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Band der Woche:Oliver Earnest

Der Bassist und Sänger der Post-Punk-Band "Kaufmann Frust" lässt sich in seinem Solo-Projekt von Conor Oberst inspirieren

Von Johanna Schmidt

"Down in the Past" von Mando Diao könnte man wohl als eine der großen Indie-Hymnen bezeichnen. Oder "Mr. Brightside" von den Killers - wie "Down in the Past" im Jahr 2004 erschienen. Indie war überall. Nicht nur musikalisch, auch in der Mode und bahnte sich mit Pete Doherty seinen Weg in den Mainstream und verschwand langsam wieder - wenn auch nie komplett. Andere Genres traten in den Vordergrund und Musik wurde entweder experimenteller oder chartiger.

Aber vielleicht ist 2021 das Jahr, in dem Indie zurückkommt. Vielleicht werden nach Monaten von Pandemie und Lockdown wieder sanftere Töne angeschlagen.

Mit seinem Soloprojekt Oliver Earnest ist auch die Musik von Oliver Hauber seit 2019 ruhiger geworden. Der Bassist und Sänger der Post-Punk-Band Kaufmann Frust singt mittlerweile auf Englisch, der Sprache, mit der er aufgewachsen ist. "Im Englischen kann ich mich textlich einfach besser ausdrücken," sagt er. Und so klingen seine eigenen Songs weniger nach Die Nerven und mehr nach Gordon Lightfoot. Den hört man vor allem im Song "Passing By" raus. Aber auch Bands wie Frightend Rabbit oder Get Well Soon kommen einem beim Hören der Songs in den Sinn. Für Oliver selbst ist aber vor allem der US-amerikanische Musiker Conor Oberst immer wieder eine zentrale Figur der Inspiration.

Ruhig und bedacht verarbeitet Oliver in seiner Musik vor allem Themen, die sich um mentale Gesundheit drehen. Mal die eigene, mal die, die er um sich herum beobachtet. Dabei sind die Songs aber nicht von Pathos getränkt, sondern öffnen den Zuhörenden Raum, sich selbst darin zu finden. Ab und zu auch durch Selbstironie und Witz. Wie in dem Song "Cancel Therapy", in dem er singt: "If people talk through your songs, It must mean they're shit."

"Cancel Therapy" ist dabei einer von zehn Songs aus seinem Album "The Water goes the Other Way", das im besten Fall noch in diesem Jahr erscheinen soll. Doch vorher will Oliver noch ein Label finden. Dass es ihm mit seiner Musik ernst ist, lässt sich auch im gewählten Namen des Soloprojekts erkennen. Ernst ist sein zweiter Vorname, und fügt man diesem ein "a" und ein zweites "e" hinzu, steht da "earnest", aufrichtig also. Ein Anspruch, den er vor allem an seine Texte hat.

© SZ vom 18.01.2021
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