Band der Woche:Es gibt mehr als das Ego

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Band der Woche: Als Can Tulay mit 20 Jahren seinen ersten Song aufnahm, ließ er seine Musik den ganzen Tag über laut laufen. "Ich lag dann an der Isar und dachte mir: Das ist das, was ich machen muss", sagt er.

Als Can Tulay mit 20 Jahren seinen ersten Song aufnahm, ließ er seine Musik den ganzen Tag über laut laufen. "Ich lag dann an der Isar und dachte mir: Das ist das, was ich machen muss", sagt er.

(Foto: Jonas Deimann)

Er schreibt seine Songs in der Badewanne und träumt davon, der nächste Superstar zu werden. Der aus Giesing stammende Notorious Nasty geht gegen den Strom der Rap-Szene - und ist trotzdem erfolgreich.

Von Lisa Miethke

Doch, es gibt Menschen, die legen sich schon morgens in die Badewanne. Zünden sich zwei, drei Kerzen an. Und genießen die Wärme. Angesichts der derzeitigen Energiepreise ist das zwar weder empfehlenswert noch besonders Wasser sparend. Doch für den Künstler Notorious Nasty, bürgerlich Can Tulay, ist dieses Ritual unerlässlich für seine Musik. "Ich schreibe alle meine Songs in der Badewanne", sagt der 24-Jährige. "Da habe ich die Intimität, die ich nur mit mir selbst haben kann."

Notorious Nasty, der ursprünglich aus derselben Trap-Szene kommt wie schon der TikTok-Erfolgsrapper t-low, macht heute Musik, die er als "Drill-House-Future-Pop" bezeichnet. Wer sich darunter erst einmal nichts vorstellen kann: Tanzbare Musik, bei der sich eingängige, poppige Hooks - teils gerappt, teils gesungen - über Techno-Beats legen. "Es ist alles sehr atmosphärisch, einfach ein Vibe", sagt Can. Mit dem Rapper "t-low" teilt er sogar das gleiche Tattoo: "Keine Liebe" ist auf seinen Hals gestochen, der Name des Songs, den sie gemeinsam veröffentlicht haben. Einerseits also musikalisch tief verwurzelt im Trap, distanziert sich Notorious Nasty andererseits von der Szene: Zu oft ginge es ihm dort um Drogen und Geld, um die reine Selbstdarstellung. "Ich schwimme nicht mit irgendeinem Strom mit, nur, weil ich jetzt ein krasser Rapper sein möchte", sagt Can. Und kritisiert: "Das Ego ist sehr überladen in der Musikindustrie."

Can wuchs in Giesing auf. In einfachen Verhältnissen, wie er selbst sagt, das lasse ihn bis heute bodenständig bleiben. Sein Vater habe früher am Esstisch getrommelt, mit diesem Taktgefühl sei er großgeworden. Als er mit 20 Jahren seinen ersten Song aufnahm, lief Can mit einem Gettoblaster durch die Münchner Innenstadt, ließ seine Musik den ganzen Tag über laut laufen. "Ich lag dann an der Isar und dachte mir: Das ist das, was ich machen muss", sagt Can und grinst. Er träumte davon, der nächste große Superstar zu werden. Naiv, sagen die einen. Ehrgeizig, sagen die anderen. Wie man es auch sehen mag: Inzwischen konnte Notorious Nasty, mittlerweile nach Berlin umgezogen, einen Distributionsdeal bei Sony ergattern.

In seinen Texten redet sich Can "alles von der Seele", wie er sagt, verarbeitet positive Erlebnisse, Liebe, aber auch Schmerzen aus vergangenen Fehlern. In seinem Song "Wärst du hier" etwa spricht er über ein persönliches Liebestrauma: "Ich weiß noch immer, wie du sagst 'pass auf, wen du liebst' / ich schreie deinen Namen durch die Nacht und wünsch mir, du wärst hier."

Notorious Nasty

Besetzung: Can Tulay

Stil: Drill-House-Future-Pop

Aus: München

Seit: 2018

Instagram: instagram.com/notorious_nasty/

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