebaut. Und das wäre natürlich keine Nachricht wert, würde es sich nicht um ein außerordentlich großes dreistöckiges Haus handeln (gut 70 mal 200 Meter im Grundriss) und hieße der Bauherr nicht Ulrich Wilhelm, seines Zeichens Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) und damit Chef von mehreren Tausend festen und freien Journalisten, Moderatoren, Kamerafrauen und Cuttern.

Früher war der BR in München getrennt: In Freimann saßen die Fernsehleute, im Funkhaus am Hauptbahnhof die Radiomacher, später auch die Onliner. Es waren getrennte Territorien, die nun vereinigt werden sollen: im sogenannten Wellenhaus und im Aktivitätenzentrum im Münchner Norden. Im Funkhaus verbleiben die Verwaltung und die Gremien. 2022 soll das Projekt im Norden fertig sein, von 2024 an sollen 1000 Menschen einziehen und arbeiten. Tausend neue Parkplätze sollen es insgesamt werden. Dazu sollen verstärkt MVG-Busse mit Anhänger im Einsatz sein, um die vielen Mitarbeiter aufs Gelände zu bringen.

Es ist ein Mammutprojekt, 200 Millionen kostet der Bau. Aber es läuft planmäßig, was in den stürmischen Zeiten der Digitalisierung auch mal eine Beruhigung ist. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommen noch weitere Konfliktlinien hinzu. Der Beitrag wurde zuletzt vor zehn Jahren erhöht, trotz Inflation. Es wäre aber auch ein heikles Zeichen, wo sogar manche Politiker die öffentlich-rechtlichen Häuser lieber eingedampft und abgeschafft sähen. Also muss gespart werden, auch beim BR. Und dann ist da noch der ewige Spagat: Natürlich macht es sich gut beim Bürger, wenn die Beiträge niedrig sind - aber wie relevant kann ein Haus bleiben, das immerzu sparen muss?

Ohne Investitionen in die Infrastruktur, findet man darum beim BR, könne man den veränderten Seh- und Hörgewohnheiten der Menschen nicht Rechnung tragen. "Wir haben uns gefragt: Welche publizistische Rolle spielt der BR?", sagt Wilhelm beim Richtfest. Und welche werde er in Zukunft spielen? Der BR reformiere sich darum unter dem Stichwort "Trimedialität". Das heißt: Fernsehen, Radio und Online sollen zusammengedacht werden. So eng eben, wie auch die Zeitungs- und Podcast-App auf den Smartphones der Konsumenten nebeneinander liegen. Die engere Verzahnung bedinge neue Arbeitsformen, die sich in der Architektur des Gebäudes widerspiegelten, sagt Wilhelm.

Nach dem Ausflug in die großen Umwälzungen der Branche spricht Ilse Aigner (CSU). Sie ist Präsidentin des Landtags, Vorsitzende des BR-Verwaltungsrats und passenderweise gelernte Radio- und Fernsehtechnikerin. Nun richtet sie sich an die, um die es gehen solle. "Dieser Tag gehört den Handwerkern", sagt sie, und sie sagt das in ihrem zupackenden Chiemsee-Bairisch, dass es nicht verwundern würde, wenn sie augenblicklich ein Tablett mit Leberkässemmeln hinter dem Rücken hervorholen und an die ebenso zupackenden Handwerker verteilen würde. Nach dem Segen durch den Vorsitzenden des Rundfunkrats, Lorenz Wolf, der auch Priester ist, begeben sich die 300 Gäste aus dem Festzelt 30 Meter hinüber zum Rohbau, wo schon der Kranführer mit der Richtkrone auf sie wartet. Ein Mitarbeiter der Baufirma E. Hönninger wendet sich von der ersten Etage aus mit einem Megafon an die Menge. Er reimt: "Liebe Architekten, Handwerker und Ingenieure - ich sag' euch allen miteinand: Habedere!"