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Bauprojekt am Ostbahnhof:Mehr Platz für Kreative und Schafe

Loft-Gebäude mit grüner Wiese

Das neue Loft-Gebäude mit grüner Wiese auf dem Dach. Als Rasenmäher sollen dort Schafe zum Einsatz kommen.

(Foto: Simulation: Steidle Architekten)

Auf die Partylöwen folgen die Schafe: Auf dem ehemaligen Gelände des Kunstparks sollen Lofts, Büros und Restaurants entstehen. Sogar eine Blumenwiese mit einer Schafherde ist geplant.

Wo fängt dieses neue Quartier überhaupt an, wo hört es genau auf? Was bleibt von der bestehenden Gebäudesubstanz auf den Grundstücken erhalten, was kommt an neuen Komplexen, Wegen und Straßen hinzu? Wie soll das Gewerbe-Areal hinter dem Ostbahnhof aussehen, wenn es fertig gebaut sein wird? Das bekannte Party-Gelände ("Kunstpark-Ost", "Kultfabrik") mit seinen Clubs, Läden, Büros und Freizeiteinrichtungen wandelt sich zu einem der interessantesten Städtebauprojekte in München - und es ist für Außenstehende gar nicht einfach, den Überblick bei diesem Vorhaben zu behalten. Doch nun beginnt der markanteste architektonische Orientierungspunkt im Zentrum des Entwicklungsgebiets Gestalt anzunehmen.

Das sogenannte Werk 3 war in früheren Zeiten wesentlicher Bestandteil der Kartoffelknödel-Fabrik der Firma Pfanni. Es bleibt in seinen Grundstrukturen erhalten, wird aber vollständig modernisiert, aufgestockt und erweitert. Am Freitag war die Grundsteinlegung für dieses Projekt mit seinem rauen Industrie-Charme. Es entsteht ein lang gestrecktes Haus mit sieben Stockwerken und einem Vorplatz, unter dem sich die Tiefgarage befindet.

Für die Freiflächengestaltung ist die Landschaftsarchitektin Stefanie Jühling zuständig. Das alte Steinpflaster wird wieder verlegt. Die einstigen Schwemmkanäle, in denen die Kartoffeln zur Weiterverarbeitung transportiert wurden, dienen künftig der Entwässerung. Sogar die früheren Gleise werden wieder auf dem Platz verlegt. Darauf kann man dann die Sitzmöbel hin- und herrücken.

Loftartige Büroflächen und Showrooms

Im Haus, das nach den Entwürfen von Johannes Ernst (Steidle Architekten) umgestaltet wird, sind loftartige Büroflächen, Handels- und Showroom-Bereiche, Restaurants, Bars und Künstlerateliers geplant. Auf dem Dach soll eine Blumen- und Kräuterwiese mit Obstbäumen angelegt werden. Das Mähen wird eine kleine Herde von Schafen übernehmen.

Auch an Bienenkästen auf der Blumenwiese ist gedacht. Mitten in der Stadtlandschaft will man damit ein Stück Natur schaffen. Für Grundeigentümer Werner Eckart - sein Großvater gründete die Pfanni-Werke - ist das Werk 3 der Auftakt für die weitere Umstrukturierung des Areals. Die Bauarbeiten in Werk 3 sollen bis Ende kommenden Jahres dauern. Die Gesamtinvestitionen liegen bei 65 Millionen Euro.

Werk 3 wird zum Loft

Bauarbeiten am Ostbahnhof: Das Werk 3 wandelt sich zum modernen Loft-Gebäude.

(Foto: Robert Haas)

Unterdessen laufen bereits die nächsten Planungen. Der benachbarte frühere Kartoffelspeicher wird aufgestockt. Ein Vier-Sterne-Hotel soll in das weithin sichtbare Hochhaus kommen. An der Ecke Frieden-/Rosenheimer Straße ist ein weiteres hohes Gebäude vorgesehen. Der Baubeginn für diesen Büroturm steht kurz bevor. Direkt gegenüber steht seit einiger Zeit schon das sogenannte Atelier-Gebäude, in das der auf Schul- und Fachbücher spezialisierte Oldenbourg Verlag eingezogen ist. Markant ist auch die "Medienbrücke", ein liegendes Hochhaus auf zwei mächtigen Stützpfeilern.

Büros und 1000 Wohnungen sollen kommen

So vollzieht sich ein Prozess der Erneuerung, wobei immer auch das Bestehende nicht ganz verloren gehen soll. Schritt für Schritt und ohne festen Zeithorizont ändert sich das Viertel. Es kommen Büros, Geschäfte, Kunst- und Freizeitangebote und 1000 Wohnungen, die sich um einen fünf Hektar großen Park gruppieren.

Der Name Werksviertel verweist nicht nur auf die Pfanni-Vergangenheit. Einst produzierte hier die Firma Zündapp Motorräder, Konen schneiderte Kleidungsstücke. Optimol beschäftigte sich mit Schmierstoffen. Mit dem Ausbau von Mediaworks, dem Zentrum für Kreativberufe, begann die Weiterentwicklung des Gebiets.

Der Technologiekonzern Rohde und Schwarz gab wesentliche Impulse und errichtete als Bestandteil des Werksviertels moderne Firmenbauten. Es sei angesichts solcher Umwälzungen ungewöhnlich, dass man nicht alles einfach abräumt, sondern Zeugnisse der Vergangenheit bewahrt, sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Genau das ist für sie das Markenzeichen des Werksviertels hinter dem Ostbahnhof.

© SZ vom 08.11.2014/lime
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