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Bar Bau:Heteros willkommen

Nicht mehr nur für Männer: Der Bau wünscht sich künftig noch mehr weibliche Kundschaft.

(Foto: Stephan Rumpf)

Urlaubsgefühl statt "Leder und Latex": Markus Vertel hat seine Kneipe sechs Wochen lang renoviert. Der neue Bau soll keine reine Schwulenkneipe mehr sein. Aber die Veränderung dauert noch an.

Leider ist dieser Text veraltet, die Bar gibt es nicht mehr.

Als Markus Vertel die Kneipe "Bau" in der Müllerstraße vor elf Jahren übernahm, war der Laden zwar schon in der Münchner Schwulenszene etabliert, aber ziemlich heruntergewirtschaftet. Vertel machte sich ans Werk und den Bau wieder zu einem rentablen Laden. Die Einrichtung aber war, so Vertel, "schwarz, dunkel und zugeklebt", die Gäste trugen "Leder und Latex." Daher entschied er in diesem Sommer, dass es Zeit für ein Facelift sei.

Über sechs Wochen ließ er den Bau renovieren, überdachte das Konzept und eröffnete die Kneipe im August quasi neu. "Jetzt fühlt man sich wie im Urlaub, wenn man reinkommt", sagt Vertel, 41 Jahre. Die schlechte Stammkundschaft komme nicht mehr, die gute sei geblieben. Inzwischen hätten sie im Bau 40 Prozent Hetero-Anteil und auch Frauen müssten sich nicht mehr unwohl fühlen, wenn sie die Kneipe betreten.

Auf der Cocktailkarte stehen ausschließlich Klassiker

Vertel bemüht sich um neue Kundschaft. Dienstags ist Studententag, "unser sozialer Tag", wie Vertel sagt, weil es Shots für einen Euro gibt. Am Wochenende veranstaltet er regelmäßig Motto-Partys zu Themen wie Wiesn, Halloween, Sommer, Schaum, Wassermelone. Gefeiert wird dann auf einer Tanzfläche im Untergeschoss des Hauses. Auf der Cocktailkarte des Bau stehen ausschließlich Klassiker wie Sex on the Beach (Vertels Favorit), Tequila Sunrise und Swimming Pool, alle für 5,50 Euro. Eine Halbe Helles (Löwenbräu, aktuell das Wiesnbier) kostet im Bau 3,60 Euro.

Markus Vertel leitet außer demBau auch den "Markt-Stadl", eine Boazn am Viktualienmarkt, und ist einer der wenigen, der den Wandel des Glockenbachviertels spitze findet: "Endlich ist was los in der Stadt. Je mehr, desto lustiger." Auch die Tatsache, dass sich die Homosexuellen nicht mehr so verstecken müssten und keine exklusiven Rückzugsräume bräuchten, habe zum Wunsch beigetragen, den Bau für ein breites Publikum zu öffnen.

Veränderungsphase dauert noch

Betritt man allerdings als Frau den Bau an einem gewöhnlichen Wochentag, lässt sich kaum übersehen, was die Bar früher ausgemacht hat, oder besser: auch heute noch ausmacht. An der Wand hängt ein großes Bild von Bauarbeitern und ihren Riesen-Maschinen. Es laufen Elektro-Remixes, das Publikum ist überwiegend männlich. Man fühlt sich als Frau nicht unwillkommen - der Mann an der Bar ist sehr freundlich - aber doch registriert.

Der vordere Raum der Bar ist in der Tat hell und die großen Fenster verbinden die Kneipe mit dem Treiben auf der Müllerstraße, doch die vom Wirt gewünschte Vermischung hat sich noch nicht vollzogen. Was okay ist. Schließlich gehört der Bau seit 1995 zu den Institutionen der Stadt. Und so eine Veränderungsphase darf auch mal dauern.