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Band der Woche:Olivaer

Der junge Singer-Songerwriter Oliver Glardon alias Olivaer vertont mit entschleunigtem Akustik-Sound die Sehnsucht nach dem Meer.

Von Amelie Völker

Wie klingt Sehnsucht nach Meer? Für Wellenreiter - und die müssen es ja eigentlich wissen - scheint die Antwort darauf entspannte Wohlfühlmusik zu sein, sprich: langsame Akustik-Gitarren mit einfühlsamen Texten. Auch der Münchner Singer-Songwriter "Olivaer", 26, der mit richtigem Namen Oliver Glardon heißt, surft.

Oliver hat ein Auslandsemester in Sydney verbracht. Das hat nicht nur seine Surfleidenschaft, sondern auch seinen Musikgeschmack geprägt. "Meistens hängt es zusammen: Jemand, der surft, spielt abends noch ein bisschen Gitarre", sagt er. "Es geht um das Gefühl, draußen zu sein, unterwegs zu sein. Alles ist etwas entspannter, entschleunigter. Das ist auf jeden Fall ein Gefühl, mit dem ich mich stark identifizieren kann."

Olivers Musikalität liegt in der Familie: Sein Vater ist Opernsänger. Oliver beginnt früh zu singen und Gitarre zu spielen. Doch erst während der Corona geschuldeten Auszeit widmet er sich einem lange gehegten Traum: der Aufnahme und Veröffentlichung von selbstproduzierter Musik. Anfang 2020 befand sich Oliver noch in einem Auslandsemester in Madrid. Ein nur kurz eingeplanter Aufenthalt zu Hause in München Ende März wird zum Dauerzustand. Sein Hausrat, inklusive Gitarre, blieb erst mal in Spanien zurück. Doch das hält ihn nicht auf, Musik zu machen. "Ich habe mir einfach kurzerhand eine Gitarre von einem Freund geliehen", sagt Oliver. Mit diesem Instrument macht er sich an sein Corona-Musik-Projekt. Zwei Songs hat er bis jetzt veröffentlicht, "A Morning at the Seaside" und "Aguaribay".

Für seine Musik findet Oliver selbst eine atmosphärische Beschreibung: "Ich wollte Musik machen, die man nachmittags draußen in einer chilligen Bar hören kann." Nach dem Release schickt ihm ein guter Freund ein Video aus dessen Bar auf Menorca, im Hintergrund hört man "A Morning at the Seaside". Für solche Vibes erscheint Olivers Musik wie gemacht. Seine Stimme liegt klangvoll und beruhigend über harmonischen Gitarrenklängen. Der Gesamtsound ist rund und trotz Simplizität erfrischend und voller kleiner Überraschungen. In seinem zweiten Song "Aguaribay" wechselt Oliver beispielsweise in der Mitte des Songs von Englisch auf Spanisch. Seit seiner Kindheit hat er einige Sommer in Andalusien verbracht, wo seine Großeltern ein Haus in den Bergen haben. Das Haus ist nach einem Baum namens "Aguaribay" - zu Deutsch: Pfefferbaum - benannt. Die Atmosphäre dieses fernen Sehnsuchtsort schwingt auch im Song mit. Oliver sagt: "Das Leben dort ist ganz anders als das normale Stadtleben, ruhiger, entspannter und stiller. Diese Erinnerungen haben mich zu diesem Lied inspiriert." Sehnsucht nach Meer klang selten nachvollziehbarer.

© SZ vom 14.09.2020
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