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Band der Woche:Ind1go

Justin Strobl alias Ind1go hat bereits an vielen Orten gewohnt. Momentan gestaltet er die Deutschrap-Szene seiner Heimatstadt München mit

Von Lisa Miethke

Justin Strobl alias Ind1go hat bereits an vielen Orten gewohnt. München, Köln, Berlin, eine Zeit lang auch in Portugal, die Liste geht noch weiter. Ob er nun in seiner Heimatstadt München bleiben und die Deutschrap-Szene dort mit aufbauen will, darüber ist er sich noch im Unklaren. Zu oft sei es für ihn eine Ellenbogengesellschaft gewesen.

"Erst wenn die Numbers kommen, tun viele so, als wären sie schon immer da gewesen", sagt Justin. Die Klickzahlen, die Streamingerfolge. In München habe ihm keiner geholfen, dennoch verbindet er mit der Stadt auch viele schöne Erinnerungen, für ihn bedeutet sie Heimat. Die negativen Erfahrungen, etwa die oftmals fehlende Unterstützung, prägen ihn und seine Texte. "Die Hälfte von ihn'n fake, ich bleibe für mich selbst", heißt es etwa in seinem Song "Submariner", musikalisch wie privat ist Justin eher ein Alleingänger. "Das ist schon immer so gewesen", reflektiert er heute. "Ich bin ziemlich introvertiert, immer der Ruhigste im Raum."

Justin beginnt mit 15, eigene Musik zu machen, zunächst auf Englisch, dann auf Deutsch. Einige Jahre später veröffentlicht er 2018 seinen Song "Tic Tac" mit den Feature-Gästen Sierra Kidd und dem Salzburger Rapper Brown-Eyes White Boy. Für Justin ein Durchbruch, auf Spotify verzeichnet der Track heute viereinhalb Millionen Streams. Damals wird sein heutiger Manager auf ihn aufmerksam, er knüpfte den Kontakt zum Plattenlabel AEIOU, das mit Sony Music und ihrem Vertriebslabel Gold League kooperiert. Währenddessen studierte Justin in München noch Wirtschaftspsychologie, hätte sich, wie er im Nachhinein sagt, jedoch lieber nur auf die Musik konzentriert. Darin verpackt er seine Gefühle authentisch in Pop-Rap auf melodiösen Beats, eine gewisse Trap-Attitüde prägt seinen Sound. "Geflexe und Tiefgang", sagt Justin und lacht, das müsse beides mit rein. "Ich mag es, wenn man nur erahnen lässt, was eine Person schon im Leben durchgemacht hat", sagt er über seine Texte.

Auch außerhalb seiner Songs fällt seine Zurückhaltung auf. Wenn er von seiner Musik und seinen Erfahrungen spricht, redet er ruhig, wirkt in sich gekehrt, ab und an lächelt er bescheiden. "Vor Tic Tac waren meine Beats sehr benebelt", sagt Justin, das beschreibe sein Künstlernamen Ind1go, "für mich hat der Name außerdem etwas Mysteriöses."

Einen Plan B abseits der Musik gebe es nicht, "was anderes kann ich aber auch gar nicht", sagt Justin. In der Zukunft möchte er jemand sein, der abseits vom Mainstream existiert, sagt er, ähnlich wie Rapper Ufo361. Ob er dabei in München bleibt, das entscheidet er noch.

© SZ vom 12.04.2021/van
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