Baukultur auf dem Land Bayerns beste Baumeister

Drei Stadthäuser samt Tiefgarage an der Münchner Jahnstraße im Glockenbachviertel gehören zu den ausgezeichneten Projekten.

(Foto: Sascha Kletzsch/oh)
  • "Was ist schön?" heißt die Masterarbeit von Matthias Richter aus Gröbenzell, die er an der Akademie für Bildende Künste verfasst hat.
  • Er hat sich im Speckgürtel nach einer besonderen Form von Einfamilienhäusern umgesehen, die an toskanische Villen erinnern und Besitzer gefragt, was sie bei der Planung ihrer Anwesen bewegte.
  • Der Landesverband Bayern des Bunds Deutscher Architekten (BDA) zeichnete am Samstag die tiefgründige Auseinandersetzung mit der Baukultur auf dem Land und weitere Bauwerke aus.
Von Alfred Dürr

Man findet sie nicht nur in Münchner Vororten, sondern auch in vielen anderen Neubau-Gebieten bayerischer Gemeinden: Wohnhäuser, die mit ihrer speziellen Farbgebung, mit Säulen neben der Eingangstür und anderen dekorativen Gestaltungselementen an den Stil von toskanischen Villen erinnern wollen. Beliebt sind auch überdachte Terrassen, die - Schaukelstuhl inklusive - offensichtlich von amerikanischer Südstaaten-Architektur inspiriert sind. Was so manchem Bauherren als Ausdruck von Individualität gilt, finden andere als reine Kulturlosigkeit. Architekturexperten sprechen von Banalität, stilistischem Chaos und übersteigertem Präsentationszwang.

Matthias Richter aus Gröbenzell hat sich im Speckgürtel nach dieser besonderen Form von Einfamilienhäusern umgesehen und Besitzer gefragt, was sie bei der Planung ihrer Anwesen bewegte. "Was ist schön?" heißt seine Masterarbeit, die er an der Akademie für Bildende Künste verfasst hat. Der Landesverband Bayern des Bunds Deutscher Architekten (BDA) zeichnete am Samstag die tiefgründige Auseinandersetzung mit der Baukultur auf dem Land aus.

Nicht nur diese studentische Leistung wurde honoriert, bei der diesjährigen Preisverleihung in der Alten Kongresshalle rückten noch andere Hochschul-Arbeiten und eine ganze Reihe von gebauten Projekten ins Rampenlicht. Der Preis ist vor 52 Jahren ins Leben gerufen worden, um den Blick auf das hohe Maß an Verantwortung zu lenken, das Architekten und Bauherren gegenüber der Gemeinschaft haben, sagte die BDA-Landesvorsitzende Lydia Haack. Gerade angesichts der Wohnungsknappheit sei die Versuchung groß, mit stereotypen Bauten zu antworten.

Nach Ansicht von Hans Reichhart (CSU), dem bayerischen Minister für Wohnen, Bau und Verkehr, sind solche Wettbewerbe ein gutes Mittel, um zeitgenössische Architektur zu fördern. Vor allem soll das öffentliche Bewusstsein für qualitätsvolle Gestaltung geschärft werden, sagt Amandus Samsøe Sattler, der Kurator des Preises.

Sakralbauten gelten nach Ansicht der BDA-Jury als die Königsklasse der Architektur. Das neue katholische Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing (Meck Architekten, München, mit Lohrer, Hochrein Landschaftsarchitekten und Stadtplaner) überzeugte mit seiner Kombination aus Raum, Material und Licht. Die hoch aufsteigende Dachform, die wie der Großteil der Fassade mit weißen, dreidimensionalen Keramikkacheln verkleidet ist, gibt dem Gebäude seine außergewöhnliche Ausdruckskraft. Es besteche auch durch eine subtile Symbolik und Kargheit. Diese zwinge den Besucher, sich mit sich selbst zu befassen. "Diese Kirche muss man aushalten können", so die Jury.

Dass es sich oft lohnt, einen zweiten oder auch dritten Blick auf ein Bauwerk zu werfen, um seine Qualitäten zu erkennen, zeigt das nach außen eher unscheinbar wirkende Atelierhaus im Münchner Norden (Westner Schührer Zöhrer Architekten und Stadtplaner München). Das Projekt liegt in einer ehemals illegalen Siedlung. Diese sei geprägt vom Charakter des spontan und planlos Errichteten, berichtet die Jury. Das Haus sei so einfach wie komplex. Aber bei genauerer Betrachtung offenbare es präzise aufeinander abgestimmte Bauteile und Materialien. In dieser Kategorie Besondere Bauten wurde auch das Projekt Bellevue di Monaco (Hirner und Riehl Architekten und Stadtplaner, München) ausgezeichnet. Ein ehemaliges Wohnhaus sei in ein ambitioniertes Sozial- und Kulturprojekt verwandelt worden.

In der Kategorie Wohnungsbau ging der Preis an die Überbauung des Parkplatzes am Dantebad mit einem Gebäude (Florian Nagler Architekten, München, mit terra.nova Landschaftsarchitektur). Ausgezeichnet wurde das Privathaus M5/2 in Berg am Starnberger See (Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner, Greifenberg, München): "Im Gesamtbild ein zurückhaltendes und gleichzeitig kühnes Gebäude."

Als beispielhaft gut gilt die Nachverdichtung - "ein sperriger Begriff für eine gute Sache" - mit drei Stadthäusern und einer Tiefgarage an der Jahnstraße im Glockenbachviertel (kandlerundmack Architekten, München). Dieses Projekt beweise, dass eine dichtere Bebauung auch mit räumlicher Qualität verbunden sein kann. Und es erzeuge kleinräumliche Gemütlichkeit und entziehe sich den herkömmlichen Einfamilienhaus-Kategorien: "Also nur Mut - lasst uns zusammenrücken."

Weitere Auszeichnungen gingen an den modernen Anbau an die Burg in Röttingen ( Schlicht Lamprecht Architekten, Schweinfurt), an die Sanierung und den Umbau des Hofguts Karpfsee in Bad Heilbrunn (Florian Nagler Architekten) und an ein großes Quartiersprojekt in Garmisch-Partenkirchen (Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner). Die Erweiterung der Marie-Ward-Schule in Bamberg (Peck.Daam Architekten, München), das Sanitärgebäude am Jugendzeltplatz Mammendorf (s+p dinkel Architektur, Gilching) und der Neubau einer Dreifachturnhalle für die Realschule Eichstätt-Rebdorf (Diözesanbauamt, Breitenhuber, Seidl) wurden ebenfalls geehrt. Im Bereich Gewerbe- und Verwaltungsbau gingen die Preise an den Neubau des Betriebshofs in Augsburg (Knerer und Lang Architekten), an ein Haus in Schondorf (von MeierMohr Architekten) und an den Neubau des Rathauses in Maitenbeth (Meck Architekten). Für ihre kreativen Studienprojekte wurden Julian Kerkhoff (TU München), Matthias Papst (TH Regensburg) und Julius Bentele (Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt) ausgezeichnet.