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Band der Woche:Darcey

Um sich als Band dem Revival des Britpops zu verschreiben, muss man nicht zwangsläufig aus England kommen. Es reicht, schlichtweg Lust auf rohen und ehrlichen Gitarrensound mitzubringen

Von Amelie Völker

Aus Garagen der britischen Vororte der Achtziger- und Neunzigerjahre dröhnte es damals rotzig - und nach Aufbruchsstimmung. Es war die Zeit von Britpop. Es entstanden mal stadiontaugliche Rockhymnen, mal leicht verdauliche Indie-Songs. Nach der Hochphase wurde es ruhig um dieses Genre, das Oasis, Blur oder Radiohead groß gemacht hatten. Vorletztes Jahr jedoch titelte der Guardian "Britpop is back!" und bezog sich auf das Cool-Britannia-Festival, dessen Line-up viele neu gegründete Bands zeigte, die Neunzigerjahremusik spielen.

Um sich als Band dem Revival des Britpops zu verschreiben, muss man weder zwangsläufig aus England kommen noch inhaltlich den Union Jack schwenken. Es reicht, schlichtweg Lust auf rohen und ehrlichen Gitarrensound mitzubringen. So macht es auch Darcey , eine junge Band mit Mitgliedern aus München, Nürnberg und Bern, die sich der Rettung des Britpop-Sounds verschrieben haben. "Darcey ist Leidenschaft, Darcey ist ein fucking Herzensprojekt", sagt Sänger Tommi Schädler, 24. Neben ihm sind da Leadgitarrist Tammo Schade, 24, Bassist Felipe Andrade, 30, und Schlagzeuger Felix Wolf, 24. Doch Achtung, Verwechslungsgefahr! Die Musiker haben rein gar nichts zu tun mit einem Münchner Branchenkollegen mit ähnlichem Namen: Xavier Darcy. Lange hatten die Bandmitglieder nach einem passenden Namen gesucht. Sie entschieden sich für "Darcey", nach Mr. Fitzwilliam Darcy, eine der beiden zentralen Figuren in Jane Austens Roman "Stolz und Vorurteil". Wie passt ein romantischer Romanheld zu einer Britpop-Band aus Bayern? "Er spiegelt Werte wider, die wir auch vertreten," sagt Tammo, "und außerdem hat der Name einen guten Klang."

Darceys Stil lässt sich als Indie-Rock mit Einflüssen des Britpop beschreiben. Mal ist er rockig und klingt eher nach Garagensound, mal ist er glatt und poppiger. Stichwort: Oasis. Oder Mando Diao. Die Band arbeitet mit platzierten Synthesizern und flächigen Pads zu wuchtigen Gitarren und modernem Gesamtklang. Musikalisch bringen sie teilweise verschiedene Backgrounds mit: Felix und Felipe haben Jazzmusik studiert. Tommi war als Teenager bayrischer Mundartkünstler.

Sein Vater hat ein eigenes Musikstudio in Regensburg. Somit steht der eigenen Band so gut wie nichts im Weg. Doch erst während des Studiums trifft Tommi auf Gleichgesinnte wie Tammo. Gegründet haben sie ihre Band schon 2017. Ernster wurde es erst im vergangenen halben Jahr, sie produzieren erste Singles, so auch "Milestone". Über die selbstbewusste Ansage, die dieser Titel impliziert, "hatten wir gar nicht so richtig nachgedacht", sagt Tammo und lacht. Inhaltlich solle es vielmehr um die Frage der Vergänglichkeit gehen: "Man sollte immer danach streben, der Welt etwas Positives zu hinterlassen. Wir versuchen das durch unsere Musik," sagt er.

Im erst kürzlich veröffentlichten Song "Illuminations" wird es dagegen etwas düsterer: "Hier hinterfragen wir die Rolle der Medien in Bezug auf das Verhalten von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen", sagt Tammo. Die titelgebenden "Illuminations" stünden dabei sinnbildlich für das Rampenlicht, woran viele zu Grunde gehen. Eingefügte Medienschnipsel zu imposanten Rockriffs verleihen dem Song Spannung und Seriosität.

München. Nürnberg. Bern. Regensburg. Schon vor der Krise war Darcey eine Band mit Fernbeziehungen. Geprobt werden konnte daher nicht regelmäßig. Stattdessen treffen sie sich kurz vor ihren Auftritten, um konzentriert ein paar Tage durchzuproben. Der nächste Gig würde im September bei einem Festival in Ostfriesland anstehen. Reinschnuppern ins Tourleben, wenn die Situation es bis dahin hoffentlich zulässt.

© SZ vom 08.06.2020

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