Band-Karriere "Wir wollen mehr"

Von der Schulbühne in die Clubs der Stadt: Vor zwei Jahren haben die Musiker von "The Living" von Konzerten in München nur geträumt - jetzt gehören sie zur Szene und spielen in ausverkauften Hallen. Hier erzählen sie ihre Geschichte.

Von Katharina Würzberg

Wir stehen - die Arme umeinander gelegt wie eine Fußballmannschaft - im Kreis und atmen gemeinsam tief durch. Von draußen dringt ein gespanntes Knistern zu uns ins Backstage. Die Kranhalle ist voll. Ausverkauft. Und was noch viel unwirklicher erscheint: Es ist unser EP-Release-Konzert. Alle Leute, die sich vor die Bühne drängen, sind wegen uns gekommen und halten ein Ticket in der Hand, auf dem in großen Lettern The Living geschrieben steht. Hätte uns jemand vor zwei Jahren, als wir verstohlen in die Kranhalle lugten, gesagt, dass wir einmal an genau dieser Stelle stehen würden, hätten wir wohl nur verträumt in die Leere geschaut. Dabei hatte damals nur einen Raum weiter, im Hansa 39, alles seinen Anfang genommen. Wie für viele andere junge Bands war der Sprungbrett-Wettbewerb des Feierwerks für uns ein tatsächliches Sprungbrett in die Münchner Musikszene.

Wir kommen aus einem kleinen Ort mit 2000 Einwohnern im Landkreis Erding. Man kannte uns in der Nachbarschaft, in der Schule und vielleicht ein bisschen in der Szene des Jugendzentrums Erding. München als Ort, um ein Konzert zu geben, erschien zu dieser Zeit in weiter Ferne.

Unser erster Auftritt beim Sprungbrett-Wettbewerb war gleichzeitig unser erstes Konzert in München überhaupt. Als wir am Ende schließlich zur "Münchner Band des Jahres 2014" gekürt wurden, gewannen wir mehr als einen Titel. Wir gewannen Erfahrungen, Wissen, Kontakte und Freundschaften mit anderen Bands - eine musikalische Zukunftsperspektive. Wir schnupperten am Erfolg und an der Münchner Bühnenluft und wollten mehr.

Der Sprungbrett-Wettbewerb beinhaltet auch Workshops im Feierwerk. Hier gab man uns als einer mit dem Musikbusiness wenig vertrauten Band viele Tipps an die Hand - von Marketing über Booking bis zur Bühnenperformance waren alle Themen vertreten. Die Kurse trugen rückblickend wesentlich zur Professionalisierung sowohl unserer Einstellung als auch unseres Auftretens bei.

Die Fachstelle Pop des Feierwerks stellte insgesamt einen unserer größten - wenn auch meist indirekten - Unterstützer der Anfangszeit dar. Auch nach Ende der Sprungbrett-Zeit war sie bei Fragen aller Art unsere erste Anlaufstelle und konnte uns immer weiterhelfen. Sie schlug uns schließlich auch als Teilnehmer des bayerischen Förderprojekts BY-on für junge Bands vor, durch das wir seitdem unterstützt werden.

Mit dem Gewinn des Sprungbrett-Wettbewerbs alleine hatten wir als Band jedoch noch lange keinen festen Namen in München. Wie jede Band in ihrem Anfangsstadium spielten wir bei jeder erdenklichen Gelegenheit, vor unterschiedlichstem Publikum, bei jeglichen Veranstaltungen. Von Konzerten in Jugendzentren im Umland über Benefizkonzerte, kleine Akustik-Bar-Konzerte hin zum Theatron-Musiksommer vor 2000 Menschen. Irgendwo im Publikum waren meistens Leute, denen unsere Musik gefiel.

Im Idealfall hatte ein kleiner Teil dieser Leute dann wirklich etwas mit der Münchner Musikszene zu tun. So kam es dazu, dass wir schließlich auch gefragt wurden, ob wir Lust hätten, in namhafteren Münchner Clubs, bei etablierteren Konzertreihen oder mit - auch international - bekannteren Bands zu spielen. Gleichzeitig bewarben wir uns bei unzähligen lokalen Festivals oder stellten mit befreundeten Bands selbst Konzerte auf die Beine.

Wir steckten - und stecken bis heute - nicht nur viel Arbeit in unsere Musik, sondern auch in unsere Organisation und sind froh, dass wir in dieser Hinsicht bis jetzt immer weitgehend selbstständig und unabhängig geblieben sind. Neben der offiziellen Förderung und Hilfe durch das Projekt BY-on oder das Feierwerk halfen uns vor allem der Kontakt und die Freundschaft zu anderen Münchner Bands und Musikern enorm weiter.

Als der Applaus am Ende unseres Release-Konzerts im April dieses Jahres aufbrandet, läuft uns ein Schauer den Rücken hinunter. Wir stehen Arm in Arm am vorderen Rand der Bühne und verbeugen uns. Leuchtende Gesichter strahlen uns entgegen. Bekannte Gesichter und unbekannte Gesichter. In solchen Momenten zahlen sich all die aufgebrachte Geduld und all die Arbeit der vergangenen Jahre wieder aus.

Katharina Würzberg spielt Keyboard bei der Band "The Living".