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Band der Woche:Floating Nutshells

Ihre Musik könnte auch aus Großbritannien stammen. Müsste man sie einem Genre zuordnen, wäre das wohl Modern-Rock

Dass Milky Chance, das Elektro-Pop-Duo aus Kassel, eine deutsche Band ist, verwundert in den USA immer noch den ein oder anderen Fan. Songs wie "Stolen Dance" klingen leicht und fröhlich und nach Sommer. Das scheinen nicht unbedingt Attribute zu sein, die man mit der deutschen Mentalität verbindet. Obwohl es sich bei Musiker und Produzent BLVTH um ein anderes Genre, nämlich irgendwas zwischen Trap, Hardcore und Grunge, handelt, könnte man auch da auf die Idee kommen, er sei in den USA zu Hause und säße öfter mal mit Post Malone im Studio. Ilgen-Nur erinnert mit ihren verträumten, aber doch kräftigen Songs an die australische Singer/Songwriterin Courtney Barnett.

Floating Nutshells, die ihre Musik, wenn sie sie einem Genre zuordnen müssten, am ehesten Modern-Rock nennen würden, machen Musik, die so auch aus Großbritannien kommen könnte. Genau daher kommen auch ihre Einflüsse. Von englischen Bands wie The Amazones, Foals und the Pale White.

Die Floating Nutshells gibt es in der jetzigen Konstellation erst seit September 2019, nachdem 2018 erst Bassist Elham Mulahzadah und im Jahr darauf Gitarrist Sebastian Reichl dazukamen. Den ersten Gig in dieser Konstellation spielten sie in der Glockenbachwerkstatt. Doch auch generell ist die Band noch jung. Gegründet wurde sie 2018 von Sänger und Gitarrist Ferdinand Sinner und Schlagzeuger Leon Schaller, die sich bereits seit der Schulzeit kennen und seit etwa 2014 gemeinsam Musik machen. Anfangs hauptsächlich Cover. Irgendwann reichte das den beiden aber nicht mehr. Mittlerweile hat die Band zwei EPs veröffentlicht.

Die Songs hat Ferdinand geschrieben, kam damit zu seinen Bandkollegen und man hat sie gemeinsam ausgearbeitet. Teilweise sind es aber auch Songs, die Ferdinand schon vorher fertiggestellt hatte, und die mit der Band nur noch produziert worden sind. An der zweiten EP war Jakob Arnu von Samt als Sound-Engineer beteiligt. Am 26. März soll dann die nächste Single erscheinen. Wie sie heißen soll, will die Band noch nicht verraten. Was aber feststeht ist, dass sich seit der letzten EP auch die Art und Weise geändert hat, wie die Songs entstehen - mittlerweile viel mehr als Gemeinschaftsprojekt im Proberaum. Mit der festen Besetzung kommt Ruhe rein, man kann gemeinsam diskutieren, beeinflusst sich gegenseitig.

Generell scheint sich die Band gerade zu professionalisieren. Geprobt wird jetzt mindestens einmal die Woche in einem Proberaum in Neuhausen, und nicht wie vorher in Ferdinands Wohnzimmer. Das dürfte die Nachbarn mindestens genauso freuen wie die Katze, die sich schon mal zum Schlafen das Innere der Bassdrum ausgesucht hat und beim Proben dann eher unsanft geweckt wurde. Und so hat sich jetzt der Proberaum zum Wohnzimmer entwickelt. Hier wird geprobt, an Songs gefeilt, aber auch geredet: über Musik, kommende Gigs und manchmal auch über Schlagersänger Michael Wendler - ein Running Gag der vier Musiker.

Nach der Veröffentlichung der neuen Singles wollen die vier Musiker gerne auf Tour gehen, auch außerhalb von München. Vielleicht als Support für die Münchner Band Blackout Problems oder eben für das große Vorbild The Amazones, von denen alle vier Fans sind. "Uns ist klar, dass es schwierig ist, den Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen, aber ich bin davon überzeugt, dass man gehört wird, wenn man fleißig ist, probt, Songs veröffentlicht und das Ganze eben auch mit Leidenschaft tut", sagt Sänger Ferdinand.

Diese Leidenschaft ist in ihrer Musik zu spüren. Die Songs sind sehr gefühlvoll, manchmal mit schweren Texten, aufgefangen aber von leichten Gitarrenriffs. Dazu passt die Stimme von Ferdinand, die laut und leise kann und immer viel Kraft hat, eine Stimme, die die Songs trägt. Sehen und hören kann man die Band das nächste Mal bei den Zombie Sessions am 6. März im Feierwerk und am 9. April bei Munich Rocks im Ampere.

© SZ vom 02.03.2020
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