Bauprojekt:Die "Motor-World" lässt weiter auf sich warten

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Bauprojekt: In die leer stehende Halle soll mit "Motor-World" neues Leben einziehen.

In die leer stehende Halle soll mit "Motor-World" neues Leben einziehen.

An der Lilienthalallee in Freimann plant Investor Andreas Dünkel eine "Erlebniswelt" für Autoliebhaber. In die hat er bereits zehn Millionen Euro gesteckt - aber bis zum Bau könnte es noch dauern.

Von Stefan Mühleisen, Freimann

Längst weht hier das Banner einer blank polierten Zukunft, der Gegenwart samt ihrer Geröllhaufen zum Trotz. Stolz stehen die Masten entlang der Lilienthalallee in Freimann Spalier, der Wind zerrt an den "Motorworld"-Fahnen, die das Panier des Investors zeigen: den "Motorworld"-Schriftzug, umsäumt von der schwarz-weiß karierten Ziel-Fahne. Draußen, am Rande der 37 000 Quadratmeter großen Lokhalle, ist alles bereit zum Aufbruch - doch drinnen herrscht ein gigantisches Ruinen-Flair.

Andreas Dünkel blickt über mannshohe Schutthaufen, rostige Eisenschienen, Tausende von Trümmerteilen. "Am 10. Dezember 2010 haben wir beim Notar gesessen", sagt er vor gut zwei Dutzend Besuchern in der freitragenden Halle, die zu den größten ihrer Art in Süddeutschland zählt: "Wir hoffen sehr, dass wir bald loslegen können."

Der schwäbische Unternehmer spricht vor einer Gruppe von Teilnehmern einer Führung durch das ehemalige Bundesbahn-Ausbesserungswerk. Das Areal erstreckt sich über knapp 21 Hektar zwischen Lilienthalallee und Maria-Probst-Straße. Es ist eine Brachlandschaft, die schon lange darauf wartet, aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.

Dünkel zählt zu den Erweckern - 75 Millionen Euro will der Chef der Dünkel-Firmengruppe in den größten Brocken auf dem Gelände stecken: Die seit 20 Jahren leer stehende Lokhalle, groß wie acht Fußballfelder, soll sich in eine Erlebniswelt für Automobil-Liebhaber verwandeln, einen Mikrokosmos der Karossen - "Motorworld" eben. Doch das Projekt kommt offenbar nur mit angezogener Handbremse voran.

Die Besucher wollen von Dünkel die Details wissen, wollen erfahren, wie er sich seine Welt der Motoren vorstellt. Er beantwortet alle Fragen geduldig, lässt aber durchblicken, dass für ihn der schleppende Genehmigungsprozess bei der Stadt langsam zur Geduldsprobe wird: "Die ersten zehn Millionen Euro sind bereits investiert." Die flossen in die Sanierung des weit gespannten Dachs sowie in die Erneuerung der Fensterflächen, die 6000 Quadratmeter messen.

Ebenso hat Andreas Dünkel bereits Geld in die Restaurierung des ehemaligen Kohlebunkers an der Südseite des Kesselhauses gepumpt: Dort sind die Mauer-Rudimente mit einer Glaskonstruktion überdacht - eine Veranstaltungsfläche mit historisch-modernem Mix-Charme. Das alles erlaubte die Untere Denkmalschutzbehörde, um das Baudenkmal zu erhalten.

Gelände des ehemaligen Bundesbahnausbesserungswerks, Lilienthalallee, zukünftige Motorworld

Noch gleicht das Innenleben einer riesigen Baustelle.

(Foto: Florian Peljak)

Die Genehmigung für den "Motorworld"-Ausbau steht aber noch aus. "Ich will nicht jammern, aber seit sechs Jahren arbeiten wir jetzt an dem Baurecht. Und Ende 2017 soll alles fertig sein", sagt Dünkel, "wir können nicht weitere Millionen reinstecken, wenn wir keine Baugenehmigung haben".

Der Investor steht mit mühsam kaschierter Ungeduld in den Startlöchern, während die Stadt sich für den Startschuss noch Zeit nimmt. "Es handelt sich um komplexe Bauanträge, an denen mehrere Fachdienststellen beteiligt sind", teilt ein Sprecher des Planungsreferates mit. Immerhin: Die Baugenehmigungen werde "voraussichtlich im Laufe des nächsten Monats erteilt werden", stellt die Behörde in Aussicht.

Dabei zieht sich der Wiederbelebungsprozess für das geschichtsträchtige Gelände schon lange hin. 1916 ließen sich hier die Bayerischen Geschützwerke der Firma Krupp nieder; aus dieser Zeit stammen die Zenithalle und das Kesselhaus, heute als Konzert- und Veranstaltungsorte genutzt. In den Zwanzigerjahren entstand das "Reichsbahn-Ausbesserungswerk", unter der Ägide des NS-Regimes kam 1942 die große Dampflok-Richthalle hinzu, ein kolossaler Kasten, in dem auch nach dem Krieg die Deutsche Bahn ihre Loks warten ließ. 1995 wurde das Areal aufgegeben.

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