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Bayerischer Filmpreis:München als Sehnsuchtsort

Kirschblüten - Hanami

Eine szene aus dem Film "Kirschblüten - Hanami".

(Foto: oh)

Später, als die Firma gewachsen war, ist das Büro in die Tengstraße umgezogen. Hier hat das Team goldene Zeiten erlebt mit Hits wie Dörries "Männer" oder Wortmanns charmanter Komödie "Kleine Haie". "Als wir anfingen, war der Neue Deutsche Film da mit all den Autorenfilmern", sagt von Fürstenberg. "Im Laufe der Zeit hat es sich dahin entwickelt, dass wir immer mehr zum Mainstream kamen. Und das ist ja auch in Ordnung. Aber klar, wir möchten immer noch Qualität mit Publikumswirksamkeit verbinden."

Freilich gab es auch Flops ("Alles inklusive") und Rückschläge. Als Mädchen kam Kerstin Dobbertin mit ihrer Familie aus der DDR nach Essen-Werden. Dort probierte sie sich im Tanz aus sowie in Jobs, die sie nicht mochte. "Ich war damals sehr unglücklich. München war immer ein Sehnsuchtsort für mich." Mit dem Ziel, Schauspielerin zu werden, brach sie in den Süden auf, wo sie spannende Menschen kennenlernte und Kontakte in der Branche knüpfte.

Der Schauspielunterricht am Friedl-Leonhard-Studio führte zwar nur zu kleineren Rollen, brachte sie aber mit Fassbinder und Schygulla zusammen, die ebenfalls dort studierten. "Eines stimmt allerdings nicht", betont die Produzentin: "dass ich Schauspielerin bei Fassbinder war."

Inzwischen hat von Fürstenberg die 70 überschritten. 2009 hat sie die Geschäftsführung der Olga Film abgegeben. "Das ist mir nicht so leicht gefallen. Film ist mein Leben, ich hatte nie andere Schwerpunkte. Mein Rückzug ist ein langsames Loslassen", sagt sie und blickt durch ihre runden Brillengläser aus dem Fenster des Konferenzraumes. In Sichtweite befindet sich ihr Büro, in dem sie noch an den letzten Projekten arbeitet.

Wie aus der Kerstin die Molly wurde

Einen Film, über den sie nicht sprechen dürfe, wolle sie nach "Fukushima" noch machen, sagt sie. Zwar pendle sie nicht mehr täglich von Pürgen bei Landsberg nach München, aber oft genug, um ihrer Arbeit engagiert nachgehen zu können. Ansonsten möchte sie lesen und "viel mit meinem Mann verreisen".

Bleibt noch die Frage, wie aus der Kerstin die Molly wurde. Ihren Namen habe sie immer als zu hart empfunden, sagt sie, deshalb kam ihr der Spitzname, den unter anderen Rainer Werner Fassbinder gebrauchte, gerade recht. Welche Assoziationen Fassbinder mit Molly gehabt habe, darüber schweigt sich von Fürstenberg aus. Man muss ja nicht über alles reden.

© SZ vom 14.01.2016/dit

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