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Bar Lotter-Leben:Moralisch fast einwandfrei

Der Eindruck täuscht. Sündig geht es im Lotter-Leben nicht zu.

(Foto: Robert Haas)

Lotterleben - ein Begriff, wie geschaffen für eine Bar. Nur, dass der Name nicht zu der Bar passt, die unter dem Namen Lotter-Leben im Gärtnerplatzviertel eröffnet hat. Daran ändert auch die erotisch angehauchte Karte nichts.

Dieser Text ist leider veraltet, die Bar gibt es inzwischen nicht mehr.

Lotterleben, das: ausschweifendes, moralisch nicht einwandfreies Leben. Ein Begriff, wie geschaffen für eine Bar - nur, dass er nicht so ganz zu der Bar passt, die sich so genannt hat. Es ist denn auch nicht die Lust am Exzess, die den Namen des Lokals erklärt, sondern der Wirt. Er heißt: Lotter, Andreas Lotter.

In der Szene ist der Mann kein Unbekannter. Er führte zehn Jahre lang eine Bar gleichen Namens am Viktualienmarkt, dann musste er von einem Tag auf den anderen schließen: Das Haus war einsturzgefährdet.

Wirt Andreas Lotter vom Lotter-Leben.

Andreas Lotter in seinem zweiten Lotter-Leben.

(Foto: Robert Haas)

Lotters zweites Lotter-Leben erinnert kaum an das alte: Beim Vorgänger wollte er es dunkel haben, nun soll es hell und freundlich aussehen. Warmes Licht spenden zwei hübsche Glaslüster aus längst vergessenen Zeiten. Einige Stühle sind mit weißem Leder überzogen, den Tresen zieren Art-Déco-Plastiken, die Wände großformatige Bilder, die etwa einen schwarzen Matrosen zeigen, der eine kecke Blondine auf den Armen trägt, oder eine sinnlich posierende Frau.

Erotisch angehaucht ist auch die Karte, in der man ziemlich viele entblößte Brüste findet, sie gehören mal einer Frau und mal einem Mann. Allerdings hat Andreas Lotter die Karte in Laminat eingehüllt, was ziemlich abtörnend wirkt. Daran ändern auch die Frühstücksangebote nichts, die er "Leidenschaft", "Zärtlichkeit" oder "Traumnacht" genannt hat. Letzteres ist, na klar, das üppigste und mit 15,90 Euro teuerste Frühstück, das man hier ordern kann.

Am Wochenende verwandelt sich das Lotter-Leben tagsüber in ein Café, abends und unter der Woche ist es Bar und Restaurant in einem. Barfreunde können aus einer Reihe von Standard-Cocktails und Longdrinks für 7,50 bis 8,90 Euro wählen - oder sich für eine von sieben (!) Spritz-Varianten (5,90 Euro) entscheiden.

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An den Getränken selbst gibt es nichts auszusetzen, sieht man von der Tatsache ab, dass man sie im Gärtnerplatzviertel auch in einer aufgepeppten Version haben kann, etwa im Zephyr oder in der Loretta Bar. Die Speisen reichen von mexikanischen Fajitas über thailändische Wokgerichte (ab 9,90 Euro) bis hin zu einem "Bavarian Holzfäller Burger" (mit Speck und Spiegelei für 10,90 Euro). Der schmeckt ganz ordentlich, kann aber nicht mit dem konkurrieren, was eine spezialisierte Braterei wie das Burger House zu bieten hat.

Sei's drum. Das Lotter-Leben ist tatsächlich der "Nice Place To Be", für den Lotter auf der Markise seines Lokals wirbt. Ein sympathischer Ort, um nach einem anstrengenden Tag im Büro zu entspannen. Was das Lotter-Leben nicht ist, ist ein Ort der Sünde. Dafür ist die Atmosphäre hier einfach zu gediegen.