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Band der Woche:Ellereve

Dream-Pop mit einem Hang zum Mystischen

Von Anastasia Trenkler

Eine Band lebt, wie jede andere Gruppe auch, vom Kompromiss: Jedes Mitglied bringt seine eigenen Ideen mit in den kreativen Prozess. Am Ende steht immer das Zusammenspiel aus vielen Faktoren - ein Ergebnis, das keinem Musiker alleine gehört. Im Laufe ihrer Karriere verspüren daher viele Künstler den Wunsch nach einem Soloprojekt: Im Pop-Sektor war es Johannes Strate, Frontmann von Revolverheld, der im Jahr 2011 sein Solo-Album veröffentlichte. Im Hip-Hop wagte der Rapper Tarek K.I.Z. im vergangenen Jahr den Alleingang.

(Foto: Isabel van Moon)

Nach anfänglichem Zögern veröffentlicht nun auch Varo-Sängerin Elisa Giulia Teschner ihre Solo-EP "Heart Murmurs": "Es hat eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, dass es einen Weg gibt, mich selbst - alleine - musikalisch auszudrücken, fernab von einer Band-Formation", sagt die Musikerin. Ihre Band Varo gibt es natürlich immer noch. Schließlich habe Elisa die neuen Songs ursprünglich für ihre Band geschrieben und sich dann gedacht: "Warum nicht alleine probieren?" Die Reise zu ihrem Soloprojekt Ellereve empfand sie daher als befreiend. Das sei auch jedem ihrer insgesamt sechs Songs anzuhören. Ihr erstes Lied namens "Melt", erschien nun am vergangenen Freitag.

Ellereve

Stil: Dream Pop / Dark Pop

Besetzung: Elisa Giulia Teschner (Gitarre, Gesang, Synths)

Aus: Bernried am Starnberger See

Seit: 2019

Internet: www.ellereve.de

Der Sound ist verträumt und düster, zerbrechlich und überraschend kraftvoll zugleich. "Natürlich ähnelt er dem ihrer Band Varo. Dennoch klingt Ellereve reduzierter und dadurch auch persönlicher", sagt sie. Der Grund dafür: Elisa hat die Songs nicht nur geschrieben, sondern auch selbst produziert. Mit YouTube-Tutorials und Kursen brachte sie sich die Grundlagen bei. Wenn sie mitten in der Nacht technische Probleme hatte, dann bat sie Freunde um Hilfe. "Das war harte Arbeit", sagt die Musikerin. Sie klingt dabei ein wenig erschöpft, vor allem aber sichtlich stolz. Einzig beim Mastern, der Bearbeitung der Tonaufnahmen ganz zum Schluss, holte sich Elisa Unterstützung vom Berliner Produzenten 7Apes, der ihren Dark-Pop-Songs einen elektronischen Schliff verpasste.

Und noch etwas ist anders: Während Naturmotive bereits zu ihrem künstlerischen Standardrepertoire gehören, erstrahlen sie im Musikvideo zu "Melt" in einem neuen Licht. "Wir haben das Video in Infrarot gedreht", sagt sie. "Alles was eigentlich grün ist - also die Wiesen und Bäume - ist im Video rot. Das sieht schon abgefahren aus", sagt Elisa. Sobald es wieder möglich ist, möchte Elisa mit Ellereve auf die Bühne. "Für mich sind Konzerte und die Interaktion mit dem Publikum schon das Größte. Live aufzutreten fehlt mir sehr", sagt sie. Bis dahin aber arbeite die Musikerin an neuen Songs. Bei nur einer Veröffentlichung von Ellereve soll es also auf Dauer nicht bleiben.

© SZ vom 02.11.2020

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