Preisverleihung:Feiern, vorwärts gedacht

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Preisverleihung: Der Name ist Programm: das Festival "Ab geht die Lutzi" in Schweinfurt.

Der Name ist Programm: das Festival "Ab geht die Lutzi" in Schweinfurt.

(Foto: Ab geht die Lutzi)

Der Verband für Popkultur in Bayern hat seine diesjährigen Preise an Akteure der bayerischen Festival- und Clubszene vergeben, unter anderem an ökologisch nachhaltige und inklusive Projekte in Schweinfurt und Augsburg.

Von Magdalena Zumbusch

Bernd Schweinar hat sich eine beeindruckende Berufsbezeichnung erarbeitet, von der man fast glauben könnte, sie wäre erfunden: Seit über 30 Jahren ist er bayerischer Rockintendant und führt als solcher die Geschäfte des Verbands für Popkultur in Bayern (Pop hier im weiteren Sinn, also: Populärkultur). Mit diesem Verband verlieh er am 30. November im BR-Funkgebäude die jährlichen, mit 2000 Euro dotierten Popkulturpreise. Überreicht wurden sie von Kulturminister Markus Blume (CSU), der honorierte, dass "Großes geleistet" wurde.

Die Preiskategorie der Pop-Raute für sein Lebenswerk räumte der Würzburger Ralf Duggen ab, der mit der Entwicklung des "Umsonst & Draußen"-Festivals wirklich Großes geleistet hat: Das kostenlose Festival, auf den Mainwiesen Würzburgs, wird seit Jahrzehnten jährlich von mehr als 100 Freiwilligen unter Leitung Duggens organisiert. Kern des Konzepts ist nicht nur der niedrigschwellige Zugang, sondern auch, dass regionalen Bands eine große Bühne geboten wird - das Festival bringt es teils auf sechsstellige Besucherzahlen. Duggen machte bei der Preisverleihung vor, was sich fast wie ein Motto durch den Abend zog: Bescheidenheit beim Entgegennehmen der Ehrungen. Er habe sich gefragt, ob er den Preis wirklich verdiene. Doch habe er sein Lebensprojekt dann Revue passieren lassen und sei zu dem Schluss gekommen, dass er den Preis schon annehmen könne: Dass das "Umsonst & Draussen" einen Ort der gesellschaftlichen Begegnung geschaffen habe, darauf sei er stolz.

Auf dem Festival "Der Krater bebt" treten Inklusionsbands auf

Das Festival "Der Krater bebt" bei Megesheim im Landkreis Donau-Ries gewann den Preis für das "Festival des Jahres". Wichtige Voraussetzung in dieser Kategorie ist stets, dass mehr als die Hälfte der Akteure eigene Songs spielen oder künstlerisch arbeitende DJs sind, was das Krater-Festival erfüllte. Außerdem überzeugte die soziale Nachhaltigkeit. Besonders und immer noch selten sind die Auftritte von Inklusionsbands auf dem "Der Krater bebt".

Eine gesonderte Kategorie "Soziale Nachhaltigkeit" gewann das Hip-Hop- und Punk-Festival "Ab geht die Lutzi" bei Schweinfurt. Gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigungen arbeitete man beim Lutzi-Festival an vielen Stellschrauben, um die Festival-Erfahrung für diese Menschen zu optimieren. Der Name ist in Schweinfurt Programm: Es wird ausgelassen gefeiert. Eine echte Lutzi gibt es inzwischen aber auch: Die über 70-Jährige besucht das Festival seit seinen Anfängen, in einem zum Markenzeichen gewordenen Blumenkleid.

Ebenfalls in der Region Schweinfurt, genauer: Mitten in Schweinfurt und direkt am Main liegt der "Stattbahnhof", der zum Club des Jahres gekürt wurde. Für die alternative Musikszene Nordbayerns ist er eine wichtige, vielleicht die wichtigste Institution. Seit mehr als zwei Jahrzehnten spricht das Veranstaltungsprogramm hier ein breites Publikum an.

Und schließlich wurde das Augsburger "Modular"-Festival in der Kategorie Ökologische Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Das Festival fand ursprünglich in einem Landschaftsschutzgebiet statt, sodass man sich mit Umweltfragen schon früh intensiv auseinandersetzte. Alle CO₂-Verbrauchsposten werden in eine Software eingespeist, die dann einen Überblick über den ökologischen Fußabdruck des gesamten CO₂-Verbrauchs ausspuckt, den man dann reduzierte, wo es ging. Das Modular-Team entwickelte die Software, den "CO₂-Rechner", maßgeblich mit. Und leistete damit echte Pionierarbeit.

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