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Bar München '72: Neueröffnung im Olympiapark:Retro geht immer

Judomatten, Turnkastenleder und Hollywoodschaukeln: Der neue Ableger der Bar München '72 im Olympiapark kommt sportlich daher und versetzt den Besucher in die blumigen siebziger Jahre. Auf der Terrasse gibts Grills zum Selberbrutzeln - und einen Blick auf die Tennisanlage nebenan.

Thomas Zufall hatte so seine Zweifel, als er die Annonce sah: Ein Kiosk mit 15 Quadratmetern war zu pachten, im Olympiapark. Ob das etwas für ihn sein könnte? Aber weil er schon lang nicht mehr dort draußen gewesen war, fuhr er hin. "Dann habe ich diesen Kiosk gesehen mit der riesigen Terrasse davor", erzählt er. "Ich habe die damalige Pächterin gefragt, ob die dazugehört, und sie sagte: "Ja." In dem Moment war für ihn die Sache klar.

Bei schönem Wetter wird auf der Terrasse des neuen München '72 gegrillt - und geplanscht.

(Foto: Robert Haas)

Zufall bewarb sich bei der Verwaltung der Anlage für den Zentralen Hochschulsport (ZHS). Er bekam den Zuschlag, natürlich. Schließlich betreibt er die Bar "München '72" in der Morassistraße, einen Hort der Olympia-Nostalgie.

Eine Dependance am Ort der Spiele, die Idee ist so schlüssig, dass man sie fast schon wieder langweilig finden kann. Zufall war sich der Gefahr bewusst, als er mit befreundeten Designern zu überlegen begann, wie man das Sommerlokal am Kolehmainenweg gestalten wolle. "Deshalb haben wir die Parallelen zu Olympia auf den Namen reduziert", sagt er. Der ist derselbe wie in der Stadt, nur mit dem Zusatz "Park". Am Sonntag steht die offizielle Eröffnungsfeier an.

Das mit der Reduktion stimmt fast. Ein Aufwärmfahrrad, das 1972 bei den Schwimmern stand, hat er doch noch aufgestellt - angeblich hat Mark Spitz immer draufgesessen - und ein paar andere Kleinigkeiten.

Ansonsten aber zielt dieser Biergarten mit dem Gastraum für zwölf Leute eher allgemein auf die Siebziger-Jahre-Nostalgie seiner Gäste. Sieben liebevoll restaurierte Hollywoodschaukeln hat Zufall aufgebaut, bezogen sind sie mit Stoffen in blumig-braun und ähnlich gestrigen Mustern. Drumherum stehen Klapp- und Liegestühle - sowie Grills zum Selberbrutzeln. "Manche Gäste sagen, sie fühlen sich wie auf Omas Terrasse", erzählt Zufall, 34.

Retro geht immer. Nur dass man auf Omas Terrasse nicht inmitten einer Tennisanlage saß, links das BMW-Hochhaus sah und geradeaus, hinter dem rauschenden Verkehr auf dem Mittleren Ring, den Fernsehturm und die Zeltdachlandschaft. Die Bar drinnen ist mit Judo- und Turnmatten verkleidet, die Sitzecke ist vertäfelt mit Lederbezügen von Turnkästen. Hauptzielgruppen sind die Bewohner des Olympischen Dorfs und die ZHS-Sportler.

Hat Zufall schon Pläne für das nächste Lokal, das er mit Fundstücken aus Deutschlands Turnhallen einrichtet? Im Moment nicht, sagt er, aber ausschließen mag er nichts. "Man muss nur mit dem Namen aufpassen. Es kamen schon Leute und haben gefragt: Wird das jetzt eine Kette?" Und diesen Eindruck will er unbedingt vermeiden. Denn das würde sich ganz schön mit der Retro-Kuscheligkeit beißen.

© SZ vom 28.05.2011/feko
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