Baureferat Münchens Altstadt hat nur einen einzigen Trinkbrunnen - im Testbetrieb

Das ist der einzige offizielle Wasserspender in München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Obwohl München stolz ist auf seine Wasserqualität, gibt es in der Altstadt nur einen ausgewiesenen Trinkbrunnen - und der läuft nur im Testbetrieb.
  • Stadträdte, Bezirksausschüsse und die Händler vom Viktualienmarkt fordern, möglichst schnell mehr offizielle Wasserspender zu installieren.
  • Bislang hat das Baureferat Bedenken wegen der Hygiene.
Von Thomas Anlauf

Hitze liegt über der Stadt, die Temperaturen steigen trotz des fortgeschrittenen Sommers auf über 30 Grad im Schatten. Tausende Touristen schieben sich durch die Münchner Altstadt, vorbei an Sehenswürdigkeiten und Schaufenstern. Am Stachus kühlen sich Kinder und Erwachsene in den Wasserfontänen, auf dem Viktualienmarkt plätschern verführerisch die berühmten Brunnen. Aber das Wasser dort ist offiziell überhaupt nicht zum Trinken da. Lediglich am Rand des nahegelegenen Rindermarkts steht unscheinbar der einzige Trinkbrunnen in der Münchner Altstadt - und der läuft seit genau einem Jahr bis auf Weiteres lediglich im Probebetrieb.

Und das in einer Stadt wie München, die nicht nur stolz auf ihre Wasserqualität ist, sondern auch auf die vielen Millionen Touristen. Die sind aus anderen Städten Europas ganz selbstverständlich an Trinkbrunnen gewöhnt: Rom hat beispielsweise 2500 Wasserspeier, die wegen ihrer Form "Nasoni" genannt werden. In Wien gibt es mehr als 900 Trinkbrunnen, die von der Stadt betreut werden. Und in München soll erst nach einer zweijährigen Testphase überlegt werden, weitere Brunnen auf öffentlichen Plätzen zu installieren. Doch längst fordern Stadträte, Bezirksausschüsse und auch die Händler vom Viktualienmarkt, dass es so bald wie möglich deutlich mehr offizielle Trinkbrunnen gibt.

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In einem Brief hatten sich Händlersprecherin Elke Fett, Wolfgang Püschel vom Altstadt-Bezirksausschuss sowie mehrere ausgewiesene Wasserexperten, darunter auch der ehemalige Hauptabteilungsleiter der Münchner Wasserversorgung Knut Höllein, an Oberbürgermeister Dieter Reiter gewandt. Sie fordern darin, dass die Brunnen am Viktualienmarkt offiziell als Trinkwasserbrunnen ausgewiesen werden. "Die Brunnen am Viktualienmarkt werden laufend von den Stadtwerken im Auftrag des Baureferats hygienisch überprüft und dabei auch gereinigt", heißt es in dem Brief an Reiter. Durch das ständige Fließen des Wassers sei "eine Kontamination ausgeschlossen".

Das Baureferat hatte es zuvor jedoch abgelehnt, bestehende Brunnenanlagen in München einfach als Trinkbrunnen auszuweisen, wie es im Frühjahr die SPD gefordert hatte. Denn bei dem am Rindermarkt aufgestellten Brunnen habe das Referat festgestellt, dass zusätzlich zu den wöchentlichen Inspektionen auch jede Woche eine mikrobiologische Untersuchung des Wassers notwendig sei, um Keime auszuschließen. Die Furcht in der Behörde ist offenbar, dass wer am verschmutzten Wasser in einem Trinkbrunnen erkrankt, womöglich die Stadt verklagen könnte.

Nur 55 Brunnen wären wohl geeignet

Doch jetzt hat sich Oberbürgermeister Dieter Reiter in die Diskussion eingeschaltet. In seinem zweiseitigen Antwortschreiben an Marktsprecherin Elke Fett betont Reiter, dass immerhin 125 von 187 vom Baureferat betriebenen Brunnen in München "mit Trinkwasser gespeist" werden. Allerdings wären von den 125 Brunnen lediglich 55 Wasserspender grundsätzlich geeignet, weil man nur bei diesen den Wasserstrahl direkt mit den Händen erreichen könne. Diese 55 in Frage kommenden Brunnen könnten vermutlich nicht ohne weitere Untersuchungen und ein Hygienekonzept als Trinkbrunnen freigegeben werden.

Als generelle Absage an die Viktualienmarkthändler und den Bezirksausschuss will Reiter den Brief allerdings nicht stehen lassen. So schreibt er, "dass niemandem das von Ihnen gewünschte Trinken aus den Brunnen am Viktualienmarkt verwehrt wird. In der Praxis ist es dort ja schon lange Tradition, das Wasser der Brunnen am Viktualienmarkt zu nutzen." Tatsächlich sind jetzt an heißen Tagen einige der Brunnen am Viktualienmarkt regelrecht umstellt von Touristen wie Einheimischen. Die einen schöpfen Wasser aus dem Strahl, andere lassen ihre Hunde im Becken baden, die Dritten wiederum verwenden den Liesl-Karlstadt-Brunnen als Kühlanlage für ihre Bierflaschen.

Im Oktober, wenn die offizielle Brunnensaison vorüber ist, soll das Baureferat Bilanz ziehen, ob der Probebrunnen am Rindermarkt von Passanten auch ausreichend genutzt wurde und was die regelmäßigen Analysen ergeben haben. Danach soll das Referat dem Stadtrat ein Konzept vorlegen, wie die Sache mit den Trinkbrunnen künftig gehandhabt wird. Das dürfte aber erst 2018 geschehen. Genau 20 Jahre, nachdem die Grünen im Stadtrat erstmals beantragten, "an zentralen Orten in München Trinkwasserbrunnen zu installieren - um sich abzukühlen oder beim Einkaufsbummel oder der Radltour mal einen Schluck Wasser trinken zu können".

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