Bar Les Fleurs du Mal Schumann schlägt zurück

Das Schumann's hat jetzt eine Nebenbar zum Entspannen. Mit flauschigem Teppich und einem neun Meter langen Tisch. Charles Schumann will sich mit dem "Les Fleurs du Mal" gegen die Konkurrenz behaupten - und erklärt das kultivierte Trinken zum neuen Trend.

Von Philipp Crone

Neun Meter. So lang ist der Tisch oben im ersten Stock der neuen Nebenbar im Schumann's, die seit Mittwoch geöffnet hat und sich "Les Fleurs du Mal" nennt. Wie es sich für einen derartigen Gegenstand gehört, hat er eine lange Geschichte. Höchstselbst sei er im amerikanischen Portland gewesen und habe den Nussbaum ausgesucht, sagt Charles Schumann. Der 72-Jährige weiß natürlich, worauf es in seiner Branche ankommt, auf gute Geschichten, am besten solche, die den eigenen Mythos nähren. Der Baum wurde nach Bremerhaven verschifft, kam nach Österreich, wo er ein Jahr lang trocknete, dann bearbeitet wurde, und nun sitzen die Gäste in einem dezent beleuchteten Raum mit Holzvertäfelung und streichen gelegentlich über die Tischplatte.

Schumann ist am Mittwochabend etwas aufgedrehter als sonst. Er springt zwischen erstem Stock und Gastraum hin und her, man merkt ihm den Stolz auf sein Werk an. In München haben in den vergangenen Jahren ja mehrere neue hochwertige Bars eröffnet, etwa Gabányi, Lux oder Reichenbach, und nebenan am Odeonsplatz lockt das Lazy Moon seit einiger Zeit mit Champagner und Austern. Nun schlägt Schumann zurück. Er macht das auf seine Art, mit der über Jahrzehnte perfektionierten charmanten Boshaftigkeit, die auch die Gäste so schätzen - neben dem Gefühl, hier am Nabel der Barwelt zu sitzen.

Beiläufig berichtet Schumann, dass sein Lokal vor Tagen erst wieder unter die besten 50 Bars der Welt gewählt wurde (Platz 22), um dann einmal ganz generell die Konkurrenz infrage zu stellen. "Heute glauben alle, dass es ohne Remmidemmi in einer Bar nicht mehr geht und stellen überall DJs hin." Selbstverständlich macht dann ein Schumann das Gegenteil. Er stellt einen einsamen Barkeeper an den langen Tisch, legt flauschigen, dunkelvioletten Teppich aus und bietet dem Gast einen ruhigen Raum für "kultiviertes Trinken", einzige Regel: bitte sitzen. Die Kollegen sind begeistert. Serhan Kusaksizoglu, Barchef des Shangri-La in Hongkong, oder Mauro Mahjoub vom Negroni in München schwärmen unisono: "Das wird weltweit einen Trend setzen." Schumann sagt das natürlich auch.

Ein feiner Rückzugsort ist es geworden, das "Les Fleurs du Mal", benannt nach dem Gedichtband des Absinth-Verehrers Charles Baudelaire. Man hockt an der Tafel und ratscht oder sieht einfach nur Dimi Petri, dem begnadeten Barmann, dabei zu, wie er Gin, Wermuth, Himbeeren und Champagner zu einem herrlich süßsauren Clover Club mischt. Whisky-, Cognac- und Absinth-Flaschen sind im eleganten braunen Interieur aufgereiht, "Mad-Men-Style", sagt eine Dame, nickt und nippt an ihrem Champagner.

Einen weiteren Nebenraum hat Schumann noch im ersten Stock. Was damit passiert, sei noch nicht klar, sagt er. Aber für den Fall, dass es nötig werden sollte, kann er dort sicher jederzeit wieder einen neuen Trend setzen.