Bahnwärter Thiel und Alte Utting:Livekultur unter Bäumen

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Nischenkultur: Im Bahnwärter Thiel gibt es lauschige Plätze und bald auch wieder ein Programm. (Foto: Daniel Hahn/Bahnwärter Thiel)

Noch wird an Plänen gefeilt, wie Veranstaltungen auch im Innenbereich stattfinden können. In Biergärten hat es die Kultur bislang leichter. Der Bahnwärter Thiel und die Alte Utting legen draußen schon mal vor.

Von Michael Zirnstein

Das Motto lässt schon auf eine Münchner Normalität schließen: "Prosecco Retreat". Das steht nun täglich, ein wenig ironisch, für Füßehochlegen, Sonnenbaden und ein bisschen Bussi-Bussi. Tatsächlich scheint die Corona-Krise weit entfernt, wenn man dieser Tage über das Gelände des Bahnwärters Thiel zwischen rostigen Frachtcontainern schlendert, sich in einer künstlerisch gestalteten Nische niederlässt, Urban-Gartler beim Pflanzenhätscheln beäugt und sein Helles, meinetwegen auch einen Prosecco in dieser Oase der Ruhe genießt. Aber hinter den Kulissen des Kulturzentrums wird hektisch auf den Normalbetrieb hingearbeitet, Daniel Hahn und sein Team diskutieren mit den Behörden quasi via Standleitung über Sperrzeiten, Sicherheitsauflagen und Kultur.

So sieht es auch ein paar Straßen weiter bei der Alten Utting aus, Hahns auf einer Brücke gestrandetem Ausflugsdampfer. In dessen Bauch sollen bald Lesungen und kleine Konzerte stattfinden, noch aber hat es die Kultur draußen im Biergarten leichter, wo sich bis zu 650 Gäste gut belüftet weiträumig verteilen. Veranstaltungen laufen hier in zwei Arten an, wie man am Sonntag, 28. Juni, beim allwöchentlichen Weißwurstfrühschoppen sieht: Es gibt Live-Veranstaltungen, wie das Puppentheater von "Kasperls Spuikastl" für etwa 40 bis 50 angemeldete Gäste (14 und 15.30 Uhr), und es gibt Begleitmusik für alle wie den Jazz von Kelley & Thompson. Am Freitag, 27. Juni, legt Garcon Gaston flächendeckend sommerliche Ethno-Electro-Klänge zur Eröffnung der neuen Eisbar (vom Café Kustermann) auf, während am Donnerstag, 26. Juni, Martin Lidl unterstützt von allerlei Soundmaschinen auf der Bühne bei "Loop The Ship" sein Publikum in den Piratenbucht-Teil der Alten Utting zieht. Lidl hat auch Ansagebänder erstellt, die für die auftretenden Künstler, die Corona schwer getroffen hat, um Spenden bitten.

Wie hier alles ineinandergreift, zeigt auch, dass Lidl die "Südbahnhofkonzerte" im Bahnwärter kuratiert. Auch dort wird bald mehr Programm laufen. Derzeit steht schon der Vortrag des Glücksphilosophen Paul Gantzer über seine Weltreise mit zehn Dollar am Tag fest (5. Juli, 19 Uhr). Und ein Live-Elektro-Konzert am 9. Juli mit dem Münchner Duo Kidsø, "Helden der Stille", die viel mit Natursamples arbeiten; und Iorie, einem Produzenten und DJ aus Hannover, was zeigt, dass man hier die lokale Szene stärkt, aber auch wieder Gastspiele organisiert. Ein weiterer Schritt hin zur Normalität.

Bahnwärter Thiel , Tumblinger Str. 29, tägl. 16 bis 22 Uhr, Sa./So. 14-22 Uhr; Alte Utting , Lagerhausstr. 15, tägl. 15-23 Uhr, Sa. 10-23, So. 10-22 Uhr

© SZ vom 25.06.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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