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Gärtnerplatz-Alm:So ein Käse

Wer hat die optimale Drehtechnik für eine maximale Käseausbeute?

(Foto: Robert Haas)

"Orgien! Orgien! Wir wollen Orgien!" Die Gärtnerplatz-Alm in der Corneliusstraße bietet Fondue in allen Variationen. Und wer am geschicktesten dreht, bekommt am meisten Käse.

"Orgien! Orgien! Wir wollen Orgien!" Sie wollen Orgien? Vielleicht. Beim Thema Käsefondue ist die Bandbreite der Assoziationen groß. Natürlich ist da die herrlich dekadente Gelage-Szenerie aus "Asterix bei den Schweizern", bei der jeder Teilnehmer der römischen Besatzung zum ausschweifenden Durchdrehen angehalten wird, bis alle zu einem großen gelben Klumpen verschmolzen sind. Aber auch sonst: Käsefondue, das bedeutet: besondere Anlässe, Geburtstagsfeiern, Silvesterpartys. Allein schon das verbindende Herumstochern im gleichen Topf. Aus diesem Grund ist es wohl auch so, dass in der Gärtnerplatz Alm an der Corneliusstraße der Wirt derzeit recht häufig am Telefon sagt: "Oh, da sind wir leider schon ausreserviert."

Ansonsten sagt er Dinge wie: "Das Provençale-Fondue vielleicht? Oder das Münchner Dunkelbierfondue mit Breznwürfeln? Das ist besonders." Besonders, anders. Das scheint zumindest in den ersten beiden Monaten seit der Eröffnung ein Grund zu sein, warum hier abends größere Gruppen Käsefäden auf Brotecken ziehen.

Eine Alm am Gärtnerplatz, die Stühle mit roten Decken belegt, Sitzpolster aus Fell, alte Holzski, Geweih und Schlitten an den Wänden, Laternen auf den Tischen, Holzscheite in der Vitrine und ein gut sichtbarer Glühweintopf an der Bar. Dieser Ort möchte den Gast auf eine Schweizer Hütte entführen, raus aus der engen lauten Stadt in die Weite der Berge - wenn nur nicht die Glockenbacher Passanten wären, die immer durchs Fenster reinschauen.

Sie sehen Pärchen, Grüppchen, Mädchen. Zwei Damen wählen das Provençale (15,50 Euro pro Person) und rühren zunächst ganz andächtig im blubbernden Gelb herum, bis der Rosmarin nach unten verschwunden ist. Ein älterer Herr wünscht "a Käsfondue". Wenn schon die Speisen einen gewissen Unterhaltungswert haben, schadet das der Stimmung in der Alm natürlich nicht. Eingelegte Gürkchen mit Käse überziehen, Brotwürfel möglichst geschickt drehen, dass möglichst viel Käse daran hängen bleibt? Die zehnköpfige Geburtstagsrunde kommt dabei schnell in Feierlaune, eine junge Frau ruft "Woa!", als sie ihr Abendessen serviert bekommt, derart laut, dass zwei Herren im Business-Gewand (vom Büro in die Berge) leicht irritiert schauen, um dann doch statt süßem Skiwasser (o,5 l, 2,50) ein Helles (0,5 l, 3,50) bestellen.

Die Damen im Eck ratschen, rühren und mampfen, es riecht nach Greyerzer und einem Hauch von Spiritus, und die Weißbiere in der Geburtstagsrunde werden schneller geleert als die Töpfe. Ein Abstecher auf die Münchner Berghütte scheint die Gäste zu faszinieren, und natürlich diskutieren sie die Frage, was denn im Sommer dann angeboten werde, wenn Winter und der erste Neugierdeansturm vorbei sind. Man habe schon Ideen, sagt der Wirt.

Münchner Orgien, da fällt ihnen sicher was ein. Hier noch ein asterix'scher Menü-Vorschlag: in Auerochsenfett gebratene Schweinskaldauen und gefüllte Giraffenhälse, und wer sein Brotstück verliert, wird in der Isar versenkt.