Band der Woche Sofia Lainovic

Die Münchner Sängerin bringt ihre Zuhörer mit melancholischen Texten zum Nachdenken

Von Anastasia Trenkler

Man sagt, die Augen eines Menschen sind die Fenster zur Seele. Da würden einige romantische Dichter zustimmen, Musiker sind hiermit aber selten einverstanden. Für Lead-Sänger und Singer-Songwriter ist die Stimme ausschlaggebend. Ihr Klang ermöglicht den Zugang zur Persönlichkeit eines Menschen und kann zum künstlerischen Markenzeichen werden. Die verstorbene Amy Winehouse zum Beispiel blieb nicht nur wegen ihrer Beehive-Frisur in Erinnerung. Nachdem sie 2006 mit "Back to Black" ihren Durchbruch feierte, ist die rauchige und tiefe Stimme der Sängerin auch heute noch häufig im Radio zu hören. Auch die einst wegen ihrer extravaganten Outfits diskutierte Lady Gaga wurde zuletzt für ihren außergewöhnlichen Gesang gelobt. Im Film "A Star Is Born" spielt sie "Ally", eine aufstrebende Sängerin, die mit Hilfe ihres prominenten Partners, aber vor allem wegen ihrer besonderen Stimme, bekannt wird.

Auch die Münchner Sängerin Sofia Lainovic hat Potenzial, Karriere zu machen. Die 19-Jährige bringt ihre Zuhörer mit oft melancholischen Texten zum Nachdenken. Wegen ihres hippen Kleidungsstils fällt sie auf. Und schöne Augen hin oder her - was in Erinnerung bleibt, ist Sofias Stimme. Ihre Songs benötigen weder aufwendige Instrumentalisierung noch innovative Rhythmen. Der rauchige und tiefe Klang ihres Gesangs zieht das Publikum in seinen Bann. "Mir wird häufig gesagt, dass es einen großen Unterschied macht, ob man mich live bei einem Konzert hört oder auf Aufnahmen", sagt sie.

Trotz der vielen positiven Rückmeldungen, die Sofia bekommt, ist sie als Sängerin auf der Bühne meist noch etwas unsicher. "Die Ansagen zwischen den Songs fallen mir schwer. Aber vielleicht braucht das auch noch etwas Übung", sagt sie. Dabei sollte Sofia anderen Neueinsteigern einiges voraus haben in Sachen Bühnenerfahrung. Seit vier Jahren spielt sie Theater und tritt als Musical-Sängerin auf. "Eine Freundin hat mir damals vom Casting der Gärtnerplatz-Jugend erzählt. Da bin ich dann mit meiner Gitarre hin, habe einen meiner Songs gespielt und konnte überzeugen", erzählt Sofia. Als Schauspielerin ist es für sie kein Problem, auf der Bühne zu stehen. Wenn sie aber als Sängerin vor Publikum auftritt, ist sie weniger selbstbewusst. "Ich kann mich nicht hinter einer Rolle verstecken. Ich bin ganz und gar ich selbst. Das ist noch etwas ungewohnt", sagt sie.

Denn obwohl Sofia schon mit 13 Jahren anfing, Songs zu schreiben, hat die Karriere der jungen Sängerin gerade erst begonnen. Zu ihren wenigen Auftritten als Solo-Sängerin auf Münchner Bühnen gehört das Konzert des Singer-Songwriters Jakob Muehleisen in der Glockenbachwerkstatt im April. Auch spielte sie gemeinsam mit dem Kollektiv "Free Mind Monaco" bei einer Open-Stage im Bahnwärter Thiel. Ihre erste Single erschien im vergangenen Monat auf Spotify.

"Let the People Talk" entstand in Zusammenarbeit mit ihrer Managerin Denise Müller. "Das war eigentlich eine recht lustige Geschichte. Als ich noch zur Schule ging und im Chor sang, war Denise meine Mathelehrerin. Sie wollte mit mir gemeinsam einen Song aufnehmen und so habe ich dieses Lied geschrieben", sagt Sofia. Der Sound ist poppig, macht gute Laune. Der Songtext trägt eine positive und selbstsichere Nachricht. Ganz anders sind dagegen die Lieder, die Sofia auf You-Tube und Instagram postet. Songs wie "Blind", "Sunflower" oder "Mind" schaffen eine nachdenkliche Atmosphäre und sind weniger radiotauglich. "In diesen Songs sehe ich mehr von mir selbst. Trotzdem mag ich auch 'Let the People Talk' gerne. Ich glaube, das Lied spricht mehr Menschen an als meine anderen Sachen", sagt sie.

Das mag Geschmacksache sein. Doch ganz gleich, ob kommerziell und poppig oder persönlich und nachdenklich: Sofias Stimme überzeugt in beiden Fällen. Im Moment arbeitet die Sängerin gemeinsam mit dem Münchner Produzenten-Duo Sonic Rebels an ihrer ersten EP, die in diesem Jahr erscheinen soll. "Es wird eine Art Kompromiss zwischen dem Stil meiner ersten Single und meiner eher nachdenklichen Art", sagt Sofia.