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Band der Woche:Cosima Kiby

Die Singer-Songwriterin aus München schreibt ihre Songs gerne Nachts

Von Laura Wiedemann

Es ist Nacht. Cosima Kiby, 22, ist noch unterwegs. Sie geht spazieren, legt sich auf den Boden, schaut in den Himmel. Sie denkt nach. Über das Leben. Über das, was sie umgibt. Über sich selbst. Viele Texte der jungen Singer-Songwriterin sind in so einer schlaflosen Nacht entstanden. "Nachts bin ich einfach am kreativsten, auch wenn das sicher nicht immer schön für meine Nachbarn ist", sagt Cosima. Dann setzt sie sich an ihr E-Piano und beginnt zu spielen, auf der Suche nach der perfekten Melodie zu ihren oft nachdenklichen und melancholischen Texten.

Gesungen habe sie schon immer, das Klavierspielen sich später selbst beigebracht. Damals klimperte sie oft auf dem weißen Flügel im Haus ihrer Eltern. "Und an diesem Flügel schreibe ich noch heute am liebsten meine Songs. Ich weiß nicht, warum. Er ist so verstimmt. Aber dort kann ich einfach kreativ sein. Vielleicht auch, weil ich schon so eine lange Geschichte mit dem Flügel habe", sagt sie. Ihre Musik soll ein Gefühl von einem Zuhause vermitteln. Einen warmen Ort schaffen, an dem man glücklich, aber auch mal traurig sein darf. Cosimas klare, soulige Stimme legt sich über mollige Klavierharmonien.

Ein Song, der da heraussticht, ist ihre gerade veröffentlichte Single "Summer Nights". Zu der gewohnt warmen Melancholie gesellt sich ein fast fröhlicher Unterton, was auch daran liegen mag, dass der Text schon beinahe zehn Jahre alt ist. Cosima schrieb ihn mit 13 und hat ihn seitdem mit sich herumgetragen. "Viele meiner Songs, die ich heute schreibe, sind nicht so glücklich. Einfach, weil Songwriting mein Mittel der Verarbeitung ist. Bei ,Summer Nights' kann man sich einfach zurückerinnern, wie das mit 13 war. Als man noch davon geträumt hat, mit seiner großen Liebe im Sommer nachts durch die Straßen zu laufen", sagt Cosima. Nostalgisch, aber auch ernüchternd finde sie das.

Heute geht es in ihrer Musik um weniger schöne Zeiten. Vor allem ihr Song "Anxiety", der im Oktober erscheinen soll, beschäftigt Cosima noch immer sehr. "Ehrlich gesagt habe ich etwas Angst, diesen Song zu veröffentlichen", sagt sie. Anfang des Jahres hatte die Sängerin mit Panik- attacken zu kämpfen. Ein sehr intimes Thema. Aber es ist ihr auch wichtig, ihre Erfahrungen zu teilen: "Auch wenn es oft nach außen so scheinen mag, ich bin nicht immer glücklich. Und es geht vielen so wie mir. Ich will zeigen, dass es okay ist, so zu fühlen, und wir damit nicht allein sind." So klingt ihre Musik auch. Traurig, mal melancholisch. Sie lässt ihre Zuhörer ganz nah an sich heran.

Vielleicht ist auch das der Grund, warum Cosima Kiby ihre Texte so gerne auf dem Boden liegend schreibt: es gibt ihrer Musik ein Gefühl von geerdet sein. Und von Verbundenheit.

© SZ vom 05.10.2020
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