Prozess am Landgericht MünchenBankangestellte gesteht Diebstahl – aber wo ist das Geld?

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Die Schilderung des vermeintlichen Überfalls auf die Genossenschaftsbank in Obermenzing präsentierte sich den Ermittlern schnell als widersprüchlich.
Die Schilderung des vermeintlichen Überfalls auf die Genossenschaftsbank in Obermenzing präsentierte sich den Ermittlern schnell als widersprüchlich. Robert Haas

Schlimme familiäre Verhältnisse, Mobbing und Schulden nennt die heute 23-jährige Maria P. als Grund für den Raub und den vorgetäuschten Überfall im Tresorraum der Genossenschaftsbank. Zu Prozessbeginn bringt sie einen großen Unbekannten ins Spiel.

Von Susi Wimmer

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Die Stimme leise wispernd, ein Gesicht wie eine Heiligenfigur, dazu noch Geschichten von einer schlimmen Jugend und Mobbing am Arbeitsplatz: Muss man Mitleid haben mit der 23 Jahre alten Maria P.? Der jungen Frau, die gleich zu Prozessbeginn vor dem Landgericht München I einräumt, dass sie als Bankangestellte aus der Filiale der Genossenschaftsbank am Rüttenauerplatz vergangenes Jahr fast eine halbe Million Euro aus dem Tresor gestohlen hat?

Ein „unbekannter Mann“, so sagt ihr Anwalt Santosh Gupta, habe mit ihr die Tat geplant und den Großteil des Geldes, nämlich 360 000 Euro für sich behalten, sie selbst habe nur 100 000 Euro bekommen. Maria P. blickt nicht nach rechts. Dort sitzt ihr Freund, oder Ex-Freund. Er ist angeklagt, weil man bei ihm 80 000 Euro aus der Beute fand.

Es war der frühe Morgen des 25. Oktober 2024, als ein Großaufgebot an Polizei zu der Bank in Obermenzing ausrückte, sofort eine Fahndung einleitete – und man tatsächlich zwei Männer festnahm. Zuvor hatte die Bankangestellte Maria P. im Schließfachraum der Bank den Alarmknopf gedrückt.

Den Polizisten erzählte die junge Frau, ein unbekannter Täter habe sie mit Gewalt und mit einem auf sie gerichteten, metallischen Gegenstand in der Hand gezwungen, in den Tresorraum zu gehen und ihm Geld auszuhändigen, so steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Sie selbst sei an der Hand leicht verletzt worden. Noch am vermeintlichen Tatort gab Maria P. eine Personenbeschreibung ab – und fatalerweise entdeckten Erstzugriffsbeamte zwei Personen, auf die diese Beschreibung passte. Sie fesselten die Männer und brachten sie zur Inspektion.

Allerdings ergaben sich bei den polizeilichen Ermittlungen Auffälligkeiten und Widersprüche in der Aussage der Bankangestellten. Wie die Polizei damals in einer Pressekonferenz erklärte, passte etwa die Handverletzung nicht zu dem Tatgeschehen, das Maria P. geschildert hatte. Man konnte nicht nachvollziehen, wie der Täter vor Beginn der Banköffnung in die Räume hätte kommen sollen. Und nicht zuletzt sei der Unbekannte auf den Bildern der Überwachungskameras nicht zu sehen gewesen. Kameras, die so ausgerichtet sind, dass sich niemand unbemerkt in der Bank bewegen kann.

Zwei Wochen nach dem angeblichen Überfall wurde Maria P. festgenommen. Die Polizei durchsuchte im Anschluss das Zimmer ihres damaligen Freundes Mahmud M. und fand 80 000 Euro, versteckt zwischen Matratzenüberzug und Matratzenfüllung. Da der 20-Jährige ihr beim Verstecken der Beute geholfen haben soll, ist er wegen Begünstigung angeklagt.

Wobei es nicht das erste Mal war, dass die beiden „zusammengearbeitet“ hatten: Gut einen Monat zuvor war Mahmud M. mit dem Reisepass seiner Oma in der Bankfiliale erschienen und hatte auf ihren Namen ein Konto eröffnet. Die Oma hatte keine regelmäßigen Gehaltseingänge vorzuweisen, und auch der Schufa-Score ließ zu wünschen übrig. Trotzdem schaffte es Maria P. mithilfe einer Kollegin, auf Konto und Kreditkarte einen Kreditrahmen von 11 000 Euro zu buchen. 10 500 Euro hob das Duo dann ab, weil sich Mahmud M. ein Auto kaufen wollte, so sieht es die Staatsanwaltschaft.

Autos scheinen auch bei dem „unbekannten Täter“ und der Clique eine Rolle zu spielen, in die Maria P. offenkundig abgerutscht war. Daheim habe häusliche Gewalt eine Rolle gespielt, flüstert sie. Die Eltern hätten sich scheiden lassen, die Mutter habe sich nicht um die vier Kinder gekümmert und sie alleine gelassen. In der Bank sei sie wegen ihres Übergewichts gemobbt worden: „Machen Sie Sport, ziehen Sie dunkle Sachen an, das kaschiert“, soll ihre Vorgesetzte ihr gesagt haben. Und wenn nicht alles richtig gelaufen sei, sei sie beschimpft worden: „Wie asozial kann man denn sein!“, berichtet Maria P.

In der Bankfiliale sei sie überfordert gewesen

Teilweise sei sie ganz alleine in der Bankfiliale gestanden – und völlig überfordert gewesen. „Die Automaten müssen laufen, der Schalterverkehr, die ganzen E-Mails“, zählt sie auf. Sie sei „extrem belastet“ gewesen. Aufgrund der anhaltenden Bemerkungen über ihr Gewicht habe sie sich einer Magenverkleinerung unterzogen.

Und dann eben diese dubiosen Kreise, in die Maria P. abgerutscht sein soll. Kreise, die teilweise auch eine Schnittmenge bilden mit den Kreisen, in denen sich ihr vorbestrafter Freund Mahmud M. aufhielt. Sie habe einen Kredit in Höhe von fast 30 000 Euro bei ihrer Bank aufgenommen, unter anderem um die Spielsucht ihres Freundes zu finanzieren und um ihre Schulden zu bezahlen, sagt die 23-Jährige. Schulden wegen diverser Einkäufe wie Möbel – und wegen des permanenten Anmietens von Autos, wie ein Richter ihren Kontoauszügen entnimmt. Autos, die wohl auch in diesem „Kreis von vielen Jungs“, wie Anwalt Gupta sagt, benutzt wurden.

Den Namen des großen Unbekannten will Maria P. nicht nennen, „sie hat Angst, ins Detail zu gehen“, meint ihr Anwalt. „Sie sollen vor der Tat mit dem Mitangeklagten Mahmud M. im Tresorraum der Bank gewesen sein?“, fragt ein Richter nach. Dazu will sich Maria P. nicht äußern.

Über seinen Verteidiger Matthias Bohn räumt Mahmud M. das Verstecken des Geldes ein. Der 20-Jährige ist vorbestraft, zuletzt hat er mit einer Bande mehrere Einbrüche verübt und hat mit seinen Komplizen einen Schaden in Höhe von 34 000 Euro gutzumachen.

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