Band der Woche Where we linger

Einladung zum Verweilen: Ein Duo aus München macht zarte und gleichzeitig starke Musik

Von Viktoria Molnar

Musik kann Gefühle wachrufen, echte Gefühle. Beim Hören kommen sie hoch und wirken noch lange nach. Musik, mit der man sich einfach ins Bett legen und nachdenken will. Über das Gute und über das Schlechte. Meist spürt man diese Empfindungen bei ruhigen Lieder. Je weniger beladen sie sind, desto mehr wirken die Worte und die Klänge. Musikminimalismus quasi. Angus and Julia Stone wären ein Beispiel dafür. Zwei Stimmen, zwei Gitarren und sofort fühlt man sich ihnen näher - und auch sich selbst. Mehr braucht es nicht.

Zwei junge Frauen aus München schaffen eine ähnliche Atmosphäre in ihren Liedern: Where we linger, Sarah Fischer, 23, und Céline Fournier, 23, ein Duo aus Klavier und Gesang. Sarah und Céline schaffen damit unglaublich zarte, aber auch starke Lieder. Sie klingen ein bisschen wie die ruhigere Florence and the Machine. Sarah kommt ursprünglich aus Leipzig und lebt seit 2014 in München. Céline ist am Münchner Stadtrand aufgewachsen, Fürstenried West. Kennengelernt haben die beiden sich im Sommer 2017. Seit September 2018 gibt es Where we linger. Der Name bedeutet so viel wie "Wo wir verweilen". Und genau das wollen sie mit ihrer Musik bewirken: Den Zuhörer zum Verweilen einladen, zum Abschalten und Entspannen. Der Bandname ist an einem Buch-stand entstanden: Sarah und Céline haben nach einem Namen für ihr Musikprojekt gesucht. Und dann ist Céline die Phrase in den Kopf gekommen, ganz intuitiv: Where we linger. "Musik ist ja auch etwas, in das man eintauchen kann und verweilen soll", sagt Céline.

Die Texte schreibt Sarah. "Das ist wie Therapie für mich. Ich rede nicht so gerne, also schreibe ich lieber", sagt sie. Das merkt man auch bei ihren Konzerten. Die Ansagen macht Céline, Sarah wirkt vollkommen versunken in ihre Musik. Das Texten ist ein Ventil, um ihre Gefühle zu verarbeiten und zu zeigen. Meist sind es die traurigen. "Ich finde es schön, dass ich jetzt auch den Schritt gehen kann, vor anderen Menschen zu singen, weil mir das immer sehr schwer gefallen ist. Es war aber eigentlich immer schon mein Traum." Mit dem Texteschreiben hat sie angefangen, als sie zwölf Jahre alt war. Sie schreibt am liebsten in Sinnbildern, "konkret werde ich eigentlich nie wirklich", sagt Sarah.

Auf die Texte komponiert Céline dann die Musik auf dem Klavier. Das spielt sie, seitdem sie neun Jahre alt ist. "Sarah zeigt mir ihre Texte und ich probiere dann aus, welche Harmonien passen könnten", sagt sie. Céline hat Musikwissenschaften studiert. Sehr theoretisch, sagt sie. "Deshalb war es relativ neu für mich, dass ich mir plötzlich frei und selbst Melodien ausdenken sollte". Die Stimme und die Melodie mit dem Klavier zu vereinen, fällt ihr aber trotzdem nicht schwer. Die Musik von Sarah und Céline bildet Kontraste. An manchen Stellen treibt das Klavier fast stakkatoartig an, dann schwillt es ab und schwebt leise vor sich hin, begleitet die Stimme von Sarah. Die Melancholie erfasst einen. Die Tonlage wechselt. Sarahs Stimme und das Klavier verweben sich zu einem Klangteppich. Die Musik ist traurig, aber auch entschlossen. Sie schwingt wie eine Welle. Man wird mitgerissen.

Aufnahmen haben sie noch keine gemacht, jetzt konzentrieren sie sich erst einmal auf weitere Auftritte. Céline und Sarah wollen Neues ausprobieren. "In Zukunft hätten wir Lust, neue Klangwelten zu erkunden, vielleicht mit Synthesizern, damit es vielschichtiger wird." Sie wollen Rhythmus einbauen, Elektronisches testen, aber auch Akustisches. Oder andere Instrumente, ein Vibrafon zum Beispiel. Aber vielleicht liegt der Zauber ihrer Musik genau darin, dass sie ihre Lieder nicht überladen. Dass sie sich zurückhalten und auf das Wesentliche konzentrieren: auf das Klavier und die Stimme.