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Band der Woche:Filip

Die vier jungen Münchner machen Deutsch-Pop mit detailverliebten Melodien. Ihre Lieder handeln von Selbstzweifeln und großen Weltproblemen

Von Laura Wiedemann

Die Halbzeit-Show ist beim Superbowl in den USA ein ähnlich wichtiges Ereignis wie das Footballspiel selbst. Eine große Bühne, unzählige Tänzer im Hintergrund und ein Feuerwerk zum Abschluss. Als die noch junge Deutsch-Pop Band Filip in der Mitte eines Volleyball-Spielfelds am Ammersee stand, sah das wohl weniger dramatisch aus. Eigentlich waren sie hergekommen, um gemeinsam zu proben. Für eine Woche hatten sie sich das Segelhaus nebenan gemietet. Doch Sänger und Gitarrist Philipp Riederer, 26, machte spontan noch einen Auftritt klar. "Das hat natürlich auch für Diskussionen gesorgt", sagt Schlagzeuger Fabian Merbeler, 26, "wir waren uns nicht sicher, ob das überhaupt klappt, den Song hatten wir die Tage davor zum ersten Mal zusammen geprobt." Am Ende ging alles gut. Die Halbzeitshow ein echter Erfolg. Und ein Erlebnis, dass sie als Band näher zusammengebracht hat.

Erst im Januar 2020 hatten sie das erste Mal in dieser Besetzung gemeinsam Musik gemacht. Davor war Philipp schon einige Jahre als Singer-Songwriter mit seiner Gitarre allein auf Münchens Bühnen unterwegs gewesen. Ab und zu holte er sich Verstärkung von einer Band. Fabian am Schlagzeug, René Rüddenklau, 26, am Bass. Als die drei zusammen auf dem Frequency Festival waren, lernten sie Gitarrist Daniel Sander, 29, kennen. Auch er macht schon lange Zeit Musik. Mittlerweile sind sie zu guten Freunden geworden, wie Daniel sagt: "Anfang des Jahres kannten wir uns noch nicht richtig, da war klar, wir müssen viel proben und uns so oft wie möglich sehen." Aus Philipps Texten, die oft noch aus seiner Solozeit stammten, wurden gemeinsame Songs. Zusammen machen Filip ehrlichen Deutsch-Pop, wie sie selbst sagen. Detailverliebte Melodien, melancholische Momente und Texte, die sich mit dem Lebensgefühl einer Generation zwischen Selbstzweifel und großen Weltproblemen befassen. "Für mich ging es im Songwriting erstmals um ein ernsteres Thema. Wie soll unsere Welt aussehen? Ich wollte damit einen Denkanstoß setzen", sagt Philipp über ihre erste Single "Bild".

Philipp hat auch als Singer-Songwriter schon auf Deutsch gesungen, für seine drei Bandkollegen war das noch eher ungewohnt. Auch ihr eigenes Hörverhalten mussten sie erst einmal ändern. Gemeinsam coverten sie Bruckner oder die Indie-Pop-Band Provinz und teilten Videos davon auf Instagram. Jetzt folgen eigene Songs. Ein Album ist im Frühjahr entstanden. Nur zu gerne würden Filip ihre neue Musik auch live präsentieren. "Ich finde, wir stechen auf jeden Fall durch unsere Performance und die Bühnenpräsenz heraus", sagt Philipp. Seine Bandkollegen stimmen ihm zu. So sei es auch im Sommer bei einem kleineren Auftritt gewesen: "Für den letzten Song bin ich zum Publikum, habe mit ihnen gesungen. Das sind besonders schöne Momente".

© SZ vom 07.12.2020
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