Bankautomaten Das Geschäft mit den Geldmaschinen

CASH: In aufdringlichen Großbuchstaben und mit grellen Farben signalisiert das US-Unternehmen Euronet am Wiener Platz in Haidhausen, dass hier Bargeld zu bekommen ist.

(Foto: Robert Haas)
  • Die klassischen Banken haben in der Münchner Innenstadt in den vergangenen Jahren Filialen geschlossen. Spezialisierte Unternehmen haben in dieser Zeit immer mehr Geldautomaten aufgestellt.
  • Man sieht die Automaten zum Beispiel dort, wo Menschen in Eile und wo viele Touristen unterwegs sind.
  • Das hängt mit den hohen Gebühren zusammen, die die Unternehmen oft für das Abheben verlangen.
Von Pia Ratzesberger

Er wartet am Eingang, in einer Nische auf der rechten Seite, noch bevor man den großen Raum betritt. Er drängt sich einem nicht auf, aber auffallen will er durchaus. Denn er hat zu bieten, was es in diesen Räumen vor ein paar Jahren noch in großen Mengen gab und was nun nur noch er in seinem Inneren sammelt: Geldscheine.

Der Automat steht am Eingang in einem Wirtshaus im sogenannten Tal, also in der Straße, die vom Marienplatz zum Isartor führt und in der nicht nur viele Dirndl verkauft werden, sondern auch viele Schweinsbraten. In dem Haus mit der Nummer 15 saßen vor zwei Jahren noch Mitarbeiter der Santander Bank hinter ihren Schaltern. Sie zogen dann aber in eine Filiale hinter dem Viktualienmarkt um. Dort hatte die Hypovereinsbank wiederum eine Filiale zugemacht, wie auch manch andere Filiale in der Stadt, und nun steht in dem Haus, in dem vor ein paar Jahren mehrere Schalter geöffnet waren, also nur noch dieser eine Automat von einer Firma namens IC Cash Services.

Der Restaurantleiter des Wirtshauses sagt: "Die Leute haben immer wieder gefragt, wo sie Geld abheben können, also haben wir den aufstellen lassen." Wer mit seiner Girokarte an dem Automaten Geld abheben will, muss allerdings bereit sein, hohe Gebühren zu zahlen. Einmal abheben kostet 4,99 Euro. Und daran sieht man ganz gut, was gerade in der Stadt passiert.

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Die klassischen Banken haben in den vergangenen Jahren mehrere Filialen geschlossen, nicht nur die Hypovereinsbank, sondern zum Beispiel auch die Stadtsparkasse. Und in den gleichen Jahren haben andere Unternehmen neue Bankautomaten aufgestellt. Nicht innerhalb von wenigen Tagen wie damals bei der Firma Obike und ihren Fahrrädern, aber wenn man aufmerksam durch die Straßen geht, fallen einem ähnlich viele Geldautomaten auf wie damals gelbe Fahrräder. Wenn man von dem Wirtshaus im Tal über den Marienplatz läuft, an der Stadtsparkasse vorbei und an einer Filiale der Deutschen Bank, steht man zum Beispiel am Eingang der Gaststätte "Zum Spöckmeier" schon wieder vor einem dieser Geldautomaten. Und im Haus nebenan steht gleich noch einer.

Nun war München schon immer eine Stadt der Geldautomaten, die Stadtsparkasse zumindest stellte 1977 als erste Bank in Deutschland einen Geldautomaten auf, der so funktionierte, wie man es heute gewohnt ist. Einen Automaten, der mit dem zentralen Computer verbunden war und einem damit den Kontostand anzeigen konnte. Heute aber sind die vielen Geldautomaten in München Teil eines größeren Bildes, denn überall in Deutschland stellen Firmen diese Automaten auf. Vor zehn Jahren gab es in Deutschland noch weniger als 1500 Automaten. Heute sind es fast dreimal so viele. Das Geschäft scheint sich zu lohnen.

Es gibt keine Statistik zu der Frage, wie viele dieser Automaten sich in München finden, denn es gibt keine zentrale Stelle, die solche Geldautomaten registriert, aber man muss sich nur einmal die Zahlen von einzelnen Firmen ansehen, um eine Ahnung zu bekommen: Besonders oft sind zum Beispiel die Automaten von Euronet zu sehen, mit einem blauen Symbol auf gelbem Hintergrund, selbst auf dem idyllischen Markt am Wiener Platz gibt es inzwischen so einen. Hinter Euronet steht ein Unternehmen aus den USA, das auf der ganzen Welt Geld mit Automaten verdient und schon öfters wegen seiner Währungsumrechnungen in der Kritik stand, derentwegen Touristen unnötig viel Geld zahlen müssten, so der Vorwurf. In München hatte Euronet nach eigenen Angaben vor zehn Jahren etwa 20 Geldautomaten. Vor fünf Jahren waren es 50 Automaten. Heute sind es 150 Automaten. Hundert Geldautomaten mehr in nur fünf Jahren?

Der Anfang: Am 9. Februar 1977 führt Fritz Kistler, der damalige Präsident der Stadtsparkasse München, den ersten Geldautomaten vor, der in der Bundesrepublik Deutschland aufgestellt wurde.

(Foto: Fritz Neuwirth)

Bei Euronet will man dazu nicht viel sagen. Nur, dass dieses Wachstum durchaus damit zu tun habe, dass die Banken Filialen geschlossen hätten und man zum Beispiel auch in Randgebieten von München Automaten aufstelle. Dort, wo die Menschen sonst wenige Möglichkeiten hätten, Bargeld abzuheben - aber auch dafür bezahlen müssen. In der Innenstadt sieht man die Automaten zum einen vor allem dort, wo Menschen es eilig haben, wo viele Touristen unterwegs sind, in den Passagen an den Bahnhöfen etwa. Zum anderen dort, wo Menschen gerne einmal einen Schnaps zu viel trinken, im Tal zum Beispiel oder in der Müllerstraße. Die Unternehmen erhoffen sich, dass die Leute in beiden Fällen eher hohe Gebühren in Kauf nehmen, auch wenn die Firmen mittlerweile dazu verpflichtet sind, auf dem Bildschirm anzuzeigen, wie viel Geld sie für die Auszahlung verlangen. Manchmal können das bis zu sieben Euro sein.

Die Gebühren legen die Unternehmen fest. Bei Euronet betragen die in der Regel zwischen 1,95 Euro und 4,99 Euro. Auch bei IC Cash Services, einem Unternehmen aus Taufkirchen, ist das so, wobei der Gründer der Firma gleich dazu sagt, dass man manchmal von der Preisspanne abweiche: "In der Nähe eines Bordells nehmen wir schon einmal sieben Euro", sagt Kersten Trojanus. Er ist nicht nur Geschäftsführer und Eigentümer von IC Cash, sondern auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Geldautomaten. In ihre haben sich alle Unternehmen zusammengetan, die in Deutschland neben den klassischen Banken Geldautomaten aufstellen, also unter anderem IC Cash Services, Euronet, die Cardpoint GmbH und die Notemachine GmbH.

4000 Automaten

haben Unternehmen der "Arbeitsgemeinschaft Automaten" wie Euronet inzwischen in Deutschland aufgestellt. Das entspricht einem Marktanteil von etwa acht Prozent - die meisten der mehr als 60 000 Automaten im Land gehören nach wie vor den Sparkassen. Im Schnitt werden an den Geräten um die 200 Euro abgehoben, für mehr Geld gehen die Kunden doch noch zum immer seltener zu findenden Schalter. An Supermarktkassen oder Tankstellen hebt bislang kaum jemand Geld ab. Deren Anteil am Abhebe-Markt liegt bei etwa zwei Prozent.

Während eine Bank von ihren Kunden im Normalfall keine Gebühren beim Abheben verlangt, sondern nur von den sogenannten Fremdkunden, sind bei den Bankautomaten dieser Unternehmen alle Fremdkunden. Sie müssen in der Regel bezahlen, zumindest mit einer klassischen Girokarte, es gibt aber auch Ausnahmen. Zum Beispiel bei manchen Kreditkarten oder wenn die Kreditkarte von einer Direktbank kommt. Weil diese Banken keine Filialen besitzen, bieten sie ihren Kunden an, überall kostenlos abzuheben. "Dann bekommen wir nur eine sogenannte Interchange", sagt Kersten Trojanus von der Arbeitsgemeinschaft. Das bedeutet, dass ein Kreditkartenunternehmen wie Visa der Firma noch etwas zahlt, diese Beträge liegen allerdings niedriger als die Gebühren am Automaten.

Trojanus und seine Kollegen von den Automatenfirmen rechtfertigen die hohen Gebühren mit den gleichen Argumenten, mit denen die Banken sich rechtfertigen, wenn sie einen Automaten abbauen: mit den Kosten. Beim Bayerischen Genossenschaftsverband, zu dem die Volks- und Raiffeisenbanken gehören, heißt es, dass das Betreiben eines Geldautomaten zwischen 20 000 und 25 000 Euro im Jahr koste. Denn die Automaten müssen mit Geld versorgt und gewartet werden - und sie müssen gesichert werden. In den vergangenen Monaten sprengten Kriminelle immer wieder Automaten oder versuchten das zumindest.

Nutzen für die Stadt umstritten

Die Unternehmen aus der Arbeitsgemeinschaft Automaten geben an, dass sie diese Ausgaben nicht wie andere Banken durch andere Einnahmen querfinanzieren könnten - und in der Münchner Innenstadt koste der Quadratmeter für einen Automaten schon einmal 1000 Euro Miete, manchmal auch mehr. Bei der bayerischen Verbraucherzentrale heißt es, am wichtigsten sei, dass die Kunden über die Gebühren Bescheid wüssten und sich entscheiden können, ob sie bereit sind die Summe zu zahlen oder nicht.

Die Stadtsparkasse besitzt mit mehr als 215 zwar noch immer die meisten Automaten in der Stadt, aber die anderen Firmen holen auf. IC Cash Services zum Beispiel hatte vor zehn Jahren fünf Automaten in München. Mittlerweile sind es 160. Wenn man die Automaten von IC Cash Services und Euronet zusammenzählt, haben die Unternehmen die Bank also schon lange überholt, die anderen Automaten-Firmen noch nicht einmal mit einberechnet.

Schaut man in andere Städte, denkt man dort bereits darüber nach, die Zahl der Automaten in der Innenstadt zu begrenzen, in Amsterdam zumindest hat man Euronet im Visier. Denn die Bankautomaten richteten sich vor allem an Touristen, hieß es aus dem Bezirksrat - und würden nicht zur Lebensqualität in der Stadt beitragen.

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