Oper:Verzauberung zum Dessert

Oper: Bühnendinner mit musikalischer Begleitung im Nationaltheater. Am Pult der neue GMD der Oper, Wladimir Jurowski.

Bühnendinner mit musikalischer Begleitung im Nationaltheater. Am Pult der neue GMD der Oper, Wladimir Jurowski.

(Foto: Wilfried Hösl/Staatsoper)

Essen, sich freuen und Gutes tun: das Bühnendinner der Bayerischen Staatsoper.

Von Egbert Tholl, München

Serge Dorny ist nervös. Gleich muss er die Begrüßungsrede beim Bühnendinner der Bayerischen Staatsoper halten, und auch wenn er, der gebürtige Belgier, sehr polyglott ist, würde er gern in diesem Moment über ein perfektes Deutsch verfügen. Letztlich tut er dies ohnehin, aber dennoch kann ihn nicht einmal der Hinweis beruhigen, sein Vorvorgänger im Amt des Intendanten der Staatsoper, Sir Peter Jonas, habe sein spielerisches Verhältnis zur deutschen Sprache zu einem unverwechselbaren Stil erhoben. Die Begrüßung indes absolviert Dorny dann mit großem Charme; man spürt die Freude und auch die Demut, dass er zusammen mit dem Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski dieses Haus, die Bayerische Staatsoper leiten, "Teil dieses großartigen Theaters" sein darf. Dorny bedankt sich bei seinen Vorgängern und betont, was für ein "hervorragendes Team" er in München vorgefunden habe. "Es gibt keinen Grund, nicht in die Oper zu gehen."

Oper: Der neue Opernintendant auf seiner Bühne: Serge Dorny.

Der neue Opernintendant auf seiner Bühne: Serge Dorny.

(Foto: Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper)

Das Bühnendinner war vor einigen Jahren eine großartige Erfindung. Menschen zahlen viel Geld, um einmal auf der Bühne des Nationaltheaters zu sitzen, sie bekommen etwas Gutes zu essen und künstlerische Darbietungen auf dem üblich hohen Staatsopernniveau. Der Erlös in diesem Jahr kommt dem Projekt "Kind & Co" zugute, mit dem junge Menschen an Musik und Tanz herangeführt werden. Zwar ist die Bühne lockerer mit Tischen besetzt als in der Vergangenheit, da man nun einmal schlecht mit Maske im Gesicht dinieren kann, aber 300 000 Euro an Spenden kommen an dem Abend dennoch zusammen.

Die Inszenierung des Abends liefert bemerkenswerte Kurzweil. Zu Beginn wandelt man durch die Prachtfoyers, vorbei an lebenden Bildern, die Weite und Sehnsucht versprechen, Amazonas, Antarktisexpedition, Paris, Strand, Alpen. Dann geht es auf die Bühne, ein bayerischer Spritz wird gereicht - Weißbier mit Aperol, ein Geschmackserlebnis, das man nicht weiter vertiefen muss. Hat man eh gleich vergessen angesichts dessen, was man danach geboten kriegt. Das Opernstudio singt mit Klavierbegleitung ein internationales Potpourri, aus dem Eliza Boom mit umwerfender Stimme heraussticht. Das Staatsballett zeigt einen Ausschnitt aus "Paradigma", der Produktion, die als Wiederaufnahme in den nächsten Tagen im Prinzregententheater gezeigt wird. Sehr cool, sehr abstrakt, mit Musik des israelischen Sounddesigners Ori Lichtik.

Zum nächsten Gang öffnet sich die Seitenbühne, Jurowski dirigiert mit seidigem Glanz das Staatsorchester, Freddie De Tommaso, Ambrogio Maestri und Ekaterina Semenchuk singen Arien. Und am Ende die absolute Verzauberung: Semenchuk schwebt auf einem fliegenden Teppich, singt Lieder von Rachmaninow, Jurowski begleitet sie am Klavier. Herrlich.

© SZ/her
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