Bayerische Staatsoper:Hand aufs Herz, die Sehnsucht ist groß

Premiere der Oper "Die tote Stadt" in München, 2019

Applaus, Applaus: Jonas Kaufmann wird den wieder echt spüren können, wenn er am Donnerstag den Siegmund singt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Bayerische Staatsoper zeigt den ersten Akt der "Walküre" konzertant, aber erstmals wieder vor Publikum.

Von Rita Argauer

Jonas Kaufmann singt den ersten Akt der "Walküre". In der Bayerischen Staatsoper. Konzertant. Das ist an sich eine schöne Sache. Nicht so rasend aufregend, aber durchaus ein musikalisches Erlebnis, das man, wenn man Opern, noch besser Wagner, prinzipiell nicht abgeneigt ist, gerne mitnimmt. Die Bayerische Staatsoper hat dieses Programm auf Christi Himmelfahrt, also den Vatertag geplant. Im Stream. Da könnte man jetzt beginnen, darüber zu spekulieren, welche ödipalen Strukturen darin liegen. Aber das ist gar nicht nötig. Denn dieser kleine konzertante Wagner-Akt, bekommt nun dank der nicht voraussehbaren Entwicklung des Virus und der Politik, eine riesige Bedeutung: Es ist das erste Mal, dass sich Zuschauer im selben Raum wie die Musiker aufhalten werden, seit mehr als einem halben Jahr.

Wenn man sich erinnert wie überragend im vergangenen Jahr im Juni ein Live-Cello klang, dann wird einem ganz schwindelig. Es war damals das erste, was man wieder live gehört hatte in einem Theater seit März 2020. Ein Cello, so voller Wärme und Kraft, ein Klang, der durch den Raum gen Publikum drängte, der einen ummähte. Es war unerwartet wie schnell man doch vergessen hatte, wie Live-Musik klingt.

Jonas Kaufmann, das Bayerische Staatsorchester unter Asher Fish, Lise Davidsen als Sieglinde und Georg Zeppenfeld als Hunding müssen also in dieser Aufführung unter ganz anderen Gegebenheiten singen und spielen. Sie dürften selbst die Erfahrung genießen wieder vor Publikum aufzutreten. Sie sind vielleicht etwas aufgeregter, denn die Konfrontation mit echten Menschen ist doch anders als die mit einer Kamera. Doch das Publikum, das die Live-Erfahrung nicht mehr gewohnt ist, ist ein dankbares. Es ist vermutlich schnell zu überzeugen, überwältigt von der sensationellen Situation an sich.

Also zu den Fakten: In den Ticketverkauf gehen ein Drittel der verfügbaren Plätze, jeder Ticketkauf muss personalisiert erfolgen. Dazu ist ein negativer Test, ein Nachweis über eine vollständige Impfung oder der Nachweis einer überstandenen COVID-Infektion nötig. Und natürlich muss während der gesamten zeit im Haus eine FFP2-Maske getragen werden. Unter größten Sicherheitsbedingungen sieht man also den ersten Teil einer Oper, die mit drei weiteren Teilen zum größenwahnsinnigsten Opernmonument der Musikgeschichte wird. Ein kleiner Ausschnitt davon aber gibt vielleicht auch mit der Macht dem Publikum nach mehr als sechs Monaten wieder gegenüberzutreten, eine Ahnung, was Theater kann, will und wie groß man dort denken muss. Ein Anfang.

Die Walküre (1. Akt), Do., 13. Mai, 20.15 Uhr (live und unter staatsoper.tv), und Sonntag, 16. Mai, 19 Uhr (live), Nationaltheater, Max-Joseph-Platz 2, t 21 85 19 20,

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