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Band der Woche:Konsequence

Das Duo Konsequence findet zurück zur alten Indie-Ästhetik

Von Rita Argauer

Der Indie-Begriff wurde in der jüngeren Vergangenheit arg strapaziert. Dass Indie von Independent, also unabhängig kommt, konnte man zu Beginn der 2010er-Jahre beinahe vergessen. Denn unabhängig war das neue Cool und die Werbeindustrie ist an nichts so sehr interessiert wie an Coolness. Also generierte sich der Indie-Style im PR-Style und das Unabhängige war plötzlich angepasst und alles war verdreht. Wo man sich da als eher unangepasster Jugendlicher verorten sollte, war dementsprechend wirr. Diese Erfahrung machte damals auch die junge Münchner Indie-Band Hello Gravity: Indie-Rock und ein farbenfroher Look. Aber besonders rebellisch wirkte das überhaupt nicht mehr. Eher ein bisschen streberhaft und sehr brav.

Aus diesem Image haben sich die beiden Hello-Gravity-Musiker und Brüder Tom und Mike Zitzelsberger nun befreit. Obwohl sie auf den Fotos ihres neuen Projekts Konsequence aussehen wie angehende Bankkaufmänner aus den Achtzigerjahren, die sich - ganz Generation Golf - im Auto aufmachen in ein schönes Wochenende. Aber wie gesagt, der Style ist verdreht und für die beiden Zitzelsberger-Brüder bedeutet die neue Band eine neue Freiheit: "Wir fühlen uns gerade richtig wohl", sagt Tom, "so wohl, dass wir wieder unsere eigenen Vocals verwenden. So wohl, dass wir nicht mehr für ein Publikum schreiben". Das höre sich banal an, habe sie aber viel Zeit gekostet.

Und wie hört sich dieses neue Dasein an? Ein flach klingender Drum-Computer verstärkt die Achtziger-Reminiszenz in der aktuellen Single "Emotional Distancing". Die Gitarre aber, warm, weich und leicht verzerrt, erinnert an gute alte Indie-Zeiten. Und singen können die beiden sowieso: Einschmeichelnd, aber mit dem kleinen inhaltlichen Bruch, dass in dem Song emotionale Distanzierung thematisiert wird. Der Weg dahin war weit. Nach dem Ende von Hello Gravity begannen die beiden Brüder schon bald unter dem Namen Konsequence Musik zu machen; da aber noch elektronischer und mit Gastsängern. Irgendwo zwischen Produzenten und Musiker haben sie sich positioniert. Mitten im Dunstkreis von King of Cons - auch einem ehemaligen Indie-Musiker, der mit seinem neuen Projekt das ehemalige Mainstream-Genre R'n'B aus einer strukturell und gedanklich unabhängigen Warte heraus anging. So gesehen sind Konsequence mit ihrer neuen Single einen Schritt zurück in Richtung Indie-Ästhetik gegangen. Der Umweg ist der Musik anzuhören. Er zeigt, dass hier auch gedanklich investiert wurde. Das wertet die Musik auf, gibt ihr eine spezielle Note. Und so richtig unabhängig haben sie auch erst einmal keine Pläne. Außer Songs zu schreiben. Und das ist doch etwas sehr Schönes.

© SZ vom 29.06.2020

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