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Bar-Besuch:Sushi statt Bratkartoffeln

Prominenter Gast: Der Sushi-Koch Nobuhiko Saisho aus Tokio zeigt bei Charles Schumann sein Können.

(Foto: Catherina Hess)

Charles Schumann feiert Japan und einen Film über Schumann

Ist ja nicht das Schlechteste, wenn man sich nach dem Besuch einer Bar sagt: War wirklich toll, aber warum bin ich eigentlich da gewesen? Charles Schumann, deutsche Barkeeperlegende, versteht es, solche Ereignisse zu schaffen. Und so lud er am Mittwoch ins Separee namens Le Fleurs Du Mal seiner Bar am Hofgarten, um den Sushimeister Nobuhiko Saisho aus Tokio Freunden und Bekannten zu präsentieren.

Der Anlass, beziehungsweise die Anlässe? Viele. Da wäre die derzeit laufende Samurai-Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, die extra ein paar historische Fotos von Samurais für Schumanns Bar beigesteuert hat. "Natürlich wollen wir ein paar Ausstellungsbesucher in unsere Bar rüberziehen", flachst Schumann, "hat aber bisher noch nicht so recht geklappt." Überhaupt stapelt der Meister heute tief. Eine neue, eigene Sushi-Bar unter seinem Namen? "Nein, nicht unsere Kompetenz. Lieber mache ich einen Bratkartoffelstand in Tokio, das kann ich wenigstens." So bleibt noch eine weitere Erklärung: die harmonische Einstimmung auf den Abend. Denn das Bayerische Fernsehen zeigt in der Nacht zum Donnerstag den Dokumentarfilm "Schumanns Bargespräche" von Marieke Schröder, und der wird dann in der Bar live auf Großleinwand übertragen. Zuvor aber muss Schumann noch einmal schnell mit der Regisseurin in die "Abendschau " zu einem Interview.

Da tut es gut, vorher noch entschleunigt zu speisen. Meister Saisho schneidet formvollendet Lachs und Rinderfilet und erklärt auf Englisch, was er da gerade macht. So ist Schumann der Aufgabe enthoben, zu übersetzen. Seit vier Jahren lernt er selbst Japanisch, seine Lehrerin Hiroe Schöniger-Kuroiwa hat ihm schon allerhand beigebracht, "jetzt langsam fange ich an, das Schreiben zu lernen", sagt der Schüler. Je mehr man weiß, so scheint's, desto bescheidener wird man.

Am Abend folgt dann das, was man beim Fußball Public Viewing nennt. Mit Schumann auf der Leinwand und in der Bar, mit Bar im Film und in echt. Soll eh vorkommen, dass man nach ein paar Drinks vieles doppelt sieht.