Kolumne "Das ist schön":Mit Wonne und Wumms

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Kleine Bilanz zum neuen Festival "Ja, Mai" der Bayerischen Staatsoper: Intendant Serge Dorny hat ein Zeichen gesetzt - rein in die Stadt, raus aus dem Musentempel.

Von Susanne Hermanski und Egbert Tholl, München

Das "Ja, Mai"-Festival der Bayerischen Staatsoper war in vielerlei Hinsicht großartig. Gestemmt wurde es zusätzlich zum normalen Repertoire-Betrieb - auch von den unermüdlich arbeitenden technischen Abteilungen. Um ihre gelungenen Produktionen rund um die Künstler und Menschen Georg Friedrich Hass (Komponist) und Händl Klaus (Librettist) unter die Leute zu bringen, breitete sich die freundliche Krake Staatsoper weiträumig in der ganzen Stadt aus, bis hin ins Kino und private Räume. Ihr Chef, Serge Dorny, weiß nichts von den hier herrschenden Eitelkeiten. Er will kooperieren, und er kann es. Mit dem Münchener Kammerorchester, mit dem Residenztheater, dem Volkstheater. Dass letzteres eine städtische Einrichtung ist, ist dem Leiter der staatlichen Oper völlig egal.

Händl Klaus bekam eine spannende Lesung nebst Gespräch, Haas zu zwei Opernpremieren zwei Konzerte, eines davon im Dunkeln. Das im Licht war für sich schon eine Sensation. Die Staatsoper eroberte dafür das Hauptquartier von Brainlab, einer High-Tech-Firma in Riem, deren Gründer im Atrium aus seiner privaten Kunstsammlung zum Thema passende Werke ausstellte - Stefan Vilsmeier ist nicht nur geradezu unheimlich klug, er ist auch ein empathischer Liebhaber und Verfechter der Bedeutung von Kunst aller Art.

Und Haas ist kein Komponist im Elfenbeinturm. Mitglieder des Staatsorchesters spielten sein Stück "I cant't breathe" von 2015, das des Afroamerikaners Eric Garner gedenkt, der durch Polizeigewalt starb. Haas nutzte die Gelegenheit einer tiefgründigen Werkeinführung, zudem für einen Vortrag über Humanität, Würde und Alltagsrassismus. Haas: "Wer Menschen anderer Hautfarbe nur wegen der Correctness engagiert, der ist ein Rassist, der sich bemüht, diesen Rassismus zu verstecken." Dass er damit recht hat, ist nicht schön. Dass er, Dorny und "Ja, Mai" andere Wege einschlagen, ist es wohl.

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