Süddeutsche Zeitung

Curtain Call:Verbeugung vor dem Gin

Die neue Bar Curtain Call im Glockenbachviertel ist ein exklusiver Ort zum Feiern: ein Hauch von Art déco und Jugendstil, etwas gepflegte Dekadenz - und eine eigene Ginmarke gibt es da.

Eine blasse, somnambule Balletttänzerin würde eigentlich noch ganz gut reinpassen, denkt man sich, wenn man das Curtain Call betritt. Zur Not auch Natalie Portman, wie in dem Psychothriller "Black Swan" von 2010. Aber wir sind hier im Glockenbachviertel, nicht in Hollywood, und so nimmt man halt mit dem örtlichen Ausgehvolk vorlieb. Das findet in dieser neuen Bar allerdings einen recht exklusiven Ort zum Feiern vor: ein Hauch von Art déco und Jugendstil, etwas gepflegte Dekadenz und kleine Verwirrspiele in Gestalt eines Bullauges gleich beim Eingang, einem falschen Papagei über den Köpfen und echten Lilien in einer Vase an der Bar.

Und natürlich einen Vorhang, wandhoch links von der Tür bis hin zum Tresen - nicht in echt, sondern eigens mit dem Pinsel angefertigt von der Bühnenmalerin des Residenztheaters, Katja Markel. Curtain Call nennt man es im Englischen, wenn die Schauspieler am Schluss der Vorstellung vor den Vorhang treten und sich verbeugen. Eine Verbeugung ist es auch, was die vier Betreiber der neuen Bar so vorhaben: vor den Gästen, eh klar, aber auch vor einer bestimmten Spirituose. Im Curtain Call dreht sich nämlich alles um Gin, genauer gesagt: um den Münchner Gin "The Illusionist".

Der ist von der Farbe her tiefblau und färbt sich mit Tonic Rosa, daher der Name. Erfunden haben diesen Gin Max Muggenthaler und Tim Steglich im Sommer 2015, die beiden sind jetzt auch Barbetreiber. "Weil wir endlich was Cooles im Leben machen wollen", sagt Steglich, der BWL studiert hat, Muggenthaler ist im Hauptberuf Zahnarzt. Anfangs probierten sie mit einer Tischdestillerie in der Westermühlstraße herum, inzwischen ist die Brennerei nach Obersendling umgezogen, ernährt vier Festangestellte und hat im vergangenen Jahr stolze 80 000 Flaschen verkauft.

Jetzt haben Muggenthaler und Steglich mit ihren Freunden Tom Strixner und Till Allmer eine hübsche Bar hingezaubert, die vor allem Gin-Cocktails, aber nicht nur, im Angebot hat. "Rosemary Fizz" etwa, mit Rosmarin, Zitrone und Soda. Es gibt Frozen Cocktails aus der Eismaschine, "Split Happens" mit Wodka, Galliano, Passionsfrucht und Limettencrumble zum Beispiel. Die Preise pro Cocktail bewegen sich zwischen 9,50 und 11,50 Euro, "wir kriegen den Gin recht günstig", witzelt Steglich. Den Barkeeper haben die vier in Gestalt von Lukas Kornbrust aus dem Drunken Dragon ums Eck abgeworben, um die kleine, aber durchaus erlesene Küche kümmern sie sich selbst. "Auch da setzen wir auf Dekadenz", sagt Muggenthaler und grinst, "es gibt zum Beispiel Blinis mit Lachs und Kaviar oder Tramezzini mit Foie Gras".

Momentan befindet sich die frisch eröffnete Bar noch in der Warmlaufphase, vom letzten Vorhang kann also gar keine Rede sein. Das Publikum ist ein bisschen älter als sonst im Ausgehviertel, "so Ende 20 bis Anfang 40".

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SZ vom 22.03.2019/vewo
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