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Band der Woche:Fírn

Musik wie Schnee auf einem Gletscher: Sanfter Folk mischt sich bei diesem frisch gegründeten Trio mit Prog-Rock-Einflüssen

Ein Bandname ist wie ein Versprechen. Den perfekten Namen zu finden, ist daher meist kein leichtes Vorhaben. Er sollte einzigartig, klangvoll und gut zu merken sein - und idealerweise noch das repräsentieren, wofür die Band steht. Manchmal wirkt ein Bandname schräg oder ungewöhnlich. Erst später begreift man, dass der Titel verblüffend zutreffend ist.

Nehmen wir Fírn, eine relativ frisch gegründete Münchner Folk-Band. Was zunächst nach einer verschluckten Silbe klingt, erweist sich als idealer und prägnanter Bandname. Die Erklärung dahinter führt zurück in den Physikunterricht: Firn ist eine Schneeart, die aus den vergangenen Saisons übrig geblieben ist und in eine viel dichtere Substanz als Schnee umkristallisiert wurde. Als Zwischenzustand zwischen Schnee und Gletschereis befindet es sich oft unter dem Schnee auf einem Gletscher .

"In meinen Augen ist das ein Ort der Einsamkeit und Stille, an dem sich Musik entfalten kann, umgeben von Natur, an dem jeder Ton und jede Silbe eine viel intensivere Wirkung hat als an einem Ort, der von Informationen überflutet wird," sagt Sängerin Clea Charlotte von Ammon. "Fasziniert von diesem Phänomen des verwandelten Schnees, schien der Name der beste zu sein, den wir wählen konnten."

In der Tat lassen sich diese Eigenschaften in Fírns Musik entdecken: Passend zum Bandnamen heißt die erste veröffentlichte Single "antarctica". Der Song vermittelt durch seine langsamen Rhythmen, die repetitiven E-Gitarrenriffs und Cleas heller, klarer Stimme eine Art Ruhe, Entspanntheit und Harmonie. Schlagzeuger Konrad Gonschorek benennt die eigene Musik treffend als "Dreamfolk". Textlich erzählt "antarctica" von antarktischen Landschaften, von der Einsamkeit im Winter, aber auch darüber, wie es sich wohl anfühlen würde, der Erde zu entfliehen. Dem Song liegt eine Island-Reise von Clea zu Grunde. "Dort war ich viel in karger Natur unterwegs. Das hat mich zu diesem Song inspiriert", sagt Clea. "Ich schreibe gerne Lieder über Schnee und Eis, weil ich damit Stille, Klarheit und Freiheit assoziiere. Und das Gefühl, mal alles hinter sich lassen zu können." "Antarctica" nimmt den Zuhörer also textlich und musikalisch mit auf eine Reise in entfernte Welten.

Die erste gemeinsame EP "Goodnight, future boy!" soll noch dieses Jahr erscheinen. Inspiriert von Musikern wie Phoebe Bridgers und War on Drugs, kombiniert das Trio in seiner Musik einen sanften Folk- und Americana-Sound mit einem Hauch von Rock aus den Neunzigerjahren. Fírn klingt mal nach mildem Jazz, mal nach dynamischem Folk. Besonders besticht der Abwechslungsreichtum in den Songs. Schlagzeuger Konrad kommt etwa aus dem Progressive-Rock, diese Einflüsse sind nun in sanfter Form bei Fírn zu hören.

Auch Clea hat eine musikalische Vorgeschichte: Sie war mal Sängerin bei der Münchner Folk-Pop-Band Young Chinese Dogs. Nach ihrem dortigen Austritt begann sie eigene Songs zu schreiben und performte als Singer-Songwriterin unter dem Namen Clea Charlotte. Bereits während ihres Studiums machte sie gemeinsam mit dem Gitarristen Moritz Kunkel Musik. Mit Konrad am Schlagzeug wurde Fírn vergangenes Jahr vollständig. "Ich habe mich über die Jahre musikalisch, aber auch persönlich weiterentwickelt. Früher hatte ich schreckliches Lampenfieber, das ich erst überwinden musste", sagt Clea.

Bei Fírn ist Clea nun für die Lyrics und die Songkomposition zuständig, auch wenn sie selbst keine Noten lesen kann. "Bei mir ist das so ein bisschen eine Verweigerungshaltung. Ich könnte schon, wenn ich wollte. Aber ich arbeite dann doch lieber intuitiv", sagt sie. Für ihre Bandmitglieder stellt diese Begebenheit jedoch kein Hindernis dar. Im Gegenteil: "Ich glaube, unsere Musik würde nicht funktionieren, wenn Clea sich in dieses Korsett zwängen müsste," sagt Konrad.