Bar Rafaeli Galao und Vollkornbrot

Die Fliesen an der Wand sind falsch, aber der Orangensaft ist frisch gepresst in der Bar Rafaeli.

(Foto: Robert Haas)

In der Bar Rafaeli treffen sich Fans der portugiesischen Tagesbar-Kultur auf einen Galao und ein schnelles Frühstück. An den Namen des bekannten israelischen Models ist die kleine Bar im Glockenbachviertel aber nur zufällig geraten.

Von Christiane Lutz

Wenn eine Bar nach einem Top-Model benannt ist, berechtigt das natürlich zu einer ordentlichen Portion Misstrauen. Da entschuldigt auch nicht die Tatsache, dass das Wort "Bar" sogar im Namen des israelischen Models vorkommt. Man fürchtet lebensgroße Poster der zweifellos ansehnlichen Frau an allen Wänden und Türen, zum Model-Thema passendes Essen - Blattsalat mit Nichts - und vielleicht ein paar sexistische Witze vom Personal. Ganz, ganz falsch.

Zum Glück. Die - jetzt kommt's - "Bar Rafaeli" nämlich ist eine charmante kleine Tagesbar, die eher zufällig an ihren Namen geraten ist. "Ein Freund, Fotograf, hat Bar Refaeli mal getroffen und ihr versichert, dass er seine Bar nach ihr benennen würde, falls er jemals eine haben würde", sagt Geschäftsführer Ante Tabak. Weil besagter Freund aber gar keine Bar aufmachen wollte, trat er die Abmachung mit Frau Refaeli kurzerhand ab, nur das "e" im Nachnamen der Blondine wurde zum "a", also Refaeli zu Rafaeli.

Diese Bar Rafaeli also liegt im unaufgeregten Teil der Buttermelcherstraße. Auf gerade mal 25 Quadratmetern haben Tabak und sein Partner Zeljko Kovac im September vergangenen Jahres ein gemütliches Frühstücks- und Kaffee-Örtchen eingerichtet. Kovac und Tabak sind Fans der portugiesischen Tagesbar-Kultur: Jeden Tag treffen sich Junge wie Alte dort in den winzigen Bars auf ihren obligatorischen Galao an der Bar, essen eine Kleinigkeit und gehen wieder.

"Green Smoothies" statt Alkohol

Die Wände in der "Bar Rafaeli" sind zwar nicht mit den typischen portugiesischen Fließen verkleidet, aber immerhin mit einer täuschend echten Fließen-Tapete verkleidet. Auf ein paar Hochstühlen und Tischen kann man dem Barmann beim Arbeiten zusehen oder Zeitung lesen. Zu essen gibt es eine kleine Auswahl an Frühstücks-Broten, Vollkornscheiben mit Camembert, Gurken und süß-scharfem Senf, Panini mit Salami und Käse, selbst gemachte Kuchen, solche Dinge.

Dann die üblichen Kaffee- und Kaltgetränke, aber keinen Alkohol, dafür "Green Smoothies" mit Spinat oder Grünkohl als Grundlage und frisch gepresste Fruchtsäfte mit Schaumkrone in großen Gläsern. "Wir wünschen uns eigentlich, dass der morgendliche Kaffee in der Bar hier so ritualisiert wird wie in Lissabon", sagt Geschäftsführer Tabak, "und sich die Leute mit den Säften hier ihre Vitamine abholen."

Das klappt so langsam, die Mädels vom nahegelegenen Yoga-Studio machen das schon, ebenso die Mitarbeiter einer benachbarten Werbeagentur. Richtig rumgesprochen hat sich die Existenz der Bar freilich noch nicht, aber das sehen die Betreiber gelassen. Ante Tabak kommt aus einer Gastronomen-Familie, seine Eltern betreiben ein Restaurant am Westpark, die Bar ist für ihn und Zeljko Kovac eher die Erfüllung eines Wunsches denn ein durchgeplanter Lebensentwurf. Kovacs Eltern helfen mal beim Putzen, Tabaks Schwägerin backt üppige Schokoladenkuchen. Ein Grund mehr, in der "Bar Rafaeli" vorbeizuschauen.