Durch die Rückfahrkamera eines Autos sieht man einen jungen Mann. Er trägt Schnauzer. Und einen Strauß rosa Rosen. Der Fisheye-Effekt verzerrt alles, trotzdem fällt eines sofort auf: Der junge Mann versucht, gegen etwas anzutanzen. Vor allem dann, wenn das Auto sich in Bewegung setzt und auf ihn zurollt.
„Alle Autos fahr’n davon. Ich verstehe keinen Ton. Aber magst du mich schon? Innenstadtverkehr muss sterben“, singt der Münchner Musiker Max Weigl in diesem Musikvideo seiner Single „Innenstadtverkehr“. Video und Text spielen mit allerlei Zweideutigkeiten. Aber ist es nun eher ein politischer Song? Oder doch ein Liebeslied?
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„Ein bisschen was von beidem“, sagt Max Weigl und lacht. „Eigentlich ist das Grundgefühl meiner Lieder schon immer eher romantisch. Aber ich traue mich immer mehr, auch politische Themen einzubauen.“ Das Thema Klimawandel habe sich ihm fast aufgedrängt, weil es für ihn so wichtig ist. Dennoch lässt er seine Aussagen subtil in seine Songs einfließen, ohne dass das Grundgefühl überwiegend politisch ist. Ein Genre aus Wir-sind-Helden-Zeiten, das hier wieder auflebt?
Auf einer zweiten Ebene geht es in „Innenstadtverkehr“ um schlechte Kommunikation beim Daten. Und darum, dass man manchmal ziemlich hingehalten wird – von seinem Crush. Zwischentöne, die vor lauter Getöse um einen herum eben manchmal unverständlich bleiben.
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Insschlosswollen heißt das Solo-Musikprojekt von Max Weigl, nachdem sich seine ehemalige Band Endlich Rudern in jüngster Vergangenheit aufgelöst hat. Nach der letzten EP folgte bei Endlich Rudern eine längere Pause, aus der dann – wegen musikalischer und organisatorischer Themen – die Auflösung resultierte. „Irgendwann ist uns klar geworden, dass die Zeit dieser Band zu Ende ist“, sagt Max Weigl. „Aber wir verstehen uns immer noch gut und sind auch fein damit.“
Das neue Projekt scheint bei ihm ein Schreib-Ventil geöffnet zu haben: „Ich hatte nach der Band sehr viel Lust darauf, einfach das zu machen, das mir entspricht“, sagt er. „Meine Songs sind nun alle sehr direkt, roh, verständlich und viel poppiger. Es ist alles sehr aus dem Herzen geschrieben.“ Schnell habe er gemerkt: Es macht einen Unterschied, nur für sich selbst zu schreiben, anstatt Erwartungen von Bandmitgliedern erfüllen zu wollen.
„Die Songs müssen erst mal nur mir genügen, weil ich sie zunächst nur für mich schreibe“, sagt Max Weigl. „Dadurch ist mein lyrisches Ich jünger und emotionaler geworden.“ Diese Coming-of-Age-Musik steckt auch in seinem Künstlernamen: „Es geht darum, in seinen Zwanzigern ständig irgendwo ankommen zu wollen. Am liebsten in seinem eigenen symbolischen Schloss“, sagt er.
Meistens schreibt er seine Lieder spätnachts, wenn Max Weigl vom Feiern nach Hause kommt. Wenn er ein wenig verletzlich ist. Mit seiner Gitarre sitzt er dann am WG-Küchentisch. Und innerhalb von zwei Stunden steht da ein Song. „Das Schreiben passiert extrem schnell und intuitiv mittlerweile“, sagt er. „Dadurch entstehen sehr direkte und rohe Demos. Und der Vibe ist sehr intim.“
Vier Songs sind auf seiner EP zu hören, sie heißt „Hast du heute vom Fliegen geträumt?“. Schon der Titel zeigt: Die Zweideutigkeit zieht sich durch alle seine Lieder: Es sind romantische „Coming-of-Age-Songs“, die zugleich poetische Worte zum Thema Klimawandel gefunden haben. Dabei bleibt jedoch auch stets eine ironische Ebene erhalten, in der sich Max Weigl als „leidender junger Mann mit Schnauzer“ nicht zu ernst nimmt. Somit wäre auch sein selbst ernanntes Musikgenre erklärt. Nur Indie wäre langweilig, sagt zumindest der Musiker: „Ich habe einen Schnauzer und ich mache Indie. Schnauzer-Indie erschien mir passend.“
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