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Bayerischer Fernsehpreis:In Reihe mit der Garbo

"So adelt man nur die Besten": Christiane Hörbiger erhält den Ehrenpreis des Bayerischen Fernsehpreises. Und Horst Seehofer gibt den Charmeur.

Wenn man die Nachrichten aus Cannes so liest, wo der Rote Teppich ein ziemlich trostloses Bild abgibt, ist man hellauf begeistert, wenn man am Freitagabend vor dem Prinzregententheater steht. Hier paradieren sie alle über den Roten Teppich, die großen Stars: Christiane Hörbiger, Iris Berben, Gisela Schneeberger, Jule Ronstedt, Wolfgang Völz und all die anderen, die nominiert sind für den Bayerischen Fernsehpreis. An diesem Abend wird er in einer großen Gala verliehen, und nicht alle, die da über den Roten Teppich schreiten, wissen schon, ob sie den "Blauen Panther" auch in Empfang nehmen dürfen.

Christiane Hörbiger ist für ihr Lebenswerk mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Fernsehpreises ausgezeichnet worden.

(Foto: Foto: ddp)

Es soll halt schon spannend werden, wenn drinnen im Theatersaal zwei Stunden lang so ein bisschen Oscar-Verleihung auf Bayerisch gegeben wird - immerhin überträgt 3sat das Ereignis live, und das ZDF zeichnet auf. Die beiden Moderatoren Markus Kavka und Steffen Seibert bringen das Ganze launig auf den Punkt, auch wenn die Themen nicht immer ganz lustig sind.

Die großen Abräumer des Abends sind Filme zum 20. Jahrestag des Mauerfalls: Gleich zweimal gab es Preise für "Wir sind das Volk" (Sat1), für das beste Drehbuch von Silke Zertz und für die beste Schauspielerin, Anja Kling. Auch die Sat1-Dokumentation "Freiheit! Wir sind das Volk" über die letzten Tage der DDR von Falko Korth und Thomas Riedel wird ausgezeichnet. Nicht weniger ernst das Thema von Roland Suso Richters "Mogadischu" - den Sonderpreis dafür überreicht passenderweise der ehemalige Kommandant der GSG, Ulrich Wegener.

Dass die Jury auch Sinn für Komisches hat, beweist sie durch einen doppelten Preis für die RTL-Serie "Doctor's Diary": Nicht nur Drehbuchautor Bora Dagtekin bekommt einen Panther, sondern auch Diana Amft als beste Seriendarstellerin. "Käptn-Blaubär"-Schöpfer Walter Moers erhält einen Preis für sein TV-Kindermusical "Die drei Bärchen und der blöde Wolf" (WDR), Christoph Süß vom BR für seine Satire-Sendung "Quer".

Unbestrittener Star des Abends ist freilich Christiane Hörbiger, die den Ehrenpreis erhält. Laudator und Charmeur Horst Seehofer lässt nichts aus: Man kenne "die Garbo", sagt er, "die Dietrich" und natürlich auch "die Hörbiger". Da staunt selbst die Preisträgerin ein bisschen, aber Übertreibung macht bekanntlich anschaulich, und obendrein belegt der Ministerpräsident seine Würdigung mit einem Zitat aus der SZ aus dem Jahre 1993. Während die Preisträgerin dem Publikum gerührt "einen wunderbaren Frühlingsabend" wünscht, fallen draußen ein paar Regentropfen, und nur drinnen ist es wegen der Scheinwerfer inzwischen so heiß wie vielleicht in Cannes.