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Band der Woche:Pepperella

Das Quintett komponiert zeitgenössische Popmusik

Der eine schießt sich selbst ins Weltall, die anderen besingen die Welt, die sich auf der dunklen Seite des Mondes befindet. Und die Dritten - etwas moderner - sind eigentlich Comicfiguren und sehen auch entsprechend aus. David Bowie und sein Alter Ego Ziggy Stardust, Pink Floyd mit "Dark Side of the Moon" und Damon Albarns erfundene Band Gorillaz sind in der Popgeschichte jedoch keine seltsamen Einzelfälle. Es passiert immer wieder, dass sich Künstler von ihrem eigenen Ich wegentwickeln und eine fiktionale Figur erschaffen, deren Geschichte dann den Inhalt ihrer Musik bildet. Auffällig ist dabei jedoch, wie viel öfter dieses Konzept in der großen und international ausgerichteten Popmusik vorkommt und wie selten im Underground. Das mag vielleicht daran liegen, dass bei Künstlern, die gerade erst beginnen, in der eigenen Szene Musik zu machen, noch eine romantische Vorstellung vom eigenen Empfinden als Ideenbringer für die Musik herrscht. Erst im Großen wird eine Inszenierung und im Extremfall eben auch eine Fiktionalisierung nötig.

Nicht so bei der Münchner Band Pepperella . Das Quintett, das zuletzt im Finale des Sprungbrettwettbewerbs stand und sich auf lokaler Ebene gerade einen Namen erspielt, baut inhaltlich auf Fiktion: Der Bandname Pepperella ist eine Hommage an Alucita Pepperella, die 1953 in einem Bergdorf über Neapel geboren sei und später als Prostituierte in Paris erstmals mit Jazz in Kontakt kommt. Später verschlägt es sie nach New York, mit einer dem Jazz versprochenen Seele und mit der Musik, die die Band Pepperella heute spielt. Eine schöne Geschichte.

"Wir möchten Neues aus Altem schaffen, Innovation aus der Nostalgie schöpfen. Deshalb hat die fiktive Pepperella auch das Gesicht meiner Oma in ihren Jugendjahren bekommen", erklärt Sängerin Victoria B., die von ihrem Nachnamen nur den ersten Buchstaben verraten will, "weil die Person auf der Bühne von meinem privaten Leben abgelöst sein soll", wie sie erklärt. Hier geschieht also im Indie-Bereich eine ganz bewusste Trennung zwischen Bühnenperson und Privatperson, die so weit reicht, dass für die Musik eine Geschichte erfunden wurde, um Inhalte zu schaffen, die über die subjektiven Befindlichkeiten der Musiker hinausgehen. Die Idee von Alucita schwebt über der Musik und verortet sie in ihrem eigenen fiktionalen und nostalgischen Kosmos.

Was das Quintett aber dann live spielt, kennt Hip-Hop genauso wie die Musik der Neunzigerjahre-Songwriterinnen und ist weit mehr als ein eindimensionaler Soundtrack für eine erfundene Geschichte. Und hier wird es spannend. Denn Pepperella ruhen sich nicht auf ihrer erfundenen Geschichte aus. 2016 veröffentlichten sie ihr erstes Album. Die Songs klingen nach groovend modernem Sommer-Pop, dem die Jazzwurzeln anzuhören sind. Hier wird jedoch kein Pastiche komponiert, sondern eigene und zeitgenössische Form der Popmusik. Der Umweg über die fiktive Alucita Pepperella erscheint so auch als Statement gegen die ungebrochene Selbstdarstellung in den sozialen Medien und Netzwerken. Wo sich Privatpersonen in einen Nimbus vermeintlicher Prominenz begeben, verzichten Pepperella als Band völlig auf das Private und schieben die Musik in den Vordergrund. "Wir wollen unsere Musik eigentlich nicht als Produkt verkaufen", sagen sie so auch. Wichtiger sei es unter einem "rein künstlerischen Aspekt zu operieren". So sollen "Vermarktungskonzepte aufgesprengt werden, einfach nur durch Gefühl und die Freude am Klang". Nachdem Pepperella eben dazu auch noch sehr gut gemachte und dennoch zugängliche Popmusik spielen, die keineswegs verkopft klingt, dürfte dieses Ziel durchaus erreichbar sein. Gerade arbeiten sie an einem zweiten Album.