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Band der Woche:Versacer

Die Band "Versacer" liegt mit ihrem textlichen Mix aus Englisch und Deutsch stilistisch bisher irgendwo zwischen "Bilderbuch" und dem Rapper "Yung Hurn". Nun versucht sich das Quartett am Disco-Schlager

Von Johanna Schmidt

"Out of the dark / Hörst du die Stimme, die dir sagt / Into the light." So lauten die ersten drei Zeilen von Falcos "Out of the dark". Warum der österreichische Sänger sich bei diesem Song dazu entschied, in zwei Sprachen zu singen, konnte man ihn nicht mehr fragen. Das Lied erschien im März 1998, etwa einen Monat nach seinem Tod. Auch das Dresdner Electro-Indie-Duo Ätna singt in seinem Song "Try" zweisprachig. Stellt man den beiden diese Frage - man kann es schließlich noch -, so antwortet Sängerin Inez in einem Interview, sie wolle mit ihrer Stimme möglichst verschiedene Klänge erzeugen. Und verschiedene Sprachen würden eben unterschiedlich klingen. Anders verhält es sich bei Bilderbuch. Die Band arbeitet mehr mit Anglizismen. So lesen sich die Lyrics der Band eher wie ein Twitter- oder Instagramfeed. Auch für die Band Versacer ist der Mix aus Englisch und Deutsch schon längst im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen. Deutlich wird das vor allem in ihrem Song "Ready to pair". Ein Satz, den viele fast täglich hören. Ertönt er doch immer, wenn man das Smartphone mit einer Box oder den Kopfhörern verbinden möchte. "Die Texte müssen einfach flowen", sagt Marlene Knobloch, 26, Sängerin und Keyborderin. Sie wollen nicht zu "verkopft" an Musik und Lyrics herangehen. Trotzdem wirkt ihr Sprachmix nicht wahllos, sondern konsequent.

Heraus kommen dabei dann Songs, die - wenn man sie einordnen möchte - wohl irgendwo zwischen Bilderbuch und Yung Hurn liegen. Momentan arbeiten die vier allerdings in eine ganz andere Richtung. Disco-Schlager soll es werden. "Das Genre ist uns egal. Viel wichtiger ist, dass wir alle die Musik fühlen," sagt Julian, Sänger und Gitarrist. Schon jetzt schaffen Versacer es, die Stimmung aufzulockern, sollten sie doch mal etwas kitschig klingen. Der Flow macht hier die Musik.

Bewusst oder unbewusst, die Band will Grenzen überwinden. So zumindest scheint es. Ob sprachlich, was Genres betrifft oder auch räumlich. Julian, Marlenes Bruder, ist mal in Berlin, mal in München anzutreffen. Bassist Lasse und Schlagzeuger Jeremias hingegen studieren Musik in Hannover. "Wir sind eine absolut zeitgenössische Band", sagt Marlene. "Überall und nirgendwo. Im Internet, in Berlin, Hannover und in München."

Die vier wollen aber, sobald es geht, den digitalen Raum verlassen. Endlich wieder Konzerte spielen. Auch mal real wieder zusammenfinden. Genug Songs dafür sind vorhanden, steht doch eigentlich schon ein komplettes Album. Wann genau, und wie es veröffentlicht wird, ist aber noch nicht sicher. Die Band ist im steten Wandel und so könnte es sein, dass vielleicht noch der ein oder andere Song dazu kommt oder wieder gestrichen wird. Hauptsache, es flowt.

© SZ vom 19.10.2020

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