Süddeutsche Zeitung

Bar Paisano:Wie es für die Bar von Elyas M'Barek läuft

Feine Drinks, gute Gespräche - einfach eine nette Bar. Und niemand achtet im Paisano auf den größten deutschen Kino-Star hinten im Eck. Dem gehört der Laden nämlich.

Elyas M'Barek muss lächeln, als er die Begegnung mit dem Arzt erzählt. Da war er also vor einiger Zeit um die Ecke seines neuen Lokals Paisano beim Arzt. Der Doktor wollte wissen, was er beruflich so macht. M'Barek, derzeit nach den Fack-ju-Göhte-Filmen der gefragteste deutsche Darsteller, sagte: "Schauspieler."

Der Arzt schaute ihn mitleidig an. Noch so einer, der versucht, mit der Schauspielerei über die Runden zu kommen. Und, sagte M'Barek, er betreibe mit zwei Freunden das Paisano. Da war der Arzt auf einmal total begeistert, erzählt der 33-jährige Schauspieler.

Dieser Mann ist wahrscheinlich der einzige Mensch in München, der M'Barek nur als Barbetreiber kennt, und nicht, wie die meisten, aus seinen Filmen. Deshalb war es auch zu Beginn nicht leicht für ihn und die Mitbetreiber Fabio Spagna, 33, und Gregor Myszor, 35, den M'Barek-Faktor aus ihrem Geschäft rauszurechnen und zu erkennen: Läuft, was wir uns ausgedacht haben?

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung sitzen die drei mit Weißwein und Bier an ihrem Stammtisch. Und man kann sagen: Dass hier ein Schauspieler, für den Tausende Teenies bei Premieren hysterisch schreien, ein Lokal mitbetreibt, spielt überhaupt keine Rolle. Am glücklichsten ist damit der Schauspieler selbst: "Es ging auch nie darum, aus meiner Popularität Profit zu schlagen." Das kann man natürlich als gut geölten PR-Satz verbuchen. Aber wahrscheinlich ist, dass dieser Satz stimmt.

Denn für die drei Freunde, die sich vor Jahren im Nachtleben kennengelernt haben, war es in erster Linie ein Abenteuer. Ein Schauspieler, ein Kommunikationsdesigner und ein Gastronom eröffnen ein Lokal und versuchen, die leicht verschlafene Ecke am Färbergraben zum Ausgehen attraktiv zu machen.

Charmant verpackte Eigenwerbung

Spagna bestellt noch ein Glas Wein, ein trockener Riesling vom Weingut Jacobus, ziemlich schmackhaft (0,1 L 5,50 Euro), und beginnt von der Restaurantbar zu schwärmen - knallharte Eigenwerbung, aber charmant verpackt. Mittlerweile sei das Paisano bekannt, sagt Spagna, die Taxifahrer würden die Adresse kennen, es gebe eine große Zahl an Stammgästen. Auch an diesem Abend sind alle Tische und Stühle an der Bar besetzt, die Frauenquote beträgt knapp 80 Prozent, die Ansprechquote bis 22 Uhr für den Schauspieler-Betreiber bei null Prozent. Bruschetta mit der exakt richtigen Konsistenz (8), anschließend ein gelungenes Risotto (12,90) oder ein Entrecote mit Salat (14,90).

"Hier ist das Publikum ja ganz anders als zum Beispiel im Glockenbachviertel", sagt Spagna, der dort die Lola-Bar betreibt. Rund um die Fußgängerzone sei es viel internationaler, "dazu gibt es viele Büros". Seit sie ihre Tageskarte auf Englisch auf den Bürgersteig stellen, kämen auch deutlich mehr Gäste. Auch M'Bareks Schauspielkollegen oder auch mal ein Bayern-Spieler. Manche zum Lunch, andere bereits zum Frühstück, das allein deshalb zu empfehlen ist, weil hier Italiener in der Küche und an der Kaffeemaschine am Werk sind. Croissant (2) mit einem Caffé (1,80) mit wunderbar haselnussbrauner Crema.

Eigentlich wollte M'Barek mit seinen Freunden einen Club aufmachen, dann wurden sie auf das Geschäft am Färbergraben 10 aufmerksam, vorher ein Schmuckladen. Da ein Barrestaurant? Mit 20 Mitbewerbern? An einem Nicht-Ausgeh-Eck? So eine Konstellation kann bei drei Freunden schon mal eine Eigendynamik entwickeln. Der Designer entwirft also die Bar, der Gastronom den Speiseplan und engagiert die Crew, und der Schauspieler?

Ein gutes Team im Hintergrund

Abgesehen davon, dass es für jemanden, der beruflich immer von Drehbüchern fast unveränderbare Vorgaben bekommt, ein Segen sein muss, in einer ganz anderen Branche einfach mal loszulegen, ist M'Barek auch der Kopf des Ganzen. Im Wortsinn zunächst, als die bekannte Figur, aber auch als derjenige, der durch seinen Beruf ein Gespür für Momente und Menschen entwickelt hat, auf die es bei einer guten Bar eben auch ankommt. Die Atmosphäre muss stimmen, das ist am Tresen nicht anders als am Filmset oder in einem Film.

M'Barek bestellt für seine beiden Kompagnons je einen Herbal Boston Sour (10,50) und sieht sich um. Unaufdringliche Musik, feines Ambiente, unaufgeregte Gäste, gute Drinks, im besten Sinn gediegen. Erinnert ein wenig an das Schumann's, nur kleiner und jünger. M'Barek kann wunderbar selbst überprüfen, ob sein Laden läuft. Er muss einfach nur hingehen.

Meistens ist es dann so wie an diesem Abend: Die Leute gehen auf in diesem diffus glückseligen Barrauschen, das man nicht erzwingen kann: Diese Mischung aus feinen Drinks, guten Gesprächen und das an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt. Und weil die Gäste darin aufgehen, achtet auch niemand auf den größten deutschen Kino-Star hinten im Eck.

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Quelle:
SZ vom 27.05.2016/vewo, axi
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