Bar Mr. Mumbles Cocktails vom Linebacker

Barkeerper Clayton Gomez ist ein wandelndes Cocktail-Lexikon.

Ohne Clayton Gomez läuft nichts im Mr. Mumbles. Der Barkeeper wirkt wie ein Football-Profi, dabei hat er Rezepte von mehr als 300 Drinks im Kopf. Darunter einen, der "Hurrikan Katrina" heißt.

Von Philipp Crone

Am Tresen lässt sich der Charakter einer Bar oft gut erkennen. Stehen die Leute autark nebeneinander, nur zusammengehalten von der Möglichkeit, sich anzulehnen und schnell zu bestellen? Oder sitzt man entspannt zusammen und unterhält sich ab und an mit dem Wildfremden an der Seite? So wie im Mr. Mumbles in der Klenzestraße.

Es hat wohl mehrere Gründe, warum in der winzigen New-Orleans-Bar von Bartender Clayton Gomez eine spürbar ungezwungene Atmosphäre herrscht. Hier hat der junge Mann keine Angst, seine frische Liebe gegen besonders coole Bargäste verteidigen oder im zufälligen Gespräch verbal das Revier markieren zu müssen. Wer sich mit dem Tisch- oder Tresennachbarn austauscht, der trifft auf angenehm unverkrampfte Menschen, was zum größten Teil mit dem Hünen hinter der Bar zu tun hat.

Der Mann an den Shakern ist die Hauptfigur

Egal, zu welcher Uhrzeit der Gast den von dunkelorangen leuchtenden Tischlampen spärlich erhellten Raum mit den plakatgroßen Schwarz-Weiß-Fotografien von Jazzgrößen betritt, dem bedächtig durch den Raum fließenden Blues zuhört und den süßlichen Geruch von gerade frisch auf den Drink gesteckten Orangenschalen wahrnimmt, er sieht: Der Mann an den Shakern ist die Hauptfigur, allein schon, weil er alle überragt. Clayton Gomez wirkt wie ein Linebacker aus der NFL, mit dem Unterschied, dass er keinen Quarterback grimmig gegen den anrennenden Gegner verteidigt, sondern mit Freude den Gästen seine besten Cocktails mixt, sodass man hier gar nicht anders kann, als die Zeit zu genießen.

Impressionen aus dem Mr. Mumbles

Cocktails im Kopf

Die junge, schwer verehrte Dame am Tisch hat sich zum ärmellosen Hemd zwar eine Pudelmütze aufgesetzt, das ist jedoch das einzig Merkwürdige, ansonsten schaut sie wunderbar verliebt zu ihrem Gegenüber, und in die großen Spiegel an der Wand auf die Whisky-Auswahl hinter der Bar. Die Wahl fällt auf einen "Hurrikan Katrina". "Der ist saustark", warnt Gomez, doch die Frau nickt energisch, dass der Bommel wippt.

"Hast du was mit Zimt und Muskat?"

Natürlich gibt es hier ein dickes Cocktailmenü, Stammgäste bevorzugen jedoch die Karte in Claytons Kopf, der mehr als 300 Mischungen gespeichert hat. Katrina enthält Cognac, Ginger Beer und Bourbon und schmeckt so wunderbar überfordernd, dass man bis zum letzten Schluck nach Nuancen sucht. Von Klassikern wie Cosmopolitan (8,50 Euro) bis zu ausgefallenen Varianten reicht das Repertoire, derzeit sind Chartreuse und Butterkeks unter den Zutaten für neue Kreationen, die serviert werden, meist auf individuellen Wunsch wie: "Hast du was mit Zimt und Muskat?" Hat er, und auch verschiedenste Gäste.

Zwei Herren, gerade frisch aus der Kanzlei, die sich bei einem Gin-Tonic entspannen, dessen Gin und Tonic sie natürlich extra gewählt haben, die Sängerin aus der Oper, irische und englische Whiskykenner, natürlich auch manch ein Angeber, der den Kollegen "eine richtig coole Bar mit den besten Cocktails der Stadt" zeigen will, aber eben doch vor allem eine wunderbare Mischung aus Leuten.

Neben der Tresenstimmung ist die Anwesenheit von Kollegen aus der Gastronomie als Gäste ein weiteres Indiz für eine wirklich gute Bar, und hierher kommen sie oft nach Feierabend aus allen möglichen Münchner Lokalen.