Kulturförderung in Bayern:Bock auf Nachhaltigkeit

Kulturförderung in Bayern: Kunstminister Markus Blume, umringt von den Trägern des Popkulturpreises.

Kunstminister Markus Blume, umringt von den Trägern des Popkulturpreises.

(Foto: Käthe de Koe)

Fünf Projekte, die Bayerns Kulturszene beleben, werden mit dem Bayerischen Popkulturpreis ausgezeichnet. Kunstminister Markus Blume verspricht noch mehr Förderung.

Von Allegra Knobloch

27 Landtagsabgeordnete sowie Experten und Expertinnen aus der Musikbranche zählt die Jury des Bayerischen Popkulturpreises - mehr Menschen, als Olli Zilk manchmal bei seinen Veranstaltungen empfängt. "Ich mach' ja auch Jazz-Zeug", scherzt der frisch gekürte Gewinner der "Pop-Raute" am Donnerstagabend im Feierwerk und kassiert Gelächter vom Fachpublikum.

"Mit rund 1000 Konzerten in den vergangenen acht Jahren hat Olli Zilk im Bayerischen Wald Staub aufgewirbelt und die Kultur- und Musikszene darunter zum Leuchten gebracht", lobt Ruth Müller (SPD) das Engagement des Veranstalters. Musizierende aus mehr als 80 Ländern lädt der Mann mit den Koteletten in die von ihm wiederbelebten Orte wie das Alte Spital in Viechtach oder den Alten Bahnhof in Kötzting ein, Menschen unter 21 Jahren gewährt er zu allen Veranstaltungen freien Eintritt.

Zum Bass der Hip-Hop-Einlagen der Münchner Sängerin und Aktivistin Gündalein wippt Zilk an diesem Nachmittag als einer der wenigen mit. Der Auftritt der Musikerin dürfte die ebenfalls ausgezeichneten "musicBYwomen" freuen: Das Netzwerk setzt sich für die Sichtbarkeit und Förderung von Flinta+ (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen) in der Musikbranche ein - und das ehrenamtlich.

In ihrer Dankesrede fordern die Vertreterinnen des Kollektivs, "Platz auf den Bühnen zu machen" für Flinta, behinderte Menschen und BIPoC (Schwarze, Indigene und People of Color). Für die Laudatio von Lukas Schätzl bedanken sie sich, schließlich würden sonst meist Flinta selbst Aufklärungsarbeit leisten. Der Projektkoordinator vom "Verband für Popkultur in Bayern" hatte eingeräumt, erst durch die Arbeit von "musicBYwomen" intensiver über männliche Privilegien und benachteiligende Strukturen in der Branche nachgedacht zu haben.

Als Festival des Jahres wird das "Summer Breeze Open Air" ausgezeichnet

"So viel zu Diversität auf der Bühne", heißt es nicht viel später, als das E-Werk in Erlangen zum Club des Jahres ernannt wird und ausschließlich Männer hinter das Mikrofon treten. Seit der Entstehung 1982 hätte sich im E-Werk viel getan - "wäre ja auch schlimm, wenn nicht", findet Gitarrist Veit Kutzer, der mit seiner Band J.B.O. bereits 22-mal dort spielen durfte.

Für Diversität bei den Musik-Acts setzt sich auch das "Summer Breeze Open Air" ein. Der Heavy-Metal-Treffpunkt mit über 40 000 Gästen in Dinkelsbühl erhält den Preis für das "Festival des Jahres". Freie-Wähler-Abgeordnete Gabi Schmidt hat sich extra in ihr zehn Jahre altes Festivalshirt geschmissen, um ihr "Lieblingsfestival" für die vorbildliche Müllentsorgung und eine Sache zu loben, die ihr fränkischer Dialekt zunächst als unverständliche Buchstabenkombination hervorbringt. Nach einer zweiten holprigen Aussprache endlich die Erkenntnis: Schmidt meint "das Awareness-Team".

Für ihre Awareness in Sachen ökologischer Nachhaltigkeit werden auch Theresa Trunk und Vera Hefele mit ihrem Beratungsbüro "What if" an diesem Nachmittag ausgezeichnet. Mit ihrer Arbeit wollen die zwei Kulturmanagerinnen eine Brücke zwischen dem Handlungswillen innerhalb der Kulturbranche und dem fehlenden Wissen über Nachhaltigkeit und Klimaschutzmaßnahmen bei den Akteuren schlagen. Dazu evaluieren sie seit drei Jahren die Klimabilanz von Institutionen und entwickeln nachhaltige Lösungskonzepte.

Wenn es nach Kunstminister Markus Blume (CSU) ginge, wäre außerdem ein Sonderpreis für den "Verband für Popkultur in Bayern" angebracht. Durch dessen Förderung der Projekte würde sich die Wahrnehmung von Bayern verändern - nämlich, "dass wir hier mehr als Volksmusik können". Für den Haushalt der Freien Szene verspricht Blume: "Wir werden in Bayern in Kunst und Kultur nichts kürzen, ganz im Gegenteil noch eine Schippe drauflegen." Die fünf Preisträger des diesjährigen Bayerischen Popkulturpreises dürfen sich aber erst mal über 2000 Euro Förderung freuen.

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