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Band der Woche:Empath

Die fünf machen Progressive Post-Core, eine weiterentwickelte Form aus Metalcore und Hardcore

Lieblingsbands sind meist etwas Persönliches. Manche Fans gehen dabei sehr weit und lassen sich das Logo oder eine Songzeile ihrer Lieblingsband tätowieren. Doch selbst unter Menschen, die großflächig tätowiert sind, ist dieses Thema umstritten, ist doch Musikgeschmack oft etwas sehr phasenabhängiges. Fast jeder hat schon erlebt, wie schnell ein Lieblingssong plötzlich totgehört ist oder das Album der Jugendband, für das man damals sein letztes Hemd verkauft hätte, im Regal verstaubt. Kurz: Es muss sich um wirkliche Leidenschaft handeln, sich eine vermeintliche Lieblingsband unter der Haut verewigen zu lassen. Wer würde da glauben, dass es Menschen gibt, die sich aus einer Laune heraus Logos einer völlig unbekannten Band tätowieren lassen?

Der Band Empath aus München ist dies tatsächlich schon zweimal passiert. "Wir haben in München vielleicht eine Handvoll Konzerte gespielt. Aber nach einer Show kamen zwei fremde Typen zu uns und hatten einfach unser Logo tätowiert", sagt Sänger Philipp Ramstötter. Dabei gibt es Empath in der aktuellen Form erst seit Anfang 2018. Vier der fünf Musiker haben zuvor gemeinsam im Projekt Little House gespielt. Als sie sich von ihrem Sänger trennten, rotierten sie in ihrer Aufstellung: Philipp übernahm den Gesang, Lorenz Kölbl kam als neuer Bassist hinzu. Auch der Name sollte dem gewachsenen Musikstil angepasst werden. "Unser neuer Name, das Logo und die Songs stehen dafür, wie wichtig die Fähigkeit der Empathie für uns ist. Anderen und auch sich selbst gegenüber, als Selbstreflexion", erklärt Philipp. Wenn er einen Song das erste Mal hört, achtet er immer zuerst auf den Text. Er legt viel Wert auf seine Lyrics. "Hier ist Silent Planet ein klares Vorbild für mich. Die gehen an ihre Texte heran wie an wissenschaftliche Arbeiten. Das ist die Art von Songwriting, wo ich hin will."

Empath machen Progressive Post-Core, eine weiterentwickelte Form aus Metalcore und Hardcore. Und obwohl die Band erst einen Song veröffentlicht hat, fällt schon eine fortgeschrittene Form des Songwriting auf. So chaotisch das Genre wirken mag, sieht man näher hin, sind die Songs meist vielschichtig gestaltet: ausgefeilte Riffs von zwei gleichwertigen Gitarren, vordergründiges Shouten und Backing-Vocals greifen echoend ineinander über, dazwischen melodische Parts mit Clean-Gesang. Bei jedem erneuten Hören lässt sich ein neues Element entdecken. Die Songstrukturen sind inkohärent, gestückelt durch sogenannte Breakdowns: schnelle Tempowechsel, die den Song kurz anzuhalten scheinen, bis die treibenden Drums das Tempo wieder aufnehmen. Es erfordert Präzision, das alles auf hohem Niveau zu produzieren. "Wir haben gemerkt, dass unser Songwriting nicht nur im Proberaum stattfinden kann. Also haben wir angefangen, an einzelnen Songteilen daheim zu basteln, über selbst programmierten Drums. Dadurch wachsen die Spielräume und die Kreativität enorm", sagt Gitarrist Ruffy, in dessen Zuhause die Band sich mittlerweile ein halbes Tonstudio eingerichtet hat. Hier entstehen die Feinschliffe. Empath nehmen ihre Einflüsse neben bekannten Namen der Szene wie Architects auch von unbekannteren Bands wie The New Age. Und ihre Köpfe sprudeln von Ideen. Durch Einsatz von Synthies und selbst produzierten Sound von Streichinstrumenten oder Klavier wollen sie experimenteller werden und ihren eigenen Stil mit Wiedererkennungswert prägen.

2019 soll die erste EP erscheinen. Doch Fans gibt es auch schon ohne Album, denn wenn sie sich nicht das Logo tätowieren lassen, unterstützen sie die Band auf andere Weise. So wurden Empath nun mit ihrem einen Song bei einem Online-Voting ins Line-up eines Festivals in Berlin gewählt. Dieses Vertrauen spricht, wie auch die Band-Tattoos, für die Szene - die Fans bleiben ihrem Genre treu, doch stets mit einem offenen Ohr für Newcomer.