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Bandenkriminalität:Wie die Suche nach den Juwelenräubern von Harlaching läuft

Nach dem Raubüberfall auf den Juwelier F.C. Bauer in der Peter-Auzinger-Straße in Harlaching läuft die Suche nach den Tätern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Polizei untersucht auffällige Parallelen zu einem Überfall im Allgäu.

Von Martin Bernstein

Die Münchner Kriminalpolizei prüft derzeit, ob die Harlachinger Juwelen-Räuber auch für Überfälle nach demselben Muster verantwortlich sein könnten - oder ob es andere Zusammenhänge gibt. Um den Überfall, bei dem sieben Menschen leicht verletzt wurden, kümmert sich inzwischen das für Bandenkriminalität zuständige Kommissariat 34 des Münchner Polizeipräsidiums.

Dass nämlich junge Menschen (die Täter am Mittwoch in der Peter-Auzinger-Straße sollen zwischen 16 und 25 Jahre alt gewesen sein) in ein Juweliergeschäft stürmen, dort mit Pfefferspray Angestellte und Kunden schachmatt setzen, dann mit mitgebrachten Hämmern gezielt Vitrinen einschlagen und mit ihrer Beute - meist teuren Uhren - zu Fuß türmen, ist kein Einzelfall.

Zuletzt häuften sich deutschlandweit derartige Vorfälle. Ein Raubüberfall Anfang März im Allgäu lief exakt nach dem Muster des Angriffs auf das Harlachinger Juweliergeschäft von Franz C. Bauer ab.

Nach Angaben aus dem Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten stürmten am 1. März vier der Beschreibung nach eher junge Täter in ein Juweliergeschäft in Oberstdorf. Sofort attackierten sie einen 36-jährigen Angestellten mit Pfefferspray und bedrohten ihn mit einer schwarzen Pistole. Genauso gingen die fünf Täter am Mittwoch in Harlaching vor. Die Räuber im Oberallgäu schlugen eine Vitrine ein, stahlen 34 hochwertige Uhren im Wert von mehr als 100 000 Euro und flüchteten zu Fuß in verschiedene Richtungen.

Auch die Münchner Täter waren zu Fuß geflüchtet - möglicherweise zu einem um die Ecke geparkten Fluchtfahrzeug. Von der Polizei eingesetzte Spürhunde lotsten die Ermittler zu einer Anwohnerin, die nach eigenen Angaben beobachtet hatte, wie mehrere Männer in ein Auto gestiegen und davongefahren seien. Dann verlor sich am Mittwoch die Spur der Harlachinger Räuber. Eine sofort eingeleitete Großfahndung, bei der auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam, blieb zunächst erfolglos.

Die Münchner Experten für Bandenkriminalität führen derzeit umfangreiche Ermittlungen durch. Sie seien deutschland- und europaweit vernetzt, sagte am Freitag ein Polizeisprecher. Das wird im Harlachinger Fall wohl auch nötig sein. Denn ähnliche Überfälle ereigneten sich in jüngster Zeit auch in Aschaffenburg, Ahlen oder Köln.

Vor gut einem Jahr versuchten mehrere Täter einen ähnlich aufgezogenen Überfall auf ein Schmuckgeschäft nahe dem Münchner Viktualienmarkt. Der Überfall scheiterte jedoch am Widerstand des Ladeninhabers. Zwei der Räuber wurden geschnappt. Sie berichteten bei ihrem Strafprozess im Februar dieses Jahres von serbischen Hintermännern, von denen sie nach Deutschland geschickt worden seien.

Das Gericht stieß auf mafiöse Strukturen und auf Kredithaie, die ihre Opfer zu Raubüberfällen in Deutschland zwingen. Zwei jüngst in anderen Städten gefasste Täter ähnlicher Überfälle kamen dagegen aus Litauen, einer von ihnen sprach nach Medienberichten auch von Hintermännern in dem baltischen Staat.

Ein merkwürdiges Detail des Harlachinger Raubüberfalls ist jedoch einzigartig: Im verwüsteten Laden von Franz Bauer ließen die fünf jungen Räuber einen schwarzen Basketball mit orangenfarbenen Streifen zurück. Nicht nur die Polizei rätselt, ob das der Unerfahrenheit der Täter zuzuschreiben ist - oder ob sie im Gegenteil so etwas wie eine Visitenkarte hinterlassen wollten.

© SZ vom 08.04.2017/sekr
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