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Band der Woche:idreamt

Die Indie-Rock-Band existiert erst seit einem halben Jahr. Bald veröffentlicht sie ihre zweite Nummer - und ihr Sänger Matteo Germeno hat in seinem Handy 3000 Ideen für neue Stücke gespeichert

Die Liste von Münchner Musikern, die die Stadt verlassen haben, um an anderen Orten ihrer musikalischen Karriere nachzugehen, ist lang. Jesper Munk, der in München als Straßenmusiker begonnen hat, lebt mittlerweile in Berlin. Die gebürtige Münchner Rapperin Ebow hat es nach Wien verschlagen. Und dort werkelt auch Rey Lenon gerade an ihrem neuen Album, die 2018 von München ebenfalls nach Berlin gezogen ist, wo ja bereits Lisaholic, Marie Bothmer, Josie-Claire Bürkle von Claire oder Birte Hanusrichter von Young Chinese Dogs heimisch geworden sind.

Die junge Indie-Rock-Band idreamt hat es im Sommer erst einmal mal nach Südfrankreich verschlagen. Allerdings nur für zehn Tage. Zurückgekommen sind sie mit fünf bis sechs neuen Songs im Gepäck - beim sechsten Song ist man sich noch nicht ganz sicher, ob er noch einer Überarbeitung bedarf. Falls ja, steht den vier jungen Musikern der Produzent Johannes Saal, der auch schon das Album Wirewalker von Missincat produziert hat und dessen Studio sich eben in Südfrankreich befindet, mit Sicherheit wieder zur Seite. Denn die Zusammenarbeit hat offensichtlich funktioniert. Die erste veröffentlichte Single mit dem Namen "Polar Bear" erschien im November und wurde innerhalb kürzester Zeit schon 14 000 Mal gestreamt. Am 10. Januar soll der zweite Song veröffentlicht werden.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Band scheint auch gut zu funktionieren. Dabei gibt es sie in der jetzigen Konstellation erst seit Mitte des Jahres. Sänger Matteo Germeno und Lorenz Amesbichler, der Drummer, haben sich 2017 über eine Bandaudition kennengelernt. In diesem Jahr stießen Camillo Marek am Bass und Samuel Baur an der Gitarre hinzu. Und obwohl die Band noch so jung ist - übrigens in doppelter Hinsicht, sind doch alle Mitglieder zwischen 18 und 19 Jahre alt - waren sie dieses Jahr auch konzerttechnisch schon extrem fleißig. Gespielt haben sie bereits beim Emergenza-Bandwettbewerb, sind dort gleich mal ins Finale eingezogen, beim Theatron Musiksommer oder auch im Folks-Club. Begleitet wurden und werden idreamt dabei von einer "sehr treuen und loyalen Friendbase", wie die Musiker berichten. Zunehmend seien aber auch fremde Gesichter im Publikum zu sehen, was sie mindestens genau so freue. idreamt träumen aber auch davon, nicht nur in München zu spielen: Vielleicht als Support-Act eine andere Band auf Tour durch Deutschland begleiten oder auch mal in Wien spielen. Denn und darin sind sich alle vier einig: "Studium und Co. sind nur Plan B."

Das Material für weitere Songs wird ihnen dabei wahrscheinlich nicht so schnell ausgehen. Hat doch Sänger Matteo laut eigenen Aussagen mehr als 3000 Memos für neue Stücke in seinem Smartphone abgespeichert. "Er ist einfach der kreativste Mensch, den ich kenne," sagt Lorenz über ihn. Zwar kann es schon mal bis zu drei Monaten dauern, bis ein Song ausgereift ist. Dann arbeiten aber alle gemeinsam daran weiter und bringen eigene musikalische Einflüsse ein. Das reicht von Achtzigerjahre-Pop über Post-Rock und und Indie bis zu Post-Metal. Oder auch Austro-Pop - ist doch Wanda die meist gehörte Band von Gitarrist Samuel.

Diese Varianz lässt sich auch bei "Polar Bear" erkennen. Der Song baut sich langsam auf. Schlagzeug und Gitarre, dann der Einsatz vom Bass und noch ein bisschen später die markante Stimme von Matteo, die immer höher wird und ihren Höhepunkt im Chorus erreicht. Dabei singt er von Liebe. Allerdings nicht von Trennungsschmerz oder Schmetterlingen im Bauch. Eher von Eisbären im Zoo, die man sehen, aber nicht berühren kann. Liebe in Gedanken also.

Am 9. Januar spielen idreamt im Folks Club und am 17. Januar in der Milla.

© SZ vom 23.12.2019
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