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Band der Woche:Zweitgeist

Die Münchner Musiker Lukas Wolf und Jakob Autenriethm sind das Singer-Songwriter-Duo "Zweitgeist": Gefühlvoll, authentisch und zweistimmig mit zwei Akustikgitarren

Von Max Fluder

Unter einem Singer-Songwriter stellt man sich einen einsamen Musiker oder eine einsame Musikerin vor, die sich nur noch schnell die Gitarre schnappt, auf die Bühne springt und loslegt. Stichwort: allein. Singer-Songwriter-Duos sind seltener, zumindest weniger bekannt als Solo-Künstler. Wieso eigentlich? Lukas Wolf und Jakob Autenrieth, zwei Münchner Musiker, jedenfalls ordnen ihre Songs auch der Singer-Songwriter-Musik zu: Zweitgeist nennen sie sich und tragen den Duo-Part quasi schon im Namen . Und mit Verlaub: Ihrer Selbstzuordnung kann man nicht widersprechen.

(Foto: Dario Suppan)

Zumindest stellt sich der Eindruck ein, hört man ihre Musik. Die Songs, die Lukas und Jakob zusammen kreieren, haben etwas sehr Intimes, reflektieren Erlebtes und wecken Erinnerungen an so manche deutsche Singer-Songwriter der vergangenen Jahre, an Philipp Poisel zum Beispiel, dem Jakob auch gerne mal zuhört, wie er sagt - mit dem Unterschied, dass die Songs der beiden keine Monologe sind, sondern Aushandlungen zweier Menschen, die gemeinsame Erfahrungen verarbeiten. "Wir versuchen", sagt Jakob, "Dinge, die uns beschäftigen, auch von außen zu betrachten." Was damit gemeint ist? "Marathonlauf", ein eher schneller Song mit prägnanter Gitarre und scheppernden Becken, handelt etwa von einem universellen Thema: Rückschläge auf dem Weg zu einem persönlichen Ziel. "Viele kleine Zeilen" - ähnlich aufgebaut wie der erstgenannte Song, vielleicht ein bisschen dynamischer, betonter - thematisiert das Genießen des Moments, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Zweitgeist

Stil: Deutsch-Pop, Singer-Songwriter

Besetzung: Lukas Wolf, Jakob Autenrieth

Aus: München

Seit: 2018

Internet: https://zweitgeistmusik.de

Dass sie auf Deutsch singen würden, das war von Anfang an klar, sagt Jakob. Sie beide haben früher - wie wohl viele Musiker - Songs auf Englisch gecovert, sagt Jakob. "Aber die eigenen Songs auf Deutsch zu schreiben, ist noch einmal authentischer. Allerdings ist es schwerer, nicht plumpe oder kitschige Texte zu schreiben."

Ein Großteil von Lukas' und Jakobs Songs klingen aufmunternd. "Und selbst, wenn wir mal mit negativen Zeilen anfangen, versuchen wir, am Schluss auch immer etwas Positives einzubringen", sagt Lukas. Sie seien optimistisch, offen für Neues. Das hat sie vermutlich auch zusammengebracht: Im Dezember 2017 sind sie sich das erste Mal begegnet, bei einem Musikabend in einer Bar in Unterschleißheim. Es hat gepasst, kurze Zeit später saßen sie zusammen am Musizieren und Songschreiben. Beides Sachen, bei denen sie nach eigener Aussage sehr streng mit sich sind. Passt etwas nicht an der Musik oder an den Texten, fliegt es raus. Vor Kurzem haben sie ihr erstes Album herausgebracht; es heißt wie einer der Songs, "Viele kleine Zeilen". Konzerte mussten coronabedingt abgesagt werden. Etwas machen wollen sie trotzdem: Sie schauen sich gerade nach Kooperationen um. "Wir stehen in den Startlöchern", sagt Jakob.

© SZ vom 13.07.2020

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